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#18 Schottland Tour 2019 - Wir verlassen Harris, fahren Fähre und finden ein Grab

Guten Morgen zusammen,

 

ein Blick auf die Uhr gefällig? Ui....10 Uhr...so startete ja auch schon der gestrige Blog. Oh man, etwas lang geschlafen. Um 14 Uhr müssen wir ja am südlichen Ende von Jack & Jones sein. Da müssen wir jetzt aber mal in die Puschen kommen...denke ich und werf mich zurück in die Kissen. Kein Bock aufzustehen. So schön hier. Draußen...wie immer, eine Mischung aus allem. 

 

15 Minuten später ist der Kampf gegen den inneren Schweinehund gewonnen, ich schäle mich aus dem Bett, begebe mich in die Dinette, mache Frühstück, esse, schreibe Blog...wie jeden Morgen halt.. 

Heute gibt es aber noch eine warme Dusche obendrauf. Ah...herrlich. Gegen 12 Uhr bin ich abfahrbereit und beginne zu überlegen. Drohne noch in die Luft oder nicht? 5 Minuten denke ich darüber nach, immer wieder starker Wind, reinziehende Wolken, tröpfeln. Aber am Ende...scheiß drauf, hoch damit!

 

Trotz des Windes fliegt sie gut, als sie aber mehrere hundert Meter entfernt und gut hoch steht, und eine deutlich rote Wind Warnung vor starkem Wind und "bitte landen" angibt, hol ich sie doch lieber zurück und lass sie noch etwas um uns rum fliegen aber nicht mehr allzu weit weg. Das Wetter macht das Drohne fliegen immer wieder zu einem Lotteriespiel. Umso überraschender aber, wie gut die Drohnen mit Wind zurecht kommt. Echt eine Meisterleistung von DJI.

 

Nach 15 Minuten bin ich genug Risiko eingegangen, runter damit und Abfahrt. Zurück an die Küste, gen Süden. Genauer gesagt nach Leverbourgh von wo die Fähre nach Bernery übersetzt. Zudem hab ich bisher ja nur eine Reservierungsbestätigung und noch kein Ticket. Das muss ich mir im Fährbüro noch ausdrucken lassen. So wie ich es in Uig auch machte. Ja denkste.....

 

Die Fahrt läuft mit einem Fotostop problemlos. Viel Single Track aber wenig Verkehr. Gute Mischung. Die Strände sind auch hier der absolute Hammer. Das Wasser über weite Teile türkisfarben. Ein prächtiger Anblick, auch bei durchwachsenem Wetter.

 

Um 13 Uhr bin ich am Hafen. Stelle mich in die Reihe, schon einige hier. Und mache mich auf den Weg, das Ticket Office zu suchen. Dabei umkreise ich den Hafen zu Fuss einmal und finde...nix! Hä...wo ist das verdammte Ding. Gibts hier etwa keins? Scheint so!

 

Ich kram in meinen Emails, immerhin hab ich hier am Hafen Internet Empfang, schaue mir die Reservierungsbestätigung für die heutige Passage an. Buchungsnummer hab ich, auf der Reservierung steht aber ganz deutlich: Man benötigt ein Ticket, die Reservierungsbestätigung reich nicht aus und man wird nur damit nicht mitgenommen. Ja prima, denke ich...und Google die Hotline Nummer von Calmac Ferries.

 

5 Minuten später bin ich schlauer. Ein netter Herr erklärt mir, die Buchungsnummer reiche aus um auf das Schiff zu kommen. Von der Crew würde ich dann ein Ticket erhalten. 

Gut...30 Minuten später ommt die Fähre an. Das Boarding beginnt....alle um mich rum fahren auf die Fähre. Selbst jene die hinter mir stehen. Nur der Sprinter vor mir und ich stehen am Hafen. Bei dem was alles schon auf die Fähre fuhr, müsste die jetzt eigentlich voll sein, denke ich. Hoffentlich kommen wir überhaupt noch mit. Ich hab leider keinerlei Blick auf die Fähre, denn der Camper vor mir nimmt mir die ganze Sicht. 

Als alle um mich rum, selbst alle hinter mir, schon auf der Fähre sind, denke ich...das Ding ist voll. Das wars..wir bleiben als Strandgut zurück.

