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Treffen mit Jens und es geht hoch hinaus...

Moin zusammen,

 

Ich erwache auf meinem Parkplatz mit theoretischem Blick auf das Sardona UNESCO Weltkulturerbe. Ihr fragt euch warum theoretisch? Naja, viel zu sehen ist davon nix. Das Wetter macht mir, mal wieder, einen schönen Strich durch die Aussicht. Die ist nämlich, was Bergpanorama angeht, gleich null!

Aber, ich kenn das ja schon, Regen begleitet mich halt gerne, ist ja auch schön, besser als gar keiner dabei. Mein Co-Pilot sieht das allerdings etwas anders, dreht sich um und steht erstmal nicht auf.

 

Die Nacht war sehr ruhig, heute morgen fahren einzelne Autos oder Womos die schmale Straße entlang. Bedingt durch Kurven allerdings langsam und somit auch leise. 

Also, los geht's, aufstehen, um 12 Uhr muss ich am Gefängnis sein und Jens treffen. Nein, er ist nicht Freigänger, er arbeitet dort! :) Von meinem Standort ist das ca. eine Stunde entfernt. Alles easy, ist es ja erst 8:30 Uhr. Somit noch viiiiiiel Zeit. Erstmal schau ich mich draußen etwas um, ein kleines Aufhellungsloch kann ich am Himmel erkennen. Vielleicht wird das Wetter ja doch nicht ganz so schlecht wie vorausgesagt. Hoffnung keimt auf in mir. 

Mit den vielen Woken gibt es nicht viel zu sehen, einige Schautafeln stehen hier rum, ein Blick aufs gegenüberliegende Dorf mit einem architektonisch nicht wirklich überzeugenden, großen Hotel wird geboten. Und sonst? Zottl natürlich in seiner ganzen Pracht. Zu ihm begebe ich mich wieder, frühstücken. Leider hat er es noch nicht zubereitet, so muss ich selbst tätig werden. 


Während des Kauvorganges schaue ich mir nochmal den Toilettenzusatz von Awiwa an. Und entscheide, das Mittelchen nach dem Frühstück meiner Toilettenkassette zu gute kommen zu lassen. 

Kaum ist also das Essgeschirr in der "abzuwaschen" Box verschwunden, geht's an den mikrobiologischen Toilettenzusatz. Keine Chemie, nur Enzyme und natürliche Mikroorganismen sollen bewirken, dass keine Gerüche entstehen und Feststoffe zersetzt werden. Da bin ich ja mal gespannt. Mein Schwarzwasser werde ich erst Montag Nachmittag entleeren. Viel Zeit, Gerüche entstehen zu lassen. Jetzt erstmal die Flasche gut schütteln.

Netterweise hat mir Awiwa einen Dosierer mitgeliefert, den schraube ich auf die Flasche. Der Dosierer fasst allerdings nur 25 ml , da ich laut Flaschenaufdruck jedoch 50 ml benötige, darf ich zweimal abmessen. Geht leicht und schnell von der Hand und die Flüssigkeit verschwindet in meiner Toilettenkassette. Der Test beginnt. Zur Feier des Testbeginns, nutze ich dann auch gleichmal das WC :))

Und jetzt beginnt mein Problem: die Zeit ist viel zu schnell vergangen. Es ist 11 Uhr durch und ich frage mich, wo die Zeit wieder hin ist. Das passiert mir immer in Zottl. Mein Time Management, dass sonst gut funktioniert, ist in Zottl irgendwie außer Gefecht gesetzt. 

 

So schreibe ich Jens mal schnell ne Whatsapp, dass ich nicht ganz pünktlich sein werde. Im Anschluss wird wieder alles fahrbereit gemacht und der Motor gestartet. Zurück nach Bad Ragaz, auf die Autobahn, gen Chur...und dann....NEIN....Stau an der Ausfahrt vor Flims. Das verzögert meine Reise nun nochmals und war nicht eingeplant.

