Nordkap #4 - Von Jönköping nach hinter Umea

Moin, moin. Nett geschlafen, allerdings etwas zu kurz. Um 6:40 Uhr ist die Nacht zu Ende. Das ist wohl mein innerer Arbeitswecker der noch nicht geschnallt hat, dass ich URLAUB habe.


Als ich gestern Abend ins Bett ging nach Mitternacht, konnte man am Himmel noch immer Licht sehen. Heute morgen zum Glück auch wieder, die Sonne scheint von einem blauen Himmel. Warm ist es auch schon, bemerke ich, als ich vor die Tür trete. Noch vor dem Frühstück renne ich über den Platz, filme, lasse (mit Problemen) meine Drohen in die Luft und hab dennoch meinen Spaß. Allerdings spinnt mein LG G6 mal wieder und so ist der Drohnenflug nur von kurzer Dauer. Ich entscheide hiermit: ich fliege NIE wieder mit meinem LG G6 Handy!

 

Zurück am Kasten, wie immer: Frühstück! Soviel Zeit muss sein, auch wenn ich es eigentlich "eilig" habe und los will. Es juckt mich in den Fingern, zu fahren, die Landschaft von Schweden zu sehen und meinen Weg gen Nordkap zu machen. Aber, first things first: Essen.

Nach dem Frühstück, alles aufräumen. Diese Aufräumerei immer....im Kasten noch schlimmer als zu Hause. Wenn man Zeug nicht wegräumt, kann man nicht losfahren, fliegt ja dann durch den ganzen Kasten. Räumt man es nicht ordentlich dahin zurück, wo es herkam, kann man sich gleich davon verabschieden, man findet es wohl nie wieder. Zumindest geht es mir so. Alles hat seinen festen Platz. Die andernfalls anfallende Sucherei würde mich wahrscheinlich direkt in den Wahnsinn treiben.

Ready to go. Meinen schönen, riesigen Schotterplatz (57°48'34.6"N 14°16'57.1"E), den ich komplett für mich alleine hatte, umgeben von Bäumen, zur Straße offen, verlasse ich. Ich ziehe eine gute Staubfahne hinter mit her. Scheint länger nicht geregnet zu haben. 

 

Wir fahren die 15% Gefälle vorsichtig runter, begeben uns wieder an die Küste des Sees und fahren gen Norden. Und zwar lange. Heute geht es über 1.000 km weiter gen Norden, naja, nicht ganz denn eigentlich fahre ich gerade in nordöstliche Richtung, auf Stockholm zu. Da lotst mich Google dran vorbei. 
Die Fahrt verläuft ruhig und entspannt. Ich bin fit. Komme an komischen Baustellen vorbei, wo Bremshügel rumliegen und man auf 30 runterbremsen muss. Je näher ich auf Stockholm zu komme, desto dichter wird der Verkehr. Die Schweden fahren ganz schön wild. Da wird auch oft mal einfach rechts überholt. Als ich auf der mittleren von drei Spuren fahre, zieht ein Krankenwagen an mir vorbei, rechts. Ohne Blaulicht. Aha....zum Glück war ich gerade nicht dabei die Spur zu wechseln. Kurz darauf tue ich es, war der Plan gewesen. Bin kein Mittelspurschleicher.

 

In Stockholm immerhin nur dichter Verkehr und kein Stau. Ist eigentlich Pfingstmontag Feiertag bei den Schweden? Das geht mir den ganzen Tag durch die Rübe...

       

Nach 30 min Verkehr, hab ich es geschafft, es wird ruhiger, die Häuser werden weniger und bei mir meldet sich massiv Hunger. Es geht auf 14:30 Uhr zu. Wäre mal wieder Zeit für einen Snack. Erst benötigt Zottl aber noch ein wenig Diesel. Das ist einfach, gegen Geld gibt es so viel man will. Ich tanke und zahle alles mit Kreditkarte, da brauch man meist noch nicht mal in die Tankstelle rein. Geht direkt an der Zapfsäule oder einem Terminal. Weiter geht's, zurück auf die Autobahn.


Ich gucke mir einen Parkplatz aus und ziehe den Jackpot. Super schöner Parkplatz, zurückgesetzt von der Straße, auch weg von den parkenden LKWs dürfen die PKWs fast im Wald parken. Überall Bänke und sauber ist es. Wow....sehr schön.


Da ich denke, dass mein vorgekochtes Essen schon alle ist, koche ich. Gemüse häckseln, Feisch marinieren, nur Reis ist noch vorgekocht dabei. Das dauert natürlich alles und als ich endlich esse ist einiges an Zeit vergangen. Dabei hab ich noch 600 km vor mir. Aber Hektik bringt jetzt nix. Wer es eilig hat, soll langsam gehen....wer auch immer es gesagt hat, manchmal macht es Sinn....genauso wie "großer Baum fängt Wind"...das hat aber einen anderen Zusammenhang.

