02.11.2025
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Hallo zusammen,
guten Morgen aus Norwegen. Hoffe ihr seit fit und habt noch Lust mit uns unterwegs zu sein.
9:12 Uhr ist es an diesem Sonntag, als ich auf die Uhr schaue. Wach bin ich schon ein paar Momente länger. Oh...so spät schon...um 9:35 Uhr geht die nächste Fähre! Wir stehen in Forvik am Hafen und hätten noch eine theoretische Chance, das Boot zu bekommen. Müsste dann jetzt aber schnell gehen....und das am Sonntag.
Raus aus dem Bett, Heizung wärmer stellen, schnell ein paar Videos aufnahmen. Draußen der Sturm weg, dafür recht grau und auch etwas Regen. Eigentlich Wetter um im Bett liegen zu bleiben.
Doch nein, ich setze mich ans Steuer, lasse den Motor an und fahre los. Drehe den KaiMAN, neben mir sitzt eine überrascht dreinblickende Flauschy. SO FRÜH HEUTE? Ihr Blick etwas vorwurfsvoll.
Ja, tut mir leid...was soll ich machen. Der nächste Kahn geht dann erst wieder um die Mittagszeit. Soooo lange will ich hier nicht rumhängen.
Wir stellen uns hinter ein oder zwei andere Fahrzeuge an, die Fähre kommt, entlädt und wir fahren drauf. Zu meiner Überraschung ist gut was los, hinter uns stehen auch noch zig Fahrzeuge die mit wollen. Haben die kein Zuhause? Was machen die so früh alle schon hier....?
Pünktlich wie immer legen wir ab, die Fahrt etwas länger, aber ne offene Fähre, ich kann im KaiMAN bleiben. Das ist mir immer am liebsten. Doch ne Runde übers Boot schlendere ich dann doch noch. Älteres Modell aber schwimmt noch, könnte man die Situation zusammen fassen.
Mit Zwischenstopp in Stokka erreichen wir unser Ziel Tjötta ohne Probleme. Alle runter vom Boot und weiter. Das Wetter hinter uns schöner als vor uns. Von hinten schleicht sich etwas blauer Himmel an. Vorne noch alles grau. Das hat man davon, wenn man mal etwas zeitiger aufbricht am Morgen...schlechtes Wetter.
Die nächsten Kilometer folgen wir der Küste bis Sandnessjøen. Hinter dem Dorf stoppe ich den KaiMAN. Riesen Brücke voraus mit Linkskurve in der Hochfahrt. Das könnte ein schöner Drohenshot werden nachher. Vorher aber n Happen Essen und noch etwas auf bessere Wetter hoffen.
Ich setze mich in die Dinette, Toast mit Marmelade gibts. Das Wetter...naja...es bessert sich in Zeitlupe. Die Wolkendecke steigt etwas an, zeigt die leicht verschneiten Berggipfel in der Ferne. Hinter uns ein Strahl Sonne, der aber nur weit entfernte Berger erreicht und bei weitem nicht uns.
Gegen Mittag fahre ich ab. Drohne in der Luft. Komisches Gefühl im Bauch. Auf Hauptstraßen mit etwas Verkehr, plus Wind plus Brückenbauwerk fliegen und fahren ist nicht ohne. Da muss der Co-Pilot....scheisse...der hat ja heute frei....verdammt...Flauschy fliegt nicht...also muss ich ran. Fahren, fliegen, Wind, Verkehr, Brücke...immerhin muss ich nicht auch noch schalten. Der Wind ordentlich in der Höhe, davon war am Boden wenig zu spüren.
Stoppen auf der Brücke ist nicht, Drohne umsetzen somit auch nicht. Das gibt also einen One-Shot und ich muss im Schnitt irgendwie das Beste draus machen.
Nach der Brückenquerung zum Glück eine Ausbuchtung. Ich stoppe, mache noch ein paar weitere Aufnahmen der Brücke und lande die Drohne wieder. Bin ich froh das morgen Montag ist und der Co-Pilot wieder fliegt.
Alles verstauen, Akku wieder laden und weiter geht die Fahrt. Günstige Tanke gibts in Leland. Knapp 20 NOK nur, wohingegen es sonst überall rund 22 NOK kostet. Das ist schon ein signifikanter Preisunterschied. Somit: vollmachen. War aber erst halb leer. Also nicht so teuer. Friedrich wird stolz auf mich sein.
15 km später die nächste Fährfahrt rüber nach Nesna. Kurze Fährfahrt aber gut was los. Boot aber groß, alle kommen mit. Von Nesna geht es kurz hoch ins Hochland, auf 350 m. Hier sieht es nun auf 350 m so aus, wie auf 1000 m auf Höhe Lillehammer.