Schlussendlich bin ich 20 Minuten zu spät am Treffpunkt...und Jens hatte meine Whatsapp nicht erhalten. Verdammt! Zum Glück ist er noch da und nicht ohne mich weiter.  

Nach einem kurzen "Hallo" wollen wir gleich weiter, kurz noch einkaufen und dann möchte Jens mir den höchsten dauerhaft bewohnten Ort Europas zeigen, mit dem schönen Namen JUF. Ich, als Kulturbanause, natürlich noch nie was von gehört, aber sogleich Feuer und Flamme, dort mit Zottl hinzufahren. Nicht zum nächtigen, aber so als kleiner Ausflug. Wetter ist derzeit auch immerhin trocken und nicht kalt.

       

Zuerst fahren wir im Konvoi, als wir Juf näher kommen, entscheiden wir, Oski (Jens' Clever) stehen zu lassen. Jens steigt bei mir ein und gemeinsam in Zottl fahren wir nach Juf. Ihr wollt nicht wissen, was mein Co-Pilot zu dieser Idee sagt, muss er doch den Beifahrersitz für Jens frei machen. Aber noch bin ich der Chef in Zottl und so muss der Co-Pilot den Platz räumen. Dafür durfte er hinten, liegend mitfahren. Hat ihm dann auch gut gefallen.

 

Die Fahrt hoch nach Juf ist Alpenfeeling pur. Viele Kurven, es geht ein langes Tal nach hinten und wir klettern auf über 2.100 m. Die Straße ist auch im Winter schwarz geräumt. Somit steht fest: hier gehts im Winter auch mal zusammen hin! 

Leider spielt das Wetter weiterhin nicht mit, es regnet in Strömen, ist grau und trüb. Dennoch ist die Stimmung top und die Fahrt entlang der grünen Wiesen und hohen Bergen macht unheimlich viel Spaß. Wir fahren durch etliche kleine Dörfern die nur aus ein paar wenigen Häusern bestehen bis wir dann endlich Juf erreichen. Eine handvoll Häuser, die Straße endet hier in einem Matschweg der nicht befahrbar ist. Wir befinden uns auf 2.126 m. Die Wolken werden weiterhin schön gegen die Berge gepresst, wie eine Orange in der Saftpresse und dementsprechend stark regnet es. Leider schmeckt das ganze nicht nach Orangensaft, dafür ist es aber gut gekühlt mit gerade mal 9 °C "warm". 

 

Von dem schlechten Wetter lassen Jens und ich uns nicht abschrecken, raus geht's für ein paar Filmaufnahmen. Natürlich ohne jeglichen Regenschutz, wir sind ja nicht aus Zucker. 

5 Minuten später sitzen wir wieder in Zottl, ich dreh die Heizung höher und wir machen uns auf den Weg zurück zum im Tal stehenden Oski. Der will ja auch noch Auslauf. 

Bevor es aber zurück geht, gibt's noch eine Erinnerungsaufnahme am Ortsschild von Juf. Die muss doppelt durchgeführt werden, denn beim ersten Versuch hat Jens die Aufnahme Taste an der Kamera nicht gedrückt. So leidet er zweimal im Regen. :)

      

Eine halbe Stunde später sind wir bei Oski, laden Kameras, uns selbst, Geldbeutel und Trinkflaschen in Oski um. Jens setzt sich ans Steuer und wir fahren wieder los. Wieder bergauf. Diesmal jedoch mit einem anderen Ziel. Ein Stausee soll's sein. 

 

Wieder geht's ordentlich den Hang hoch, durch bewaldetes Gebiet, Schluchten und an Wildbächen entlang. Und irgendwann stehen wir vor einem Tunnel und mir geht ein Licht auf.

