04.11.2025, Dienstag. Die Sache mit der Fähre
.....
Hallo zusammen,
8:30 Uhr, zur gewohnten Zeit werde ich wach. Und das, obwohl ich erst um halb zwei das Licht aus gemacht habe.
Draußen rauscht der Wind über uns hinweg und als ich durch mein Fenster schaue....oh! Der Himmel leuchtet. Aber nicht grün wie gestern sondern Rosa wie heute. Schnell schnappe ich meine Kamera und filme aus dem Fenster. Für vor die Tür bin nicht bereit. Lieg ja noch im Bett, Und bis ich vor der Tür wäre, wäre das Rosa weg.
So lehne ich mich aus dem Fenster in den kalten Gletscherwind und filme in Richtung Sonnenaufgang. Die Sonne freilich nicht zu sehen, aber ihr rosa-orangenes Licht. Der Himmel glüht. Wow!
Wir stehen hier auf über 500 Meter, irgendwo dahinten liegt Norwegens zweitgrößter Gletscher und wir sind hier oben komplett alleine. Niemand sonst hier zu sehen. Genialer Spot für ne entspannte Nacht. Hätte ich Zeit, ich würd hier ne Woche verbringen. Auf dieser Reise ist das jedoch nicht drin. Spät abgefahren zu Hause, weniger Zeit bis Weihnachten zum reisen. Blöd, aber ist halt wie es ist.
Nach dem Morgenrot. kann ich mir schon denken was als nächstes kommt. Und es trifft auch so ein. 30 Minuten später legt der Wind noch ne kleine Schippe drauf und bringt seinen Kollegen fliegender Regen mit. Es peitscht um den KaiMAN, dass er mir fast leid tut. Ich stelle die Heizung höher, davon hat er ja auch was. Wärmen von innen. Bei dem Wetter könnte ich jetzt auch eine heisse Schoggi mit Schuss gebrauchen. Gut, die heisse Schoggi mach ich, den Schuss lass ich aber weg. Muss ja noch fahren.
Nach etwas Arbeit ringe mich mich dazu durch, vor die Tür zu treten. In den Wind und jetzt nur noch leichten Regen. Kurze Runde vor zur Staumauer, der See gut voll. Die zwei Gebäude sehen unbewohnt aus aber sind gut in Schuss. Der Wind bläst mir mit rund 50 km/h gut um die Nase. Einen Drohnenflug lasse ich lieber sein.
Zurück im KaiMAN, aufräumen, klar machen fürs los segeln. Es wird Zeit. Die Bärendbande um 10 Uhr jedoch noch nicht zum Dienst angetreten. Ich finde sie hinten gestapelt im Bett, noch hinter der Zudecke. Haben sich gut versteckt vor dem Sturm...oder mir?
Unwillig lassen sie sich nach vorne Tragen, wollen nicht auf ihren Sitz. Was ist los mit euch??? Grummelige 6 paar Knopfaugen schauen mich an. Huch...selbst Lena schaut etwas unrosa. Was ist den los? Blicke wandern gefühlt hin und her, niemand sagt was...bis bei mir der Groschen fällt. DIE SCHUTZFOLIE! AUF DEM SITZ!
Über dem Beifahrersitz ist vom letzten Werkstattbesuch noch die Schutzfolie, die geht der Bärenbande wohl etwas auf den Keks. Mir ehrlich gesagt auch. Sie flattert nämlich immer sau laut im Wind wenn ich aus dem Beifahrerfenster filme.
Somit...entferne ich die Folie vom Sitz. Eigentlich ist sie ja zum Schutz da, doch wenn das Team es nicht gut findet, kommt sie ab.
Kaum weg, sitzt das Team parat und will los. Dann mal Vollgas...rückwärts!
Wir verlassen See und Staumauer sowie verschneite Berge und rollen ein Stück des gestrigen Weges zurück. Jedoch nicht bis zur 17. Vorher geht es nochmal links und zur zweiten Staumauer. Wenn wir schon hier sind, wollen wir beide Mauern sehen.
Nach rund 5 km Fahrt stehen wir am Fuss der zweiten Mauer. Hoch fahren darf man nicht. Gesperrt. Schade. So sehen wir den See nicht. Hochlaufen wäre möglich, doch hab ich eine andere Idee.
CO-PILOT, auf gehts! Stell dein Spielzeug in die Luft. Ui...da schaut er...den Bergriff Spielzeug für seine Drohen mag er genauso wenig wie Stofftier für sich selbst. Ich ernte also meinen zweiten Bösen Blick von ihm heute...beim Dritten gibts ne Abmahnung von Friedrich.
