Graubünden #2- Stilfserjoch und Albula Pass, Freistehen in den Alpen

Schönen guten Morgen auf ca. 2.700 m Höhe.
Ruhige Nacht gehabt, knapp unterhalb der Passhöhe des Stilfser Jochs. Nix gehört und gesehen heute Nacht. Auch ist kein Fels auf uns gefallen und den steilen Abhang links neben Zottl sind wir auch nicht runter gefallen. Alles prima. Die Sicht aus meinem Fenster zeigt: freier Blick ins Tal, was für ein Ausblick. Und das beste: der Himmel! Blau! Keine Wolke! Da meint es heute wohl jemand gut mit uns.
Ein solcher Ausblick gibt natürlich einen ordentlichen Kick. Noch länger im kuscheligen Heck von Zottl liegen bleiben? Nee, aufstehen und raus. Vor die Tür. Naja, nicht ganz, vorher zieh ich mir noch was ordentliches an. Will hier ja nicht im Schlafanzug draußen rumhüpfen.

Aber bevor es raus geht, kurz was zur Heizung: ich stehe auf 2.700 m Höhe, es war kalt heute nacht, ich musste heizen. In Zottl arbeitet eine Truma 6D Dieselheizung.

Auch in dieser Höhe funktioniert sie einwandfrei. Keine Fehlermeldung, keine Probleme. Ein absolut geiles Teil! Und schön warm gibt sie auch! Ein Höhenkit ist bei mir nicht verbaut, bisher ging es in allen Höhenlagen problemlos ohne.

 

Tür auf….verdammt. Wieder mal selber ein Ei gelegt. Die Tür geht nicht auf. Warum? Eingefroren? Kaputt? Nee, die Schiebetürsicherung ist noch aktiv. Eine meiner Einbruchschutz Maßnahmen in Zottl.

So entferne ich also erstmal die Sicherung, verstaue sie klapperfrei und schaffe es nun, die Tür zu öffnen. Ein Schritt nach draußen und ich stehe in schöner frischer Luft, nicht sehr kalt für 9 Uhr und 2.700 m Höhe. Kurz umschauen, noch immer alleine auf diesem großen Parkplatz. Hätte ich jetzt nicht erwartet. Der Blick ins Tal ist fantastisch. Die Straße schlängelt sich den Berg entlang, rechts oben erkennt man noch Gletscherzungen, der Himmel strahlend blau. Kaum ein Mensch unterwegs. Zumindest letzteres wird sich in Kürze ändern. Es ist Samstag, das Stilfserjoch ein Touristen Magnet, beliebt bei Radlern, Mopedfahrern und allen anderen.

Nach meiner ersten Erkundungsrunde um Zottl und nach dem genießen der Aussicht, ist Action angesagt: die Drohne muss in die Luft. Der Wind frischt etwas auf und bevor er zu stark wird, fliege ich mal noch eine Runde.

Problem los fliege ich meine DJI Mavic Pro durch die italienische Luft. Die harmoniert gut mit der Drohne. Von hier aus zu fliegen ist auch endlich mal wieder ungefährlich, gute Sicht auf die Drohne, stabiles GPS Signal, gutes Flugverhalten. Entspannt bin ich bei den Flügen dennoch nicht. Konzentration aufs Fliegen, filmen, Belichtung und Akkukapazität. Anstrengend.
Nach dem Stress kommt jetzt der nächste wichtige Schritt: Frühstück!

Ohne Frühstück schaffe ich sonst nachher den weiteren Aufstieg nicht. Das Futter nehme ich vor Zottl ein, auf einer kleinen Abgrenzungsmauer zum Abgrund sitzend. Selten eine so schöne Aussicht gehabt beim Frühstück. Ich könnte hier den ganzen Tag sitzen…aber nix da: es gibt noch was zu tun: 

Exkurs:

Wer mit einer DJI Mavic Pro richtig gute Aufnahmen machen möchte, kommt um eine nachträgliche Bearbeitung in meinen Augen nicht rum. Ich filme mittlerweile im DLink Mode, der sich am besten für die Nachbearbeitung eignet. Diese erfolgt mit meinem Videoschnittprogramm Videopad.
Bei der Nachbearbeitung erhöhe ich meist die Sättigung, den den Kontrast, passe die Helligkeit und Temperatur an. Das dauert alles, denn jede Änderung wird vom Rechner verarbeitet und benötigt einen Moment bis das Ergebnis dargestellt wird. 

