#359 Die Tragödie von Hopseidet und die Mikado Sabotage

Freitag, 25.02.2022,  Konvoi Parkplatz Hopseidet - Silfar Canyon

 

 

Guten Morgen,


nach überraschend ruhiger Nacht, der Sturm hatte sich wohl irgendwann gelegt während wir im Reich der Träume waren, erwache ich um….6:30 Uhr. Schon wieder so früh! Man! Es ist Samstag…äh…nee, Freitag…okay, dann geht das so halbwegs. 

 

Wie immer, bloss nicht sofort aufstehen, das Elend etwas noch herauszögern. Um 7 Uhr gibt mir dann jedoch der Co-Pilot ein unmissverständliches Wattezeichen, dass ich endlich aufstehen und an die Arbeit gehen soll.
Ja, ja…ich mach ja schon!

Ab in die Dinette und den Rechner an. Blog schreiben. Dazu ne Schüssel Cornflakes. Unsere Milch geht zur Neige, wir brauchen Nachschub.

Gegen 9 Uhr bin ich fertig mit tippen, als ich sehe, dass Joachim geschrieben hat. Mit ihm hatte ich gestern bereits Kontakt, er hatte mir von einem Denkmal gleich ums Eck erzählt, das ich besichtigen könne. Und tatsächlich, das Denkmal ist keine 800 m von uns weg.

Startklar machen für die Abfahrt! Bei nur noch -0,5 Grad, grauem Himmel und windstille drehe ich Zottl und fahre kurz die paar Meter auf eisiger Straße Richtung Hopseidet. Kurz darauf kommt auch schon ein Schild zum Denkmal für 6 von Nazis erschossene norwegische Fischer, Männer und Jugendliche. Ohne Grund. Zwei Tage vor Kapitulation der Deutschen und Kriegsende!

 

Ich parke auf der Zufahrt, fahre nicht vor bis zum Parkplatz der total vereist ist. Wir wollen hier ja auch wieder weg kommen. 

 

Die letzten Meter laufe ich zu einer Informationstafel, dabei haut es mich das erste Mal fast auf den Hintern, ich hätte meine Schuhschneeketten montieren sollen oder Schneeschuhe anziehen.




Auf der Info Tafel, steht in mehreren Sprachen, darunter auch auf Deutsch, was hier im Detail geschah. Festnahme von 6 Fischern, kurz darauf die Erschießung und die schlechte Aufarbeitung diese Vorgangs durch norwegische und deutsche Behörden. Zu einer Verurteilung der Deutschen „Mörder“ kam es nie, obwohl die Beweislage sehr eindeutig. Unfassbar! Ich stehe vor dem Info Schild und ich könnte heulen! Was für eine Ungerechtigkeit, was für ein Elend. 

Den Norwegern muss man entschuldigend eingestehen, das die Ermittlungsbehörden so kurz nach dem Krieg noch nicht wieder in Takt waren. 

 

Während ich dort stehe und lese, kommen auch schon die ersten Windböen auf, das Wetter wird schlechter, graue Wolken links und rechts von mir. Eigentlich sollte ich aufbrechen, aber es gibt Dinge, die sind wichtiger. 

 

Von der Infotafel führt ein verschneiter Weg zu einem eingezäunten Gelände, vielleicht 10 auf 10 m. Während es mich fast das zweite Mal auf den hintern setzt bei dem Gang zur Pforte, lasse ich den Blick über den kleinen Fjord, die verschneite Landschaft, die Berge vor und hinter uns gleiten.  Naja, vielleicht sollte ich besser auf den Weg achten…zack…wieder fast hingelegt. Das ist aber auch glatt hier. Ich weiche vom Weg ab und laufe durch den tieferen Schnee. Dank Gummistiefel kein Problem. 