Wir fahren zu dem See, den ich mir auf Google Maps auch schon angeschaut hatte. Hochgelegener Stausee, der nur zwischen 05:00 Uhr und 22:00 Uhr durch einen einspurigen Tunnel zugänglich ist. In der übrigen Zeit ist es verboten, den 950 m langen Zufahrtstunnel zu nutzen. Der Tunnel ist Ampel geregelt und einspurig. Womos passen aber ohne Probleme durch. Und wie heißt das gute Stück? Lago di Lei im Valle di Lei, auf ca. 1.930 m Höhe.

Die Wartezeit nutze ich um schnell noch im Regen ein paar Filmaufnahmen zu machen...zu schnell wird die Ampel jedoch grün und ich muss schauen, dass Jens nicht ohne mich in den Tunnel fährt. Im Winter (Nov.-April) ist der Tunnel übrigens geschlossen, keine Zufahrt möglich.

 

Die Location auf der anderen Seite ist...verregnet....kühl...aber sau cool! Der See nicht ganz gefüllt, war 2013 abgelassen worden und sollte eigentlich 2017 wieder voll sein. Da aber parallel auch Strom produziert wird, ist zumindest jetzt der See nicht voll gefüllt. Das Panorama ist allerdings beeindruckend. Wieder mal nix los, eine 145 m hohe Staumauer steht mitten im Tal und staut den See 9 km weit auf. 185 MW Strom können hier pro Jahr produziert werden. Rechterhand gibt es ein kleines Museum das weitere Informationen zum Staudamm bietet. Dieser war während der Bauzeit auf italienischem Staatsgebiet. Nach der Fertigstellung kam es zu einem Gebietstausch zwischen Italien und der Schweiz so dass die Staumauer heute auf Schweizer Gebiet liegt, wohingegen das aufgestaute Wasser in Italien rum dümpelt. 

 

Wir parken Oski etwas weiter hinten auf dem leeren Parkplatz und schauen uns um. Genießen den kalten Regen auf der Haut, merken wie die T-Shirts so langsam durchweichen. Jens checkt noch kurz die öffentlichen WC's und stellt fest, dass man hier sogar Wasser zapfen könnte. 


Auf die Staumauer wagen wir uns nicht, ein Marsch dorthin würde bedeuten: komplett durchnässt zu werden. Aber vielleicht komme ich hier ja in Kürze nochmals hin...wer weiß, wer weiß.... :))

Bevor wir ganz durchweicht sind, steigen wir wieder in Oski, fahren durch den Tunnel und zurück zu Zottl. Der steht noch brav auf dem Parkplatz und wartet auf unsere Rückkehr. Nach den vielen Höhenmetern braucht es jetzt erstmal einen Kaffee und etwas Schoggi. Beides gibt's in Zottl, bei weiterhin leichtem Nieselregen.

 

Frisch gestärkt und munter geht es nun zum nächsten Anstieg. Es soll zum Curtginatsch gehen (46°37'25.7"N 9°21'49.5"E, 46.623794, 9.363742), auf 2.300 m wollen wir in unseren Kästen die Nacht verbringen. 

Die Anfahrt ist anfangs ziemlich easy, irgendwann geht es rechts scharf ums Eck und die Straße steigt steil an. Allerdings müssen wir an einem Parkautomat stoppen und für 10 CHF ein Ticket kaufen, das berechtigt, die Straße zu fahren. Diese wurde kürzlich neu gemacht, so dass das wohl in Ordnung geht. Die Straße wird schmaler, bietet aber Ausweichstellen. Weiter oben ist dann vorbei mit gutem Belag, es ist zwar noch geteert, die Bodenwellen nehmen jedoch zu und zwischen den Fahrspuren drückt das Gras durch. Wir schrauben uns hoch, machen Filmaufnahmen und kommen den Wolken immer näher. 

 

Nochmals höher und später ist es vorbei mit Teer. Schotter und gröbere Steine lassen die Geschwindigkeit von Zottl und Oski sinken, im ersten Gang lassen wir uns durchschaukeln. Ungewünschten Bodenkontakt gibt es immerhin nicht. Abenteuerlich ist es schon ein wenig. Aber: immerhin ist es trocken!