Ja, äh sorry, los jetzt...flieg mein großer, edler Herr! Das hört er schon lieber und macht sich ans Werk. Mauer hoch und Weg ist die Drohne. Windwarnungen erscheinen auf dem Display. Der Co-Pi fliegt und fliegt und weiss irgendwann nicht mehr so genau, wo er eigentlich ist. Die Staumauer nicht mehr zu sehen. Alles andere ist weiss, bergig oder weit weg. Wenn man nicht weiss, wo man ist, ist es schwierig, zurück zu fliegen. Auf dem Display sieht man zwar wo man ist und wo die Drohne ist, aber irgendwie ist der Co-Pi etwas durcheinander beute. So greife ich kurz ein und hole den Flieger zusammen mit ihm zurück. Puh....die Drohne landet. Alle froh.
Nun aber zurück zur 17 und weiter. Ich möchte noch zum langen Strand, Langsanden ist das Ziel. Auch hier war ich vor über 7 Jahren schon auf meiner Rückfahrt von der ersten Nordkap Tour.
Wir rollen also alles wieder zurück zur 17 und folgen ihr etliche Kilometer. Gefühlt sieht es hier weiter aus wie auf Senja. Schroffe Berge, dunkel, fast bedrohlich. Dazu das Meer und ein schmaler Küstenstreifen. Hammer Landschaft. Die 17 an ihrem nördlichen Ende spektakulärer als im Süde wie ich finde.
Wir folgen der 17 bis Skaugvollöya und biegen links auf Nebenstrecke ab. Eine Fährfahrt möchte ich noch machen. Abseits der 17. So folgen wir der 838 die nächsten 20 km bis sie am Wasser endet und vor uns 5 LKW und 3 PKW bereits anstehen. Wow...was ist denn hier für Betrieb? Hoffentlich kommen wir da mit. Wir sind in Sund und wollen nach Horsdal. das ist gerade gegenüber, 15 Minuten mit der Fähre. Ein Katzensprung. Was ich nicht realisiere: Horsdal ist nur ein Zwischenstopp. Die Fähre fährt danach direkt weiter nach Sör Arnöy. 40 Minuten Fahrt.
Amazon Link für alle anderen Einkäufe:
Um 14:30 Uhr können wir auf die Fähre. Erst 4 LKW, dann wir und noch 3 PKW. Ein LKW bleibt zurück. Wo wollen die alle hin? Noch nie so viele LKW auf so einer keinen Fähre gesehen.
Kaum auf der Fähre, komm ich mit nem Trucker ins Gespräch. Die holen Fisch auf der Insel. Lachs. Da ist ein großer Frischverarbeitungsbetrieb. Aha...das erklärts also. Die Ausbeuter der Meere sind hier zugange. Die Fabrik ist auf Sör Arnöy erzählt der Trucker. Aha...oh...WAS? Sör Arnöy? Ich will aber nach Horsdal!
Erst hier merke ich, dass ich auf einer Fähre mit Zwischenstopp in Horsdal und Ziel Sör Arnöy bin. Zu spät jedoch.
Wir legen 15 Minuten später in Horsdal an, ein PKW verlässt rückwärts die Fähre, dann legen wir wieder ab. Ich komme nicht raus, bin von nem LKW und zwei PKW eingeparkt. Verdammt! Wir fahren also falsch...mit der Fähre. Nach Sör Arnöy. Auf eine Insel auf die wir nicht wollen. Und von der wir auch nicht auf anderem Weg wieder wegkommen. Nur mit dieser Fähre. 40 Minuten shippern wir nun also sinnlos übers Meer zur Endstation. Erreichen sie. Werden entladen. Am Kai der Wartebereich schon voll. Die Fähre wird direkt neu geladen. Ich entscheide: wenn ich nun schon hier bin, schaue ich mich zwei h um. Um 17 Uhr rum kann ich noch immer wieder zurück fahren. Da kommt die nächste Fähre. Die Fischfabrik, neu und groß, steht direkt rechts am Hafen. Weitere, künstliche Flächen liegen bereit für mehr Gebäude. Die Insel ist merklich im Aufschwung. Fischfabrik bringt Geld und Reichtum in die Gemeinden.
Ich drehe also eine Runde, fahre von Süd nach Nord Arnöy, alles Single Track Road aber top und neu asphaltiert. An vielen Stellen wird privat gebaut, neue Wohngebäude und Häuser sind zu sehen. Hier geht was.
3 Kanonen aus dem WW2 gibt es am Nordende der Nordinsel noch zu sehen. Doch wird es schon dunkel und regnet immer wieder. Ich spar mir den Weg, drehe um, fahre zum Hafen zurück und hab noch Zeit. Auf Goolgle Maps seh ich, dass es hier ein Kaffee gibts. So fahre ich hin, parke, checke Google Maps nach den Öffnungszeiten....heute geschlossen. Echt jetzt? Da will ich einmal n Kaffee und n Kuchen genießen und die haben echt genau heute zu? Oh man...dieser Tag läuft ja super.