 

Ich setz mich raus an eine der Bankgarnituren und lasse es mir schmecken. 25°C hier. Ich wusste, dass es in Schweden warm werden kann, aber dass es das tut, wenn ich hier bin, hatte ich nicht erwartet 

Normalerweise, wenn ich irgendwo hin reise, ist dort schlechtes Wetter. Daher ja auch unter anderem der Kastenwagen...ich will es dem schlechten Wetter schwerer machen, mich ich zu treffen. Bis hierher ging der Plan immerhin auf. 

Nach dem Essen muss ich auch noch abwaschen. Oh man... Um 16:00 Uhr rum hab ich alles erledigt. Aufsitzen, abfahren. Danke, schöner Parkplatz, war nett hier.

Die nächsten Kilometer passiert nicht viel. Außer, dass sicherlich 35.875 mal die Fahrbahn von zwei auf eine Spurt geht, um nach einigen Kilometern wieder für kurze Zeit zweispurige zu werden. Cleveres System. 
148.987 mal muss ich scharf bremsen, weil ein Schild einen Blitzer ankündigt. Zottl wird langsam sauer. Die Blitzer stehen meist sehr knapp hinter dem Ankündigungsschild, so dass Ausrollen bei weitem nicht reicht. Bremsen ist jeweils angesagt. Das ganze nervt ein wenig. Geht es doch aufs Material...aber immerhin nicht auf meinen Geldbeutel in Form eines Beweisfotos.

 

Was auch auffällt. Die Autos haben hier immer ne Menge Zusatzscheinwerfer. Ich glaube, je mehr Lampen, desto höher der Coolnessfaktor des Fahrers. Das Rennen gewinnt ein Bus, der eine Leiste von sicher 6 Zusatzfunzeln montiert hat. Ob meine Theorie stimmt, finde ich heute nicht raus, vielleicht liegts auch einfach daran, dass die Leute mehr sehen wollen, in einem Land, in dem es verdammt lange Dunkel ist im Winter.

 

Es wird immer später. Der Himmel färbt sich, es geht auf 23 Uhr zu. Müde? Nee. Ich zieh es durch, bis zum geplanten Schlafplatz. Ich halte zwischendurch immer mal wieder, lasse Zottl etwas verschnaufen und gönne mir Sonne, frische Luft, ein paar Meter Beine vertreten oder ne Tafel Schokolade. Ja, ich mache keine halben oder viertel Sachen: es bleibt nix übrig!!!

 

Meine letzte kleine Sorge für diesen Tag: ich möchte noch bei etwas Tageslicht meinen Platz erreichen. Es ist ja schon sehr lange hell, was'n Glück, aber hoffentlich auch lang genug. 

Der Sonnenuntergang ist der Hammer. Ich muss einfach nochmal halten und kurz die Drohne hoch schicken. Das kostet Zeit, aber es MUSS sein.

 

Ich erreiche Umea, nix mehr los. Zügig geht's durch die Stadt und wieder raus. Ich drücke auf die Tube, fahre 116 km/h oder so und knalle durch die schwedische Pampa...naja, das ist jetzt etwas drastisch und überspitz geschrieben möglicherweise. :)

 

Und dann....wow....werf mal einer den Anker, da vorne geht’s rechts ab. Zottl, mach was!!!...Zottl gibt alles, verzögert wie ein Großer, ich tätige den Blinker und wir bekommen die Kurve. Sofort danach beginnt Schotterstraße. Üble Schotterstraße, mit Querrillen. Ich glaube, in diesem Moment bedauert Zottl, dass er gebremst hat. Hilft nix, da müssen wir drüber, nach 300 m wird's besser. Forststraße für Holz-Laster ist das hier. 2 km folgen wir dem Weg, mein Co-Pilot wird schon unruhig und ich meine zu sehen, dass sein Grinsen etwas weniger wird....aber dann....sind wir endlich da.

Sackgasse mit Wendeplatte (64°10'38.1"N 21°02'06.3"E). An der Gabelung vorne war ich rechts statt links gefahren. Links geht's zum Parkplatz. Rechts bis zu einem abgeernteten Waldstück. Ich parke mich auf die Wendeplatte. Hier sind sie fertig. Ein Stück des Waldes fehlt. Die kommen morgen nicht wieder.

 

Es ist sogar noch etwas Tageslicht vorhanden. Ich  montiere meine LED Lampe für die Kamera und hechte aus Zottl. Ich steh heut in unmittelbarer Nähe zu Strand und Meer. Das muss ich sehen. Koste es, was es wolle...ich nehme dafür sogar die Gefahr in Kauf, Sand in die Schuhe zu bekommen. Ich fühle mich wie ein Held...hahaha.

