Schotterwahnsinn in Graubünden #1 - Anfahrt bei Nacht mit Vollpension

Hallo zusammen,

 

Wochenende…..ach nee…doch noch nicht ganz. Ich steh ja noch auf der Messe in Zürich und warte das der Uhrzeiger endlich auf die 18 Uhr Stellung trifft….zack….FEIERABEND! Nix wie weg, aber so schnell geht es nicht. Freitag, Zürich, Feierabendverkehr, Gubrist. Auto im Büro abholen, nach Hause fahren. Das dauert alles ewig. Erst um 19:45 Uhr schlage ich zu Hause auf, bin schon recht platt. Gut hab ich Zottl gestern schon zu 80% gepackt. Jetzt noch schnell den Co-Piloten, Bettzeug und etwas Essen in den Kasten und Abfahrt. Um 20:15 Uhr manövriere ich Zottl aus meiner Parkbucht zu Hause. Jetzt noch Diesel und Wasser.

Immer wieder schön wie schnell ich aus Stress im Wochenendemodus bin, sobald ich in Zottl sitzt, die ersten Worte in meine Canon EOS 77D gesprochen habe und den Co-Piloten neben mir sitzen sehe, ist das Bergwerk vergessen.

 

Diesel und Wasser verzögern die Fahrt natürlich nochmals. Außerdem wird es schon dunkel. Die Tage sind nun deutlich kürzer. Es geht auf Winter zu. Das Elend mit dem Anfahren von Freistehplätzen bei Dunkelheit beginnt wieder.

Aber was machen wir dieses Wochenende eigentlich?

Wiedermal bin ich nicht alleine. Ich habe eine Verabredung, um 22 Uhr am Lidl Parkplatz in Landquart. Hört sich geheimnisvoll an? Naja, hört sich nur so an. Es steht ein Treffen an mit meinem schon bekannten Travel Buddy Jens und seinem Clever Runner Oski. Jens ist wiederum für die Routenführung verantwortlich, ich nehme die längere Anfahrt in Kauf. Fairer Deal! 

Auf dieses Wochenende freue ich mich schon lange, hat Jens doch schon durchsickern lassen, dass es etwas für Wahnsinnige werden wird. Na da bin ich ja richtig!

 

Um Punkt 22 Uhr rolle ich auf den Lidl Parkplatz. Auf diesem sieht es aus wie auf einem schlecht gefüllten Stellplatz. Zwei Camper stehen da rum und Oski. Ich wundere mich, dass man auf Lidl Parkplätzen übernachten darf. Denn so wie die parken, fahren die heute nicht mehr weg. Na egal…hey…da ist ja Jens...wink…Parken. Motor aus. Raus aus Zottl. Ich bin noch platter, laufe etwas auf dem Zahnfleisch. Auch der Hunger macht mit zu schaffen.

Nach einer kurzen Begrüßung sitzen wir wieder auf und reiten…äh...fahren weiter. Nur gut sind wir nur noch 20 Minuten vom Ankunftsort weg. Jens beschrieb mir den Platz als „kanadisch“. Schlucht, Fluss, Bäume….ein Wanderparkplatz, nicht stark frequentiert, etwas weiter hinten in einem Seitental. Nicht hoch gelegen, gerade mal 750 m.

 

Auf der Anfahrt ins Tal bin ich froh, wusch ich Zottl nicht noch vor dem Trip. Es geht mal wieder Schotterpiste über ca. 2 km. Vorbei an einem Kieswerk und dann immer entlang des größeren Baches. Es ist stockdunkel. Irgendwann verliere ich Oski aus den Augen, bin mit filmen und schalten beschäftigt und frage mich nach einer Weile: ist Jens schon irgendwo abgebogen, oder fährt er noch vor mir? Komisch?! Etwas unheimlich in dieser absoluten Dunkelheit. Ich umkurve Schlaglöcher so gut es geht, wundere mich, wo wir wohl rauskommen. Zu sehen ist NIX. Und dann endlich, sehe ich Oski’s Rückleuchten wieder. Puh…gut…ich bin noch richtig. Kurz darauf setzt Oski den Blinker links und wir scheinen angekommen zu sein.

Ich parke den guten Zottl daneben, mach die Zündung aus und sehe nix mehr. Schwarz!

 

Dafür hör ich den Bach laut rauschen. Nachdem sich meine Augen etwas an die Dunkelheit gewöhnen, erkenne ich die Berge um uns rum. Ich bin gespannt wie das morgen bei Sonne aussieht. Wir haben die Regenwolken diesmal nämlich zu Hause gelassen und erwarten zwei Tag Sonne pur!

 

      

Jetzt aber mal Prioritäten setzen. Jens hat Essen vorbereitet, wofür ich ihm unglaublich dankbar bin! Ich könnte ein halbes Rind essen, plus Nachtisch, so hungrig bin ich. Wir essen draußen, warm genug ist es, die Älpler Makronen (Nudeln mit Kartoffeln und Käse) schmecken fantastisch, das Apfelmus vergessen wir vor lauter Hunger. Erst als ich es schüchtern anspreche, fällt Jens ein, dass er ja noch extra welches gemacht hat! Es schmeckt ebenfalls traumhaft.

 

Gefühlt essen wir 2 kg Älpler-Makronen…der Magen füllt sich, fühlt sich an wie ein Stein. Dagegen hilft nur eins: ein Schnaps! J Nur gut, hat Jens auch das dabei. Verrückt, wie gut sein Oski doch ausgestattet ist. Da zieh ich den imaginären Hut vor. Die hochprozentige Flüssigkeit wirkt, auch wenn Wissenschaftler eigentlich belegt haben, dass ein Kräutertee viel besser wirkt….aber ich glaube, es gibt bei Kräutertee einen großen Nachteil: er knallt nicht so rein wie ein Wasser, das brennen könnte! :)

 

Wir sitzen noch den weiteren Abend vor unseren Kästen, unterhalten uns und leeren noch unser Bier. Gegen Mitternacht haben wir beide einen Müdigkeitslevel erreicht, der Schlaf problemlos möglich macht. Ich biege nach links in Zottl ab, Jens nach rechts in Oski.

Die Heizung wird auf 18°C eingestellt, anschließend kurze Runde durchs Bad und dann krabble ich unter mein Federbett. Ich habe es doch endlich geschafft, mein schönes warmes Federbett in Zottl zu legen.

Kuschlig warm und mit einem leise vor sich hin schnarchenden Co-Piloten neben mir, gleite ich in eine andere Welt…..

 

Morgen geht’s hier weiter.

 

Viele Grüsse

Kai

 

GPS Koordinaten:

Ver- und Entsorgung: 47°13'15.8"N 8°39'37.6"E 47.221052, 8.660445

Übernachtung bei Schiers: 46°58'46.4"N 9°43'04.7"E / 46.979560, 9.717968

Kommentare: 2
  • #2

    Kai (Freitag, 16 November 2018 10:57)

    :)) War cool! Von dem Essen träum ich noch immer! :)

  • #1

    Jens (Montag, 12 November 2018 19:35)

    Den Abend hab ich grad nochmals erlebt, danke Kai.