Dann nicht. Zurück zum Hafen. Im nahen Shop einkaufen ist heut nicht notwendig. Wir brauchen nix.
Im Hafen stelle ich mich an und warte mit unzähligen Fisch LKWs. Leider gibt es keine Lane für Horsdal. Ich muss das also dem Einweiser verklickern, dass ich in Horsdal raus will und nicht bis Sund mitfahren. Meine Annahme: wir fahren die gleichen Häfen an, wie auf der Hinfahrt. Macht doch Sinn diese Überlegung, oder?
Fähre kommt, Einweise geht an Land, Fähre wird entladen und dann zeigt er auf mich....ich soll als erster auf die Fähre. Ich fahre an, stoppe auf seiner Höhe und meine auf English: Ich möchte gerne in Horsdal runter. Geht das?
Amazon Link für alle anderen Einkäufe:
Und nun beginnt das Problem. Er, ein alter Herr, spricht kein Englisch/Deutsch, steht im Regen, es windet und schüttet gerade wie doof, er scheint mir genervt und pissig. Ich verstehe soviel, dass sie Horsdal nicht anfahren und direkt nach Sund durchziehen. Ich sage nochmal, dass ich gerne in Horsdal runter will vom Boot. Der Einweiser gibt mir ein Zeichen hier zu warten und fährt mit dem bording der LKWs fort. Ich stehe und warte...und warte...bis die Schranke runter geht. Einen PKW lassen sie dann zwar noch drauf, doch ich steh im Regen. Einfach stehen gelassen, ignoriert. Ich wäre ja auch mit nach Sund zurück gefahren wenn Horsdal, warum auch immer, nicht funktioniert. So sehen wir nun der Fähre zu wie sie ablegt und ich frage mich: WAS WAR DAS DENN JEZT? Lassen die uns hier eiskalt einfach stehen!? Oder hat er es mir auf norwegisch erklärt und ich nicht verstanden? Keine Ahnung! Bin aber etwas perplex.
Ich drehe den KaiMAN und fahre zurück zur Wartezone, stelle mich hinter den LKW der auch nicht mehr drauf passte und hoffe auf das nächste Boot. Fahren wir halt nach Sund. Ist zwar dann ein Umweg und war nicht so geplant, aber wenn Horsdal nicht funktionieren will...dann nehmen wir halt den Landweg.
Irgendwie vertue ich mich dann. Denke, die nächste Fähre geht um 19:30 Uhr. Doch kommt plötzlich um 18:30 Uhr Bewegung in den LKW vor mir. Ich bekam von allem nix mit hinter dem Truck. Dazu war ich konzentriert am schneiden, da bin ich eh in einer anderen Welt.
Ich hechte ins Cockpit, mache den Motor an und folge dem LKW aufs Schiff. Wir kommen drauf, das ist die Hauptsache, wo wir jetzt hinfahren, ist mir mittlerweile scheissegal. Bin ziemlich genervt, denn zum Schiffsroulett kam nun auch noch ein weiteres Problem mit dem KaiMAN....aber dazu nachher mehr.
Wir also auf dem Boot, kurz stehend um eingewiesen zu werden, reist der Einweise meine Beifahrertür auf. Dass der Co-Pilot ihn nicht direkt angreift, ist reine Glücksache. Er ist einfach zu überrascht.
Der Einweise labert irgendwas von Horsdal. Ich sage, mir egal wo hin, ich fahr auch nach Sund mit. Er haut die Tür zu wie ein Berserker, die Bärenbande fällt vor weiterem Schreck was vom Sitz. Alter....das hier ist kein Panzer...das ist ein Van!
Ich parke uns neben einen LKW und so, dass wir gut eingeparkt sind. Auf nach Sund.
Und was passiert?? Die verdammte Fähre stoppt 40 Minuten später in Horsdal. Ich könnte kotzen. Wir so eingeparkt, dass wir wieder nicht raus kommen. So legen wir wieder ab und shippern genau dort hin, wo die Odyssee startete: nach Sund! Dort fahren wir vom Boot und in die Nacht. Klar, könnte jetzt wieder borden und hoffen, dass ich dann in Horsdal raus komme vom Boot...doch hab ich gestrichen die Schnauze voll. Weg hier. Wir nehmen den Landweg. 50 km hin oder her...drauf geschissen. Findet selbst Friedrich der auch die Wattenase voll hat nach dem Schreck auf der Fähre.