 

Die Pforte ist offen, ich gehe rein und stehe kurz darauf vor einem über 2 Meter hohen Gedenkstein. In ihm die Namen der Fischer und ihr alter. Zwischen 16 und mitte Vierzig waren die Norweger, die hier von Nazis ohne Grund ermordet wurden. Sowas ist im zweiten Weltkrieg sicherlich überall und ständig vorgekommen. Steht man aber direkt vor einem solchen Fall, ist es irgendwie noch schockierender als das Wissen, dass es überall so war. 

 

Zu Füßen des Denkmals liegen ovale Steine, bemalt mit der norwegischen Flagge und den Namen der Ermordeten. Dazwischen eine kleine Laterne für Teelichter. Mensch…ich hab Teelichter im Van, hätte ich doch nur eins mitgenommen. 

 


                 

Amazon Link für alle anderen Einkäufe:

 

Ich verbringe sicherlich eine halbe Stunde an dem Denkmal, mache ein paar Filmaufnahmen, respektiere dabei aber die Still und halte für ein Mal meinen Mund. Mir ist nicht nach reden!

 

So verabschiede ich mich still von diesem Ort, laufe bedrückt zurück zu Zottl und werde diesen Ort und diese Gräueltat wohl nie vergessen.

Lieber Joachim, 

danke, dass Du mich auf dieses Denkmal, diese Geschichte, diese Gräultat, hingewiesen hast. Ich wäre wohl sonst daran vorbei gefahren. 

 

Zottl bekomme ich rückwärts gut vom Ein der Einfahrt runter. Nun aber ab über die Hochebene, bevor das Wetter wieder schlechter wird. 

 

Erstmal 8% Steigung auf eisiger Strecke. In der Schweiz wäre das wohl unfahrbar, hier….Gas und hoch. Trotz enger Kurve am Anfang, so dass Schwung nehmen nur bedingt funktioniert.

 

Oben angekommen…Arktische Landschaft. Immer wieder verblüffend was 300  Höhenmeter ausmachen. 

Wir kommen gut voran, Wetter hält noch, hier und da Wind und kleinere Verwehungen, aber nix was Schweiss auf die Stirn treibt.

In Bekkarfjord kommen wir gut an, nun geht es auf eisiger Strecke weiter am Meer entlang nach Ifjyord. Die gleiche Strecke, wie schon auf der Hinfahrt nach Gamvik. Es gibt keinen anderen Weg ans Ende der Welt und zurück.

In Ifjord, heute ohne tanken, Sprit noch vorhanden, biegen wir rechts von der 888 auf die Fv98 ab. Und was nun kommt, ist wieder mal Einsamkeit. Nix los. Aber sowas von nix! Landschaftlich super schön, geschwungene Stecke, Berg hoch, Berg runter, mal Meer mal weniger Meer.  Es macht richtig Spass, die Strecke leicht verschneit, aber easy zu fahren.

Allerdings kommen die grauen Wolken immer näher und mir schwant böses. Auch Co-Pilot und Friedrich, die das mit dem


Amazon Link für alle anderen Einkäufe:

 

Denkmal nicht ganz verstanden haben aber gemerkt haben, das die Stimmung etwas traurig war, tauen nun wieder ein wenig auf und zittern vor sich hin. Hm…kommt das vom rauen Fahrbahnbelag oder merken sie das Unheil, das da Aufzieht?

Ja, das Unheil kommt. Aufziehender Schneefall, erst nur leicht, dann etwas stärker. Als wir Kunes erreichen, schneit es heftig, die Sicht wird deutlich schlechter, das Licht sehr diffus, Kontraste schwer auszumachen. Und plötzlich fahren wir an einer geöffneten Schranke vorbei. Eine Konvoi Strecke bei schlechtem Wetter…ups…damit hatte ich nicht gerechnet. Das kann ja was geben, bei starkem Schneefall einen solchen Abschnitt zu fahren….puh! Augen auf und volle Konzentration, FÜR ALLE HIER IM COCKPIT!

Co-Pilot und Friedrich reissen die Augen auf und halten Ausschau! Das haben sie die letzten Kilometer auch gemacht…aber nach Elchen! Leider keinen gesehen!

