#1 St. Gallen - Ein Plan geht nicht auf, Kunkels statt Gigerwaldsee

Hallo zusammen,

 

es ist soweit, Freitag! Jetzt muss der Tag nur noch irgendwie rum gehen. Um 16:00 Uhr will ich das Bergwerksbüro verlassen. Um 16:10 Uhr sitze ich noch immer vor dem PC und hacke Emails in die Maschine. Nix mit pünktlich gehen an diesem Freitag. Verdammt! Immerhin wartet St. Gallischen jemand auf mich. Nun den, ich gebe Gas, hacke etwas schneller, bringe auch noch die letzten Felsen an den Ort wo sie hin sollen und haue um 16:30 Uhr ab, nur um 10 Minute später im Stau zu stehen. Oh wie ich das liebe. Freitagabend in Zürich…IMMER!

Schleichend über den Nordring, dann durch den Tunnel und die Autobahn gen Chur nach Hause. Immerhin hier läuft es gut.

Um 17:45 Uhr bin ich zu Hause. Jetzt noch eine große Ikea Box laden, den Co-Pilot schnappen und alles in Zottl laden. Mit dabei ist auch ein Briefumschlag den ich von Diana und Kai zugeschickt bekommen hatte. Was da wohl drin ist…aber dazu später mehr. Jetzt erstmal fokussieren auf die Beladung. Stromkabel muss noch ab, Nummernschilder dran…nicht dass ich wieder ohne rum fahre. So erging es mir neulich mit meinem Skoda…aber auch das eine andere Geschichte.

 

Zottl ist voll. Wasser ist auch schon drin, hatte ich gestern erledigt. Abfahrt. Noch kurz Tanken und ab auf die Autobahn.

Eine Stunde später verlasse ich die Autobahn in Wangs/Pizol. Mein Reisegespänli dürfte schon eine geschlagene Stunde dort stehen und auf mich warten. Jetzt jedoch erstmal den Lidl finden. Google Maps hilft dabei. Auf den Parkplatz fahrend, finde ich jedoch niemanden vor. Kein Fahrzeug, das mir bekannt vorkommt. Hm…ich fahre auf dem Parkplatz weiter. Sehe, dass es noch ums Haus nach hinten weiter geht, lasse Zottl dort entlang rollen, biege um die nächste Ecke und was sehe ich: Im Dunkeln der Nacht ein Clever. Das wird er dann wohl sein. Ich verkneife es mir gerade noch, zu hupen, lenke Zottl neben den Clever, schaue nach links und sehen: Jens! Wie er leibt und lebt. Das Wochenende kann losgehen. J

Nach kurzer Begrüssung und Absprache fahren wir los. Obwohl ich dachte, wir werden ein Wochenende in Graubünden verleben, merke ich nun: ups, wir bleiben in St. Gallen. Ein ganz neues Gefühl, das bedarf eines neuen Mindsets. Erstmal nen Schnaps auf den Schock! Oh…ach nee, wir fahren ja jetzt noch so 30 km. Und zwar ziemlich bergauf. Wobei sehr, sehr unklar ist, ob wir dahin kommen, wo wir eigentlich hin wollen. Jens hatte schon gewarnt, die Anfahrt zum Stausee Gigerwald ist zu 98 % bereits geschlossen wegen Winter…obwohl von dem eigentlich noch nix zu sehen ist.

Motor an, der Co-Pilot sitzt angeschnallt und brav auf dem Beifahrersitz, ist jedoch etwas enttäuscht, dass wir jetzt doch nicht nach Graubünden kommen. Vermute aber, er wird da schnell drüber hinweg kommen.

So fahren wir im zweier Konvoi nach Bad Ragaz, vor dort geht’s es mal übel den Hang hoch in Richtung Pfäffers. Es ist Winter, stockdunkel, von der Landschaft nix zu sehen. Einen Stausee, an dem wir vorbei kommen, bemerke ich gar nicht. Dafür aber einen sau dreckigen Straßenabschnitt. Jens fährt vor, Zottl bekommt also eine ordentliche Portion Schmutz ab, von Oski und sich selbst. Obwohl der Abschnitt nur wenige hundert Meter lang ist, reicht es aus, um unsere Fahrzeuge völlig einzusauen.