 

Im Dämmerlicht nehme ich ein Häuschen mit zwei Plumpsklos wahr. Der Strand ist genial. Feiner Sand. Vielleicht 150 m breit, eine schmale Bucht, seitlich von Bäumen geziert. Es stehen Bankgarnituren rum. Ein Traum. Wie mag das morgen erst bei (hoffentlich) Sonne aussehen. Ich bin mir aber sicher, das ist ein Jackpot Platz. Allerdings wohl nur in der Vor- oder Nachsaison. Der Infrastruktur mit Klo usw. nach zu urteilen, ist hier im Sommer deutlich mehr los. Auf dem offiziellen Parkplatz sehe ich noch zwei weitere Camper. Gut bin ich da nicht hin, die hätte ich mit meiner späten Ankunft und Zottl's Dieselgetuckere sicher in der Nachtruhe gestört.

 

Ich laufe zurück zu Zottl....mache nicht mehr viel. Müde bin ich eigentlich nicht, ein wenig KO aber unterm Strich hab ich die über 1.000 km heute ohne Probleme gemeistert. War ein toller Fahrtag. Zwei Hörbücher verballert, ne Ladung Sprit und viel gesungen. Mein Co-Pilot hat alles brav über sich ergehen lassen und schön die Kamera "gehalten".

 

 

Ich wünsche eine gute Nacht. Morgen gehts hier weiter. Hoffentlich schlafe ich ein wenig länger.

Liebe Grüsse aus Schweden.
Kai

 

PS: Bilder folgen im weiteren Verlauf. Nicht die Zeit dafür unterwegs und nur begrenztes Datenvolumen. Danke für euer Verständnis.

 

Die Route heute:

 


Kommentare: 4
  • #4

    Kai (Montag, 13 August 2018 19:30)

    Hallo Sascha,
    vielen Dank für Deinen Kommentar. Wie war die Übernachtung in Jönköping? Voll, ertragbar oder leer? :))
    Wie auch immer, hoffe Du konntest dort in Ruhe stehen und ne gute Mütze Schlaf bunkern. Gute Reise weiterhin mit dem fast fertigen Camper. Manchmal muss man nicht die 100% erreichen, es reichen auch mal 80-90% um losziehen zu können. :)
    Gute Fahrt und viel Spaß im Norden.
    Viele Grüsse
    Kai

  • #3

    Sascha (Mittwoch, 08 August 2018 21:50)

    Sehr interessant geschrieben, kannte das Video schon und hab jetzt den Blog gelesen, da ich ja auf ähnlicher Tour bin und wollte auch zu dem Platz. Hoffentlich ist das nicht all zu voll da morgen.
    Ich hab es dann tatsächlich geschafft meinen Camper reisefähig zu bauen, ist nicht ganz fertig, aber egal.

    Gruß aus Linköping
    Sascha

  • #2

    Kai (Montag, 04 Juni 2018 14:13)

    Hallo Peter,
    lieben Dank für Deinen Kommentar. Ich versuche die Videos so ausgewogen wie möglich zu halten und es freut mich, dass das gut ankommt. Dann mach ich mal so weiter :).
    Nicht immer einfach aus soooo vielem Datenmaterial immer das richtige und interessante heraus zu fischen. Es macht mir aber unheimlich Spaß und wenn ich das fertige Video dann sehe, bin ich meist doch auch zufrieden.
    Danke schön für den Reistipp. Werde ich mir auf jeden Fall merken. Bisher hab ich in Zottl noch keinen Reis gekocht, immer nur aufgewärmt. Koche ihn meist schon zu Hause mit unserem Reiskocher, halt sich auf Reisen auch ewig. Wir haben immer einen 10 kg Sack Reis zu Hause. Ist aber glaub ich Jasmin Reis. Vermute aber, das macht keinen riesen Unterschied in der Handhabung.

    In meinen Blogs schreibe ich auch oft mal Dinge, die in den Videos nicht vorkommen...also gerne weiter mitlesen und mitreisen. Freut mich beides sehr.
    Viel Spaß weiterhin und viele Grüsse von noch nördlich des Polarkreises.
    Kai

  • #1

    Peter (Sonntag, 03 Juni 2018 15:19)

    Hallo Kai, deine Videos sind genau nach meinem Geschmack. Ein paar Fahrtszenen, ein bisschen aus dem Leben im Camper und noch etwas von deinen Reisezielen ...... und das in schön ausgewogenem Verhältnis. Super! Jetzt, während deiner Reise zum Nordkap , lese ich noch zusätzlich deinen Blog. Auch der ist locker und gut geschrieben.
    So, und jetzt zu deinen Kochkünsten. Falls du bei deinen Gerichten Basmati Reis verwendest, kannst du folgendes machen. Das Reiswasser zum Kochen bringen und dann 4 Minuten vor sich hin köcheln lassen. Dann nimmst du den Reistopf von der Flamme und lässt ihn noch 20 Minuten quellen.
    Während dieser 20 Minuten kannst du die beiden Kochstellen für die anderen Bestandteile deiner Mahlzeit nutzen. ......so machen wir das immer, das klappt toll und der Reis ist immer noch heiß genug zum Essen. Soviel zu unserem Kochtipp.
    Ansonsten wünsche ich dir weiterhin eine gute Reise, bleib gesund und fit. Ich freue mich schon auf die nächsten Videos. Mach’s gut und bleib so wie du bist .
    Gruß Peter