Dann...endlich...kommt der Einweiser zu mir, möchte mein Ticket sehen. Ich halte ihm mein Handy mit der Reservierungsbestätigung hin, er schaut nicht mal wirklich im Detail drauf, sagt okay, danke, cheers und ich solle dem Vordermann folgen. Puh...ein Hauch Erleichterung wabert durch unser Cockpit.

 

Die Auffahrt auf die Fähre verläuft problemlos, die Rampe nicht zu steil für Zottl.

Wir bleiben auch das letzte Fahrzeug das auf die Fähre kommt. Hoffen wir mal, Zottl geht bei der Überfahrt nicht über Bord. Nicht das er hinten runter purzelt...wir stehen leicht abschüssig. 

 

Auf der Überfahrt zeigt sich das Wetter 50% von seiner guten Seite, sonnig und im Windschatten des Fähraufbaus ist es angenehm. Erst nach Hälfte der Fahrt verlasse ich den Außenplatz, die Sonne ist weg, und begebe mich nach innen, such mir einen Platz und checke schon mal auf Google Maps, was ich auf North Uist noch so machen kann. Natürlich kommt wenig später auch noch das obligatorische Regenschauer vorbei und schwups sind wir am Hafen von Bernery. 

Co-Pilot und Friedrich durften übrigens in Zottl sitzen bleiben, ich hatte sie auch von oben gut im Blick, so dass sie kein dummes Zeug anstellen konnten. 

 

Als letztes Fahrzeug verlassen wir die Fähre und nehmen Kurs auf einen 10 Meilen entfernte Sandstrand. Es geht auf 16 Uhr zu, Zeit für ein Mittagessen. 

Am Strand angekommen, stelle ich fest, das der dortige Parkplatz klein ist, voll mit PKW und Zottl nicht drauf passt. Mist! So stelle ich mich mitten in den Weg der auf den Strand führt. Denn fahren darf hier keiner, steht ein ausdrückliches Verbotsschild. 

Kaum ist Zottls Motor aus, kommt von hinten ein Land Rover, steht hinter Zottl und will wohl doch auf den Strand fahren. Na dann, er geht aus dem Weg, ich setzte Zottl zurück, so dass der Land Rover vorbei kann und wenig später jagt er durch Meerwasserpfützen und einen Priel auf den Strand. Gibt mir vorher noch durchs Fenster einen Daumen hoch! Danke, sage ich, die Schotten sind schon cool! 

 

Nachdem der Land Rover weg ist, drehe ich Zottl noch, parke mich mehr in den Schlamm an den Wegesrand, so kommt jeder vorbei der da lang will. Und ich hoffentlich auch wieder raus, denn auch ein Vorderrad steht im Schlamm. Oh man...wenn das mal gut geht.

Egal, jetzt erstmal essen. Nürnberger in die Pfanne, Reisnudeln später hinzu und Curry + Salz. 15 Minuten sitze ich damit und mit Alibi Gemüse in Form von kleinen Cherry Tomaten beim Mittagessen. 

 

Da ich ja Urlaub habe, manchmal vergess ich das vor lauter YouTube, bloggen, Route planen, Instagram posten usw, lasse ich mir Zeit und erst um 18 Uhr wühlt sich Zottl aus dem Schlamm und wir verlassen diesen riesigen Sandstrand. Vom Meer war nicht viel zu sehen, Niedrigwasser. Nur ganz im Hintergrund schimmerte es im Sonnenlicht smaragdgrün.

             

Vom Strand fahren wir nun zu einem Ort, wo jemand gestorben ist. Eine prähistorische Grabstätte im Nirgendwo auf einem Hügel bei Langais. Ein Steinhaufen mit 25 m Durchmesser, eigentlich bekriechbar, aber kürzlich teils eingestürzt. Wer will es ihm verübeln, steht ja schon seit 5.000 Jahre dort. Das besterhaltenste Hügelgrab auf den äußeren Hebriden oder so. 

Als wir ankommen, muss ich, der Rest bleibt natürlich im warmen Zottl, wieder alleine los. Durch den Sturm den Hügel hoch. Das Grab und die Ausmaße sind durchaus eindrücklich. Auf den ersten Blick nur ein Haufen Steine, einmal drum herum gelaufen und man findet den Eingang. Man könnte reinkriechen, scheint mir aber zu gefährlich. Ich will ja hier nