Nordkap #20 - Der Co-Pilot streikt, ein Gronstadfossen Wasserfall und eine Festung

Der Wecker, bzw. wir gehen ja mit der Zeit, also klingelt das Handy als Wecker um 08:30 Uhr. Ich stelle es aus, dreh mich um und schlafe weiter. Man kanns ja mal probieren früher aufzustehen. Wenn aber der Körper NEIN sagt, soll man das im Urlaub nicht einfach ignorieren, sondern nachgeben. Also wird weiter geschlafen. 

Irgendwann später wache ich wieder auf. Blick auf die Uhr: 10 Uhr. Hm...okay...dann sollte ich nun aber wirklich mal aufstehen. Verdunklung hoch: keine Sonne, bewölkt aber trocken und kein Sturm. Na immerhin. Schönen guten Morgen!

 

Aufstehen. Frühstück. Während ich alles vorbereite, überlege ich, was ich heute mache. Viel fahren, das ist klar, ich will bis hinter Trondheim kommen. Und die 17 und E6 werden sich ziehen wie Kaugummi. Und was sonst noch? Kann ja nicht nur fahren.

 

Ich checke während dem Frühstück, dass fast ein Mittagessen ist wenn man auf die Uhr schaut, meine Notizen. Und sehe da noch einen schönen etwas abgelegenen Wasserfall, den Grongstadfossen (auch Grungstadfossen geschrieben). 

 

Ein Blick auf Google Maps sagt mir allerdings: ich bin an dem gestern schon vorbei gefahren. Wenn ich also nun noch hin will, heisst das, 25 km zurück fahren. Hm...widerstrebt mir ein wenig. Andererseits...warum nicht? Fahre auf dem Trip ja ohnehin Kilometer ohne Ende, kommts auf die paar mehr auch nicht an.

So wird entschieden: ich fahre zurück und schau mir das Ding an. Ich informiere meinen Co-Piloten. Der ist unwillig. Will nicht zurück. Weigert sich, vorne Platz zu nehmen. Okay...fahr ich halt vorne alleine. Er wirds noch bereuen.

 

Denn, kaum verlasse ich meinen recht unspektakulären Parkplatz an der 17, fahre 500 m, steht da doch glatt ein Elch neben der Fahrbahn und grast vor sich in. Ein großes Tier. Ich kann jedoch nicht halten, hinter mir ist ein fetter LKW und es gibt keine Möglichkeit rechts ran zu fahren. Bleibt also nur die Hoffnung, dass meine Dashcam den Elch "geschossen" hat.

 

Meine erste Anfahrt zum Wasserfall verläuft erfolglos. Google führt mich falsch. Ich bin auf der falschen Seite des Wasserfalls, es gibt keinen Zugang zum Fall von der Straße. Und das nach sicher 3-4 km Schotterpiste. Ärgerlich. Danke Google! Von hinten höre ich meinen streikenden Co-Piloten jubilieren...so in der Art..."habs doch gleich gesagt, ist ne blöde Idee zurück zu fahren".

Auf engem Waldweg wird irgendwie gedreht und zurück gefahren. Ich checke nochmal die richtige Anfahrt auf Google Maps und fahre wieder zurück auf die Hauptstraße und einige Meter später gehts links ab. Ein Schild zeigt auch an, dass es der richtige Weg ist. Wieder ist es ein Schotterweg. Oh man...armer Zottl.

 

      

2 km geht es an Feldern vorbei und durch Wald. Schilder weisen den Weg, sonst hätte ich ein sehr ungutes Gefühl. Die Schotterpiste wird immer schmaler und einige Meter auch recht Steil. Zottl schafft alles wie immer: ohne Probleme.

Ein kleiner Parkplatz zeigt, ich bin angekommen. Drehen, parken. Kamera parat machen, Ersatzakku einstecken, los gehts. 100 m vom Parkplatz weg kann man durch eine Waldschneise eine Großteil des Wasserfalls sehen. Sieht schön aus, aber ich würde doch gerne mehr sehen. Nur wie?

Ich laufe den Weg weiter bergab, komme an eine große Hütte, kein Mensch hier, alles verlassen. Komisch. Ich umrunde das Bauwerk. Sackgasse. Scheint als gäbe es keinen Weg ans untere Ende des Grongstadfossen. Ich laufe zurück zu Zottl. 

 

Okay, an das untere Ende des Wasserfalls scheint man nicht zu kommen, vielleicht ja ans Obere. Ich packe meinen Rucksack. Nehme Wasser mit, Drohne und Objektiv...vergesse aber was elementares...aber das weiss ich ja hier noch nicht. Los gehts.

Hier werden Leitungen verlegt, eine weite Schneise ist übel in den Wald geschlagen. Große Schwarze Plastikrohre liegen rum. Ich vermute für Wasser. Das Wasser kommt sicher vom Fluss....vielleicht führt die Schneise zum Fluss/Wasserfall?

Ich folge ihr, sieht übel aus....irgendwann biegt links ein schmaler Pfad ab, dem ich folge. In einer leichten Rechtskurve führt mich dieser jedoch wieder zurück zur Schneise....aber auch zum Fluss. Ich hab das obere Ende des Wasserfalls gefunden. Juhu!!! So im Wald, ganz alleine, fühlt man sich aber schon ein wenig einsam. Da wäre es dann doch ganz nett, zu zweit unterwegs zu sein.

 

Das steilste Stück vom Wasserfall sieht man zwar von hier nicht, aber den oberen flacheren Teil, den man vorhin vom Parkplatz aus nicht gesehen hat. Ich filme und fotografiere. Der Fluss ist halbseitig gestaut, so dass das Wasser nur rechts den Berg runter fließen kann. 

 

Zudem führt der Fluss nicht übermäßig viel Wasser. Ich überlege...und entscheide: die Drohne muss in die Luft. Wo starten? Na wieder auf nem Stein, wie schon in Schweden am Strand. Schnell ist ein ausreichend großer Stein gefunden, liegen ja viele hier rum. Alles auspacken, anschließen, LG G4 Handy anstellen....hm...das will nicht...was ist los...und dann: oh verdammt, der Akku ist leer. 0%. Nix geht. Das darf doch jetzt nicht wahr sein!!! Ich verfluche mich! 

Und jetzt? Zu Zottl laufen? Tablet holen? Dauert zu lang. Was für Alternativen gibts? Ich hab mein LG G6 Handy dabei. Allerdings hat das bisher bei JEDEM Flug gesponnen. Meist ist die Kameraübertragung aufs Handy recht schnell zusammengebrochen. So kann man die Drohne zwar noch steuern, sieht aber nicht wo man ist und was man filmt und sobald die Drohne mal aus den Augen ist, kann man sich nicht mehr orientieren. Gewagt. Und eigentlich hab ich mir geschworen, nie mehr mit dem G6 zu fliegen. Und hab ich überhaupt das passende Kabel dabei um Controller und Handy zu verbinden....ich suche...ja, Kabel ist dabei. Die Versuchung ist groß...

 

Soll ich es wagen? Ich überlege hin und her...und schließe am Ende aller Überlegungen das G6 an den DJI Mavic Pro Controller an. Alles verbindet sich ohne Probleme, das war bisher auch eher selten der Fall mit dem G6. Gutes Omen?

Ab gehts in die Luft, schnell vom Stein hoch und über den Wasserfall. Dann höher hinaus, ich will den ganzen Wasserfall abfliegen. Allerdings entschwindet die Drohne da für einen Moment meinen Augen (Anmerkung: ja, ja, ich weiß, darf man nicht....wen soll es hier stören? Den Wasserfall, das Wasser, die Steine, die Bäume? Wenn sie hier abschmirt verliere ich 1.000 Euro aber schädige sonst niemanden). Also, so what!

Ich fliege den Wasserfall ab, allerdings ist mein Puls deutlich erhöht und meine Muskulatur angespannt. Ich hoffe, mein LG G6 macht keinen Scheiß und behält die Verbindung diesmal bei. 

 

Der Erste Flug gelingt, Verbindung steht. Ich bin schon ganz froh, aber noch nicht so happy mit der Aufnahme. Das Ganze nochmal, mit mehr Flughöhe. Ich steige auf, sehe die Drohne, fliege den Wasserfall ab....ich hoffe schwer, dass auch jetzt alles glatt läuft. Ich fordere das Schicksal ja schon ein wenig heraus. Am unteren Ende des Wasserfalls, hab ich noch immer Bild...jetzt aber ganz schnell zurück fliegen, so dass ich sie wieder im Auge habe. 

Was soll ich sagen, es gelingt, es ist der erste Flug mit dem LG G6, bei der die Verbindung permanent steht. Ich hole die Drohne also zurück, fliege noch einige Manöver auf Sicht und bei 30% Restakku beginnt die Akku Warnung. Jetzt heißt es landen. Zurück zum Stein. Anfliegen...verdammter Wind...nochmal anfliegen....verdammter Wind....Akku noch bei 20%....ich sollte so langsam landen. Der Dritte Anflug auf den Stein sieht gut aus, ich schwebe drüber, gerade mal kein Wind und schnell runter mit der Drohne. Sie landet nicht perfekt, aber ich bin sofort zur Stelle um zu verhindern, dass sie nach der Landung vom Stein abrutscht. Puh....tief durchatmen...alles gut gegangen. Ihr könnt euch nicht vorstellen, wie erleichtert ich bin.

 

Ich packe alles wieder zusammen und verschwinde spurlos im Wald. 10 Minuten später bin ich bei Zottl und stärke mich erstmal mit etwas Schoggi. 

Mittlerweile ist es 15 Uhr...wo ist der Tag hin? Und ich bin minus 30 km gefahren. Dabei muss ich noch bis Trondheim und darüber hinaus. Abfahrt.

Schotterpiste zurück und ab auf die 17.

Ohne weitere Elchsichtungen gehts weiter. Wenig Verkehr, gut zu fahren. Unspektakuläre Landschaft. Irgendwann ist Schluss mit 17, es geht auf die E6. Die nervigen Blitzer kommen wieder, mehr Verkehr, LKWs, schleichende Womos. Man merkt wie die Zivilisation immer näher kommt und der Urlaub sich so langsam seinem Ende zu neigt. Kein schönes Gefühl.

 

Wir kommen Trondheim immer näher, es geht auf 18 Uhr zu als wir endlich dort sind. Fahre hier allerdings vorbei und nicht in die Stadt. Ich halte an einer der Sehenswürdigkeiten entlang der Autobahn. Sah das Schild, konnte mir nix drunter vorstellen und fuhr ab.. Und fand? Eine Festungsruine im Meer, eine geniale Aussicht, gutes Wetter und einen tollen Stellplatz. Und das alles ohne Planung. Nicht schlecht. Übernachtung kostet hier 100 NOK. Dafür gibts auch WCs. (63°32'30.3"N 10°48'46.8"E).

Ich drehe zu Fuß eine Runde um die Burgruine, leider ist die Tür verschlossen. Keine Chance reinzuschauen. Also muss ich wohl von oben gucken. Wiedermal geht die Drohne in die Luft. Was bin ich doch froh hab ich die DJI Mavic Pro gekauft und dabei. Bei tollem Licht fliege ich mit dem LG G4 ohne Probleme.

Abendessen gibts auch noch und gegen 20:30 Uhr fahre ich weiter. Kurz davor kommt noch ein Herr und fragt, ob ich über Nacht bleiben werde. Als ich verneine, zieht er von dannen. Er wollte wahrscheinlich die Platzgebühr kassieren.

 

Weiter gen Trondheim, daran vorbei, mörder Baustelle hier, ich zottle eine Weile einer Kehrmaschine hinterher. Erst ist die Fahrt unspektakulär. Als es dann in den National Park geht, werden die Berge höher, die Straße steigt an und das Auge hat auch wieder was von der Fahrt. Gegen 24 Uhr beginne ich die Augen nach einem Schlafplatz offen zu halten. So spät zu fahren hat einen Vorteile: deutlich weniger LKW und viele andere Automobilisten schlafen und verstopfen nicht die Straßen. Freie Fahrt. Ich komme gut voran. Der Nachteil: viele Übernachtunsspots sind bereits belegt. Da will ich mich dann auch nicht dazu stellen und womöglich durch meine späte Ankunft alle Wecken.

Nach 210 km stoppe ich auf einem Rastplatz der E6 (62°12'22.3"N 9°33'09.3"E). Nix spektakuläres, aber okay für ein paar Stunden Schlaf. Die Aussicht hat aber was. Landschaftlich top, aber kühl mit vier Grad. Klarer Himmel. Vielleicht wachen wir morgen mit Sonne auf? Wär ja mal was.

 

Das Wetter hat sich auf jeden Fall mit jedem Kilometer gen Süden gebessert. Und es gab endlich mal wieder zweistelliger Temperaturen, wenn auch nur knapp.

Bin gespannt, was uns morgen erwartet. Bis 18 Uhr will ich in Oslo sein. Treffen mit Nina und Michael steht an.

 

Viele Grüsse und gute Nacht

Kai

 

 

GPS Koordinaten:
Parkplatz heute morgen: 64°28'49.1"N 11°51'57.7"E

Grongstadfossen: 64°37'41.8"N 12°16'03.2"E

Stellplatz mit Burg, Steinvikholmen: 63°32'30.3"N 10°48'46.8"E

Mein Schlafplatz im Nirgendwo: 62°12'22.9"N 9°33'10.4"E

 

Meine Route heute:

 

 

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