 

Wenig später, der Schneefall weiter stark, die Sicht schlecht, merke ich, dass deutlich mehr Schnee auf der Strasse liegt. Ich spüre das beim Fahren, den Widerstand des Schnees. Zottl rollt dann nicht so sauber wie ohne Schnee. Wieviel tatsächlich liegt, sehe ich nicht, die Sicht ist zu schlecht. Ich orientiere mich nur noch an den Stecken, die ca. alle 10 m den Seitenrand links und rechts markieren. Hätte ich vielleicht doch besser in Kunes stoppen sollen und einen Schneepflug oder besseres Wetter abwarten sollen?
Tja, zu spät jetzt, an drehen oder stoppen ist nicht zu denken. Ich will nicht versuchen müssen, hier aus dem Stand anzufahren. 

 

Also, die Fuhre muss am rollen gehalten werden. Frisch aufs Gas, es geht zum Glück sehr viel geradeaus. Wir pflügen mit 70 km/h völlig alleine über eine verschneite Landstraße bei starkem Schneefall und schlechter Sicht. Krass!

Aber, wie schon auf der ganzen Tour, Zottl macht seine Sache wieder super. Wir rutschen kein einziges mal, auch die Traktion reisst nicht ab, Abschnitte mit Steigung meistert er gut und nach 20 Minuten wird das Wetter wieder besser. Wir gewinnen an Höhe, kommen auf ein Hochplateau. Oben angekommen stoppt der Schneefall und die Sicht ist wieder top. Wow!

Wieder sind wir fasziniert von der Landschaft, der plötzlichen Weite hier oben. Den hohen, schroffen und verschneiten Bergen in der Ferne und der greifbaren Einsamkeit. Grandios! Ich liebe diese Streckenabschnitte…wenn es nicht gerade heftig schneit und die Sicht mist ist.

Wir rollen also entspannt weiter, immer unserem Ziel, dem Silfar Canyon entgegen. Auf Google Maps ist dort abseits der Straße ein schöner Parkplatz eingezeichnet. Ich habe die Hoffnung, dass dieser irgendwie geräumt ist….

Diese Hoffnung zerschlägt sich jedoch schnell. Nach einem kurzen Abstieg vom Hochplateau, kommen wir schon am Canyon Schild an und der Blick nach links zeigt….n Meter Schnee in der Zufahrt. Oh man….ein kollektives Stöhnen geht durchs Team, ich habe den Eindruck, selbst Zottl schnauft kurz auf. 

 

Immerhin ist rechts der Straße eine größere Parkbucht freigeschoben. Dort parke ich und wir beratschlagen was wir machen. 


Auf P4N finde ich 4 km weiter noch einen schönen Rastplatz, etwas zurückversetzt von der Straße. Na der wäre doch cool. Vielleicht könnten wir dort heute Abend ein kleines Feuerchen machen. Ich schleppe immer noch 20 kg Holz mit mir rum.

Also, weiter….aber…15 Minuten später sind wir wieder hier an der Canyon Parkbucht. Der schöne Rastplatz…auch unter 1 m Schnee begraben. Ich glaub, auf meinen nächsten Trip hier hoch nehme ich eine fette Schneefräse mit! Die hätte ich schon so einige Male gebrauchen können!

 

Wir richten es uns also gemütlich ein in unserer Parkbucht. Viel Verkehr ist zum Glück nicht und wir sind bei sowas auch schmerzfrei geworden. Parken wo es geht. Egal! 

Da das Wetter heute nicht berauschend ist für eine Sicht in und auf den Canyon, verschiebe ich das auf morgen. Es soll sonnig werden!

Den restlichen Nachmittag, es ist 14 Uhr, und Abend verbringe ich am Rechner. Sichere Daten, schneide Video und erledige sonst noch allerlei Kleinigkeiten. 