Die Strecke zieht sich, ist aber gut zu fahren, breit genug auch für TIs. Viele Kurven und Ecken später, erreichen wir Vattis. Mitten im Dorf stoppt Jens, an einer Miniatur Tankstelle. Is er echt ohne Diesel im Tank losgefahren und muss jetzt hier noch tanken?? Die Anfahrt zur Zapfsäule ist eng und ich muss ein wenig rangieren bis ich mich auch platziert habe. Als wir aussteigen, lachen wir erst über die Tanke aus den 60er Jahren und dann meint Jens:

 

„Diesel brauch ich nicht. Aber Wasser!“

Ich: Aha…Kühlwasser oder wie?
Jens: „Nein, mein Frischwassertank ist leer. Bei Tankstellen gibt es ab und an mal Wasser. Oder es gibt hier irgendwo einen Brunnen“

 

Ich: „Aha…..“

 

       

Jens mutiert zum Trockencamper. Eine neue Stufe der Herausforderung. Denn: hier gibt es Diesel und Benzin, aber keinerlei Wasser. Auch ein Brunnen ist nicht auffindbar. Ich biete ihm Wasser aus meinem 100 Liter Vorrat an. Er lehnt vorerst ab. Scheint, er liebt die Herausforderung!
Wir besteigen unsere Lasttier, fahren von der Tanke weg und sehen: Verdammt! Oh man, hier lösen sich gerade 2% Hoffnung in Rauch auf. Das war‘s. Nix mit Stausee. Wintersperre. Ende Gelände…und das, nachdem Jens mir den Stausee vorhin noch richtig schmackhaft gemacht hatte. Ich gebe zu: ich bin enttäuscht! Der Co-Pilot sackt komplett in sich zusammen, die Luft ist raus bei ihm. Dass er nicht noch in Wolltränen ausbricht, ist alles.

 

Und jetzt? Wo übernachten wir nun?

Zum Glück sind wir vorbereitet. Es gibt einen Plan B. Ganz in der Nähe, in Richtung Kunkelspass gibt es noch einen abgelegenen Wanderparkplatz, der jetzt, Anfang Dezember, sicher nicht stark frequentiert ist und noch anfahrbar. So fahren wir eine einspurige Strecke tief ins Tal hinein. Stockdunkel. Einspurig. Dabei passieren wir noch eine Schranke, welche die Strecke bei Lawinengefahr sperrt.

Von Schnee ist allerdings nichts zu sehen. Zu Hause regnete es stark, ab dem Walensee nur noch sehr leicht, und hier ist es mehr oder weniger trocken.

Auf der linken Seite fahren wir an dem ein oder anderen möglichen Schlafplatz vorbei, aber erst am letzten stoppen wir. Schmaler Parkplatz entlang der Straße, ein 6,40m Kasten ohne Fahrradträger kann hier normal parken. Da wir aber alleine sind, Oski einen Fahrradträger dran hat auf der Anhängerkupplung, parken wir auf dem Parkplatz parallel zur Straße hintereinander.

Motor aus. Nacht!


Erstmal raus und umschauen. Hm...umschauen. Nix zu sehen. Absolute Dunkelheit. Ich suche Christian, meine neuen Taschenlampe und papp sie an Zottl. Auch meine anderen Leuchten kommen aussen an Zottl. So ist wenigstens rund um Zottl Licht und man sieht wo der Match ist. Der Platz ist geschottert, recht eben und Wölfe soll es hier auch wohl ab und an geben. Der Co-Pilot hört das auch, bekommt große Augen und weigert sich fortan, aus dem Auto zu steigen…aber was heißt da steigen, aus dem Auto getragen zu werden.
Muss er aber auch nicht, denn die Kochshow steigt heute in Zottl. Alle drei haben wir ziemlich Hunger. Statt schnellem Dosenfutter, machen wir schnell eine leckere Bolognese Soße mit Reisnudeln. In 45 Minuten ist das alles gemacht und wir können uns gemütlich setzen und essen. Natürlich nicht ohne mit einem Bier auf unsere diesmalige Tour anzustoßen.
Im Lauf des Abends machen wir noch den Plan für morgen. Der bleibt jedoch noch etwas vage und flexibel. Möglicherweise verlassen wir das Land, oder bleiben im St. Gallischen oder fahren doch noch nach Graubünden… Wir werden sehen!

Ohne Wolfsgeheul sitzen wir noch bis nach Mitternacht in Zottl, gegen halb eins macht sich Jens auf seinen langen Heimweg. Ich kümmere mich derweil um den Abwasch. Der ist große und passt so gerade noch so auf mein Abtropfrack, der schiefe Turm vom Kunkelspass.

 

Damit endet der heutige Tag. Ich trage den Co-Piloten nach hinten und lege ihn hin, wenig später liege ich daneben, mache die Augen zu und bin weg.


Gute Nacht

 

Kai

PS: euch interessiert, was es mit dem Holzschild im Hintergrund aus sich hat? Diese "Geheimnis" wird im Video gelüftet.

 

  

GPS Koordinaten:

Stausee Gigerwald (wintersperre): 46.911151, 9.392239

Ausweichplatz: 46.883036, 9.421577 (Richtung Kunkelpass, Passstraße gegen Geld befahrbar)

Kommentar schreiben

Kommentare: 0