Wir jagen durch die Nacht, auf die 17, folgen ihr 20 km, biegen ab auf die FV472, folgen ihr 20 km. Das dauert gefühlt ewig, und erreichen schließlich einen leeren, großen Parkplatz bei Wind und Regen in Langsanden. Stockdunkel schon lange. Ich parke nur noch und will mich um das nächste Problem kümmern. Was das ist? Vermutlich glaub ihr mir das jetzt nicht....
Wir haben doch eine Timberline Heizung drin. Und was ist passiert heute? Ausgefallen? Heizung startet nicht. Quasi Fehler E122H...nur heisst der Fehler bei Timerline #29: zu viele Startversuche. Nach drei Stück schaltet die Heizung auf Fehler und springt nicht mehr an.
Ich bin schon seit zwei Stunden, seit ich den Fehler bemerkte, in Kontakt mit den Timberline Jungs. Sicherung ziehen hat bisher nichts gebracht. Wie sich rausstellt, ist der Brenner einzeln abgesichert, jedoch nicht am Sicherungskasten sondern nah am Brenner. Also wohl unterm Auto oder im Sanitärfach. Müsste ich raus für, ums zu suchen. Regnet und windet aber wie sau. Geht nicht. Aber ohne stromlos machen, startet die verdammte Heizung nicht. Ich versuche alles von innen, ziehe die Sicherung fürs Display und Umwälzpumpe, mache den ganzen Van stromlos, kappe also die Leitung vom EcoFlow Power Hub via App. Doch der Fehler bleibt und es wird langsam kalt im KaiMAN. Zwar glücklicherweise 8 Grad draußen, aber warm ist anders.
Ich müsste raus zur Sicherung des Brenners. Der muss stromlos werden. Doch bei Dunkelheit und dem Wetter. Keine Chance. Gut, über die Nacht kommen wir mit Strom. Heizlüfter dabei und die Timberline läuft auch mit Strom.
Ich doktere am Display der TImerberline rum, lösche den Fehler, gehe zum Startbild des Bildschirms zurück, Fehler kurz darauf wieder da. Fuck! So geht das zig mal. Doch einmal bin ich schneller als die Fehlermeldung!
Ich lösche ihn, zurück zum Startscreen, dann tippe ich auf Heizung starten BEVOR der Fehler eine Chance hat, zu erscheinen...und zack...es tut sich was...die Heizung zuckt....5 Minuten später kommt warme Luft aus den Heizungsrohren. Krise abgewendet. Es wird wieder warm. Uff....fuck...Glück gehabt.
Warum und wann die Heizung ausgefallen ist? Keine Ahnung, ich hab es nicht mitbekommen. Evtl. entstand das Problem, als wir durch den langen 1.8 km Tunnel steil bergab vom Stausee zur 17 runter gefahren sind. Dieseltank nur halb voll. Evtl. hat genau auf dieser Strecke die Heizung versucht zu zünden, es nicht geschafft, weil sie keinen Diesel bekommen hat weil durchs steile bergabfahren die Ansaugung im Tank nur Luft ansaugte....vielleicht auch nicht...ich hab keine Ahnung. Ich werd das Thema nun genau im Auge behalten und überwachen. Sowas bei minus 20 Grad und hier wäre ganz schnell Game over. Genau für solche Fälle hab ich ja die MAN Dieselstandheizung noch verbauen lassen. Doch die läuft ja auch nicht...der Temperatursensor fehlt ja. Startet ohne Sensor nicht. Ich fahre sie also nutzlos durch die Gegend. Heute hätte ich sie gut gebrauchen können als Backup!
20 Minuten telefoniere ich nun noch mit Mona und Niko, wir klagen uns gegenseitig unser Leid und nebenher wird es warm im KaiMAN. Auch das Essen steht auf der Induktion und taut auf. Nasigoreng heute.
Essen schmeckt erstaunlich gesund und gut, nebenher arbeite ich noch bis Mitternacht. Draußen weiter Sturm und Regen. Grausiges Wetter. Gut bin ich nicht mit Zelt unterwegs....
Um 1 Uhr liege ich im Bett und beende den Tag. Hoffen wir, dass es morgen wieder runder läuft...
Gute Nacht und bis morgen.
Kai und Team
GPS Koordinaten:
abends: Langsanen
Unsere heutige Route: ca. 190 km
PS: Anmerkung 13.11.2025: Das Problem mit Fehler #29 mit der Timberline ist seiter her auf dieser Reise nicht mehr aufgetreten. Evtl.. ist meine Vermutzung also zutreffen.
Amazon Link für alle anderen Einkäufe:
Amazon Link für alle anderen Einkäufe:












Kommentar schreiben
Reyhan (Donnerstag, 13 November 2025 21:26)
Ach du meine Güte ! Was ein Tag. Braucht man nicht wirklich....