Wir schrauben uns hoch, ein Parkplatzschild kommt und ich fahre links auf den Parkplatz. Willkommen zu Hause. Hier war ich schonmal. 2018. Mit Zottl. Sieben Jahre her. Krass. Damals war ich
auf der Rückfahrt meiner ersten großen Tour mit Zottl. 3,5 Wochen Nordkap und zurück. Wow...da war ich noch in einem anderen Leben. Gefühlt in einer anderen Welt. Kannte noch keinen Timo, Dirk oder Mona und Niko. Und euch alle auch noch nicht. Damals reisten hier ja noch bedeutend weniger mit. Wer aber schon mit dabei war: der Co-Pilot! Die gefühlt einzige Konstante in meinem Leben der letzten 7 Jahre. Alles andere hat sich ziemlich verdammt verändert. Freundin weg, Wohnung weg, Job weg, PKW weg, selbständig, viele neue Freunde, neuer Van, neues Leben. Viel Freiheit, viel Arbeit, viel Freude. Und der Co-Pilot! Mein treuer Begleiter!
Gut hat mir das 2018 niemand so gesagt. Ich hätte ihn für verrückt erklärt. Damals war ich echt noch voll normal. Habe nicht über einen Ausstieg aus meinem Leben nachgedacht. Tja, und jetzt steh ich hier...wo ich schonmal war...als anderer Kai. Verrückt und eindrücklich. Und ich bin froh, bin ich heute der Kai von heute und nicht mehr jener von 2018. Der gehört zwar auch zu meinem Leben, meiner Vergangenheit, aber 2025 ist besser als 2018. Zumindest auf mich bezogen. Auf die Welt...naja...eher nicht.
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Ich bleibe 20 Minuten und fahre weiter. Die nächste Fähre wartet. Zurück vom Berg an die Küste. Die Gegend wird nun schroffer, die Berge höher und es sieht ein wenig vergleichbar mit Senja aus. Kaum Verkehr, kaum andere Camper. Absolute Nebensaison. Gut so.
Wir erreichen Kilboghavn. Nächste Fähre. Stunde warten. Als ich mir die Beine vertreten will, scheucht mich ein Regenschauer zurück in den KaiMAN. 16 Uhr, dunkel. Ich arbeite etwas und irgendwann schiebt sich die Fähre ins Bild. Los gehts. Alle aufs Boot. Die Fährfahrt geht ne Stunde, mit Zwischenstopp und Überquerung des Polarkreises. Unmerklich schwappen wir rüber. Ich stelle das übrigens erst jetzt fest, als ich hier den Blog tippe.
So erreichen wir das erste Dorf nördlich des Polarkreises mit der Fähre, Jektvik. Kurz vor dem Anlegemanöver gehe ich noch kurz an Deck vor die Tür. Filme und denke...Alter...da ist doch grünes Zeug am Himmel! Das gibts doch nicht...Polarlicht. Lange filmen kann ich es nicht, ich muss zum KaiMAN. Doch immerhin, eine kurze Sichtung gabs mal wieder. Später halte ich immer wieder Ausschau, aber zu sehen ist nichts mehr.
An Land mache ich mich auf die letzen 20 km für heute. Schlafplatz wird ein normaler Rastplatz sein mit Aussicht. Vorher müssen wir aber noch unter einem See durch tauchen per Tunnel. Kurz danach links und wir haben unser Ziel erreicht. Geht auf 20 Uhr zu, Feierabend.
Sofort geht es an den Rechner, Schnittprogramm öffnen. Nebenher Grünkohleintopf aufwärmen und später einwerfen. Lecker! Ich arbeite bis Mitternacht weiter, muss aus einem Video zwei machen, denn das eine wurde mit über 40 Minuten deutlich zu lang. Der Aufwand aber gross, beide Video müssen noch fertig geschnitten werden, zwei Intros erstellen, zwei Routenanimationen, zweimal rendern, hochladen...es dauert alles ewig. Zig Mausklicks.
Um 1 Uhr liege ich im Bett. Morgen gehts weiter. Eventuell erreichen wir Bodö. Aber vielleicht auch nicht. Wir werden sehen.
Jetzt erstmal gute Nacht und bis morgen.
Viele Grüsse
Kai und Flauschy
GPS Koordinaten:
abends: 66.646749, 13.534337
Unsere heutige Route: ca. 250 km
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Schmidt, Jutta (Mittwoch, 12 November 2025 09:04)
Hallo Kai,
es ist spannend,wieder mit dir reisen zu können. Darauf hatte ich gewartet. Manchmal ist es beängstigend, wenn du z.B. Brücke bei Verkehr und Wind noch Drohne fliegst. Ich wünsche dir,dass dein Schutzengel immer ein Stück vorausfliegt. ...und wieder drüber gehuscht, über den Polarkreis. Wenn man auf Reisen plötzlich an Orte kommt,an denen man schon einmal war,überkommt mich auch immer das Gefühl,nach Hause zu kommen.
Ich wünsche dir weiterhin eine gute Fahrt mit dem Neuen.
Dir und dem gesamten Team viele Grüße von
Jutta, die schon lange mitreist.