 


Zu Essen gibt es abends Spaghetti mit leckerem Sugo aus einem Follower Paket. Sau lecker! Ich verfeinere es auch noch mit Hackfleisch. Zwiebel und Knobi sind leider nicht zur Hand. Hat der Co-Pilot irgendwann mal gegessen.
Und als ich das Mikado zur Hand nehme, dass wir laut Anleitung spielen und essen sollen während das Sugo vor sich hin köchelt, stelle ich eine gewisse Leichtigkeit fest. Nicht in mir, nein in der Verpackung. Die dünkt mir….ich schüttet sie….leer! Aber sie ist noch verschlossen! Zu! Und ich weiss, das war mal was drin.
Wie geht das denn?

Mein Blick wandert zum Herrn CO-PILOT. Der sitzt aber da als ginge ihn das alles nichts an. Fehlt nur noch, das er anfängt ein Liedlein zu pfeifen… Auch Friedrich verhält sich überraschend unauffällig.

Ein Komplott!! Ganze klar! Sabotage! Ich schimpfe vor mich hin und drohe den beiden, sie hier im Canyon zu lassen…Resultat…keine Reaktion. Als wären sie nicht hier. Als würden sie all das nicht hören.
Wer hat die beiden nur erzogen!!! Diese kriminelle Energie, alles aufzufuttern und die Verpackung dann wieder mit Klebstoff zu verschließen. Unfassbar! 

 

Gut, hilft ja nix, die leere Mikado Verpackung fliegt in den Müll, ich koche weiter. Esse wenig später und schneide bis Mitternacht.
Kurz bin ich versucht, meine Mitreisenden heute nacht im Cockpit pennen zulassen, nur minus 6 Grad draußen, bringe es dann aber doch nicht über Herz. Was ein Glück….

 

 

Jetzt aber ab ins Bett. Gute Nacht und bis morgen.

Viele Grüsse


Kai und die kriminellen Bären.

 

Die ganze Geschichte zu der Tragödie von Hopseidet:

Amazon Link für alle anderen Einkäufe:



Amazon Link für alle anderen Einkäufe:


Kommentar schreiben

Kommentare: 3
  • #1

    Joachim H. (Mittwoch, 30 März 2022 13:54)

    Danke, dass Du den Tipp mit Hopseidet aufgegriffen hast! Wenn man in Europa unterwegs ist, trifft man ja leider immer wieder auf Zeugnisse und Hinterlassenschaften des Nazi-Regimes - und obwohl das da oben längst nicht das schlimmste Verbrechen war, hat es mich besonders schockiert wegen des Zeitpunkts. Hitler schon tot, das III. Reich komplett in Auflösung begriffen - und trotzdem...Nachdrücklicher kann man Sinnlosigkeit und Brutalität eines Krieges nicht belegen - und leider ist es inzwischen wieder mal so weit...

  • #2

    Reyhan (Mittwoch, 30 März 2022 17:24)

    Vielleicht wird manchen jetzt klarer, warum der eine oder andere NorwegerIn in fortgeschrittenem Alter zurückhaltend reagiert, wenn man sich als Inhaber/in eines deutschen Passes zu erkennen gibt.
    Ja und offensichtlich gibt es immer noch Leute, die nicht aus der Geschichte gelernt haben.

  • #3

    Mecki (Donnerstag, 31 März 2022 00:12)

    Leider waren es nicht mal 1,5 Tag mehr bis zur Kapitulation!
    Aber in der Zeit hat man noch jegliches Gebäude, das irgendwie als Behausung dienen könnte, gesprengt, abgebrannt und zerstört.
    Im Text zur Gedenktafel, stehen leider nicht mal alle Greueltaten die an dem Tag noch alle passiert sind.
    Das ganze Geschehen ist noch deutlich komplexer und um so schrecklicher! Zugleich auch um so unvorstellbarer, das Menschen und gar Deutsche sowas tun konnten.
    Mir geht das nicht in den Kopf rein...