Die Offroad Qualitäten von Zottl und Oski kommen klar zum tragen, machen sie ihre Sache doch sehr gut. Nur kurz gibt es mal Traktionsprobleme beim Anfahren aus einer Ausweichbucht wo ich hielt für Filmaufnahmen. Aber weit entfernt von einem Problem, lediglich Zottl's rechter Vorderlauf hat mal für einen kurzen Moment etwas weniger Traktion. Sonst alles easy.

Es darf einen jedoch nicht stören, dass es gleich neben dem Weg steil bergab geht. Nach einer gefühlten Ewigkeit erscheint aus dem Nebel endlich der Parkplatz. Nicht sonderlich breit, eher für Autos gemacht, ein 6,40 m Kasten passt leicht schräg aber gut drauf, mit mehr als 7,40 m wird es problematisch. Mit einer normal breiten Weissware würde ich diesen Platz nicht empfehlen, es gab doch ein paar engere Passagen an Fels entlang die evtl. Kratzer hinterlassen könnten.

Wir stellen uns leicht längs und möglichst wenig schräg auf den Parkplatz, Motor aus, durchschnaufen. Alles gut gegangen, wir sind oben...aber wo ist die Sicht? Ziemlich in den Wolken. Allerdings noch immer trocken. Das ist hilfreich, wollen wir doch was auf den Grill werfen.

 

Da es bereits 19 Uhr ist...wo ist eigentlich der Nachmittag hin?...Zottl, die Zeitmaschine...mache ich mich gleich mal dran, meinen Grill aufzubauen.

Das geht flott, Gas aufdrehen und zack brennt das Ding. Schön hochheizen erstmal. Währenddessen Tisch und Stuhl raus, Jens schenkt uns ein lecker Bier ein, wir setzen uns und stoßen an...aber...äh...was'n das jetzt....leicht feucht von oben...etwas Nieselregen...na egal, das wird gleich sicher wieder aufhören....ja denkste...10 Minuten später, nach dem wir erst versucht haben, es auszusitzen, räumen wir draußen zusammen. Gut, der Grill bleibt an und das Fleisch kommt drauf. Hat ja nen Deckel zum Glück. Noch verdampft der Regen auf dem Deckel und wir produzieren noch ein wenig mehr Nebel hier oben. Es beginnt sich einzuregnen. 

 

Gegessen wird in Oski, der Grill steht näher an ihm, daher der Transportweg durch den nun anhaltenden Regen kürzer. Schade mal wieder. Hatte mich auf ein Essen unter freiem...bzw. nebligem Himmel gefreut. Aber was soll's, wir haben einen lustigen Abend in Oski und kommen noch auf die glorreiche Idee, ein paar Schnäpse zu kippen. So gegen 0:30 Uhr haben wir beide genug, gut hab ich keinen weiten Heimweg, der Co-Pilot pennt schon und ich kurz darauf auch. 

Was'n cooler Trip heute. Mit einem gleichgesinnten Kastenwagenfahrer unterwegs zu sein ist eine große Freude! Wir haben gut gelacht und gegessen. Das ist es doch was zählt. Danke Jens für diesen coolen Tag!

 

Jetzt aber schlafen, morgen ist bestimmt besseres Wetter.

 

Gute Nacht und viele Grüsse

Kai, Zottl und der Co-Pilot

 

 

GPS Koordinaten:

Juf: 46°26'41.3"N 9°34'46.8"E  /  46.444805, 9.579652

Lago di Lei / Valel di Lei: 46°28'52.8"N 9°27'27.2"E  /  46.481328, 9.457555

Abendlicher Parkplatz auf 2.300 m Höhe: 46°37'25.7"N 9°21'49.5"E  /  46.623794, 9.363742

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