ENDE

 

Genug gelabert. Die Drohne landet, ich packe alles zusammen und starte Zottl. Weit geht’s nicht. 400 m die Straße bergauf, und schon sind wir zwei lustigen plus mein Co-Pilot oben an der Passhöhe. Ordentlich was los jetzt. Motorradfahrer stehen mitten auf der Straße, Fussgänger queren überall,  Biker stehen rum und eng ist es. Ein Wunder, dass hier nicht täglich jemand über den Haufen gefahren wird.

Zottl setzt den Blinker und will links auf einen der Parkplätze einbiegen, ich schaue in den Rückspiegel und sehe zum Glück die Horde Motorradfahrer, die, obwohl ich links blinke und Anstalten mache abzubiegen, Zottl überholt. Wem hätte es wohl mehr weh getan, hätte ich sie nicht gesehen und es hätte geknallt? Ich schätze, Zottl hätte sich kurz geschüttelt und wäre weitergefahren. Die zig Biker hätte es auf die Schnauze gelegt, evtl. sogar unter Zottl gedrückt und die Heulerei danach wäre riesig gewesen!

Liebe Motorradfahrer, die so einen scheiß vor sich hin fahren: habt ihr eigentlich noch alle Tassen im Schrank? Ist euch euer Leben nichts wert? Denkt ihr eigentlich IRGENDETWAS wenn ihr so was macht? Wie blöd muss man sein?
Ich bin selbst Motorradfahrer, käme aber im Leben nicht auf die Idee, ein links blinkendes Wohnmobil zu überholen. Da könnte ich ja gleich von der Brücke springen. Keinerlei Verständnis für sowas.

 

Als die Idioten alle an mir vorbei sind, biege ich endlich links auf den Parkplatz ein, stelle mich auf den hintersten rückwärts drauf und gönne Zottl nach dieser „Anstrengung“ eine Pause. Ich selber schnappe mir Kamera und Ersatz Akku und begebe mich an die frische Luft. Die ist tatsächlich etwas frischer geworden, Quellwolken sind aufgezogen und machen es der Sonne nun etwas schwerer. Wo will ich hin?
Hoch hinaus, auf 2.850 m Höhe, zum Dreiländereck (IT, CH, AT). Der Weg ist steil und steinig. Da kommt man schon etwas aus der Puste, vor allem auf der Höhe.

 

Oben angekommen hat man eine tolle Sicht in alle Richtungen, wer wandern will, kann das von hier auch sehr gut. Denn: man ist schon oben und muss erstmal nicht noch höher. Ich schau mir die alten Gedenktafeln des 1. Weltkriegs an. Reste von zerfallenen Gebäuden sind auch noch zu sehen. Aufgrund des nahen Grenzverlaufs, standen sich hier IT, AT und CH Soldaten dicht gegenüber. Selbst im Winter. Material musste Stück für Stück von der Passhöhe hochgetragen werden auf die Anhöhe.

      

Von meinem Dreiländereck steige ich nun wieder ab in Richtung Passhöhe, kämpfe mich durch das Pass-Chaos zurück zu Zottl. Und merke: Hunger!


Ich habe noch Reste dabei, mach mir den Kartoffelbrei warm, dann kommen zwei hart gekochte Eier dazu und noch eine Weisswurst. Kein schöner Anblick, aber das macht nix. Hauptsache es macht satt. Oh....ein paar scheiben Aubergine kommen auch noch rein. Die sind natürlich nicht mehr roh, waren schon gekocht. 

 

Nachdem der Magen gut gefüllt ist, und es schon späterer Nachmittag ist, entscheide ich, mich auf den Weg zu machen. Eine zweite Nacht hier oben ist nicht geplant. Motor an, Gang rein, wir rollen los. Immer bergab, wieder über die Grenze zurück in die Schweiz. Fahre den Umbrail Pass wieder runter. Es ist angenehm wenig los, ich versuche, Mopedfahrer und Autos immer mal wieder vorbei zu lassen. Was ich feststelle: bergab macht nicht so viel Spaß wie bergauf. Ähnlich wie beim Moped fahren. Beschleunigen ist cooler als dauernd auf der Bremse stehen.

Ich nutze die wenig befahrene Strecke noch für ein paar Drohnen Aufnahmen und kurbel mir den Pass runter schier nen Wolf. Glücklicherweise kommt mir kaum jemand entgegen.

 

Unten angekommen staune ich nicht schlecht, als ich auch noch den Ofenpass wieder fahre. Den hatte ich (schon wieder) ganz vergessen. Also wieder durch den Nationalpark, tolle Strecke, wenn nur nicht die vielen No Camping Schilder wären. Als auch diese Hürde bewältigt ist, was mit Zottl durchaus Spaß macht, es ist auch wenig los, fahre ich unten im Tal immer weiter gen St. Moritz. 10 km davor biege ich jedoch rechts ab, eng ist es, max. 2,3 m breit darf man sein. Das passt ja mit Zottl. Viele Engstellen, und Kurven geht’s es hoch bis die Straße weiter oben wieder besser befahrbar wird. Da ich schon spät dran bin, sind die möglichen Freistehplätze schon belegt. Dazustellen möchte ich mich nicht, weiß ja selbst wie ungern ich das hätte.

Die Passhöhe ist ein schmales Tal, umgeben von hohen Bergen, sieht gigantisch aus. Leider darf man auf der Passhöhe nicht campen, mal wieder eins der blöden Schilder. Ich halte dennoch erstmal an. Schaue mich um, genieße die Sonne, allerdings geht ein rechter Wind. Zurück in Zottl heißt es: Google Maps aktivieren, Schlafplatz suchen. Und kurz darauf spotte ich eine Möglichkeit. Ca. 1,5 km weiter unten. Geht ein Stück von der Straße weg auf eine Art Weggabelung. Nix wie rein in Zottl. Hoffentlich steht da noch niemand.

Kurz darauf setzt Zottl den Blinker rechts, mein Co-Pilot grinst breit…weiss er mehr als ich? Grinst er, weil der Platz belegt ist und ich es noch nicht weiss? Oder weil der Platz frei ist und er so Vorfreude zeigt. Manchmal ist er echt schwer zu durchschauen.

So biege ich also ab, fahre den Schotterweg um eine leichte Rechtskurve und sehe….NICHTS!!! Geil! Keiner da, recht ebener Platz. Genug Raum zum Drehen und rangieren. Cool. Hier bleib ich. Einziger Nachteil: knapp neben uns verläuft eine Starkstrom Stromleitung und ein entsprechender Mast steht dort. Egal, will ja nicht wählerisch sein. Ich bleibe.

Nun bedarf es der Lösung für das nächste Problem: wieder mal habe ich Hunger. Was essen? Ich glaub ich pack den Grill aus und leg da meine Chicken Wings drauf. Gesagt getan, Heck öffnen, Gasschlauch rauslegen, 10m, schön in den Windschatten von Zottl gelegt, Grill anschließen. Läuft. Dazu mache ich mir einen Gurke/Thunfisch Salat.

Nach dem Essen brenne ich noch den Grill frei in dem ich ihn ordentlich hochheize. Den Rest des abends verbringe ich mit meinem Laptop, Ritter Sport und meinem Co-Pilot. Er sitzt faul rum, ich bearbeite Nordkap-Videos und esse dafür auch die Schoki. Davon bekommt er nix!

 

Der Platz ist schön ruhig, auf der Straße ist kaum noch was los, ich steh auch weit genug weg. Lärm ist kein Thema.

Bis Mitternacht halte ich durch, draußen ist es stockdunkel, nix mehr mit Mitternachtssonne. Ich vermisse sie.  

Gute Nacht und viele Grüsse

Kai

GPS Koordinaten:

Schlafplatz Stilfser Joch: 46°31'55.7"N 10°27'23.6"E
Parkplatz über Tag auf dem Stilfser Joch: 46°31'45.6"N 10°27'05.3"E

Schlafplatz unterhalb Albulapass: 46°34'47.2"N 9°49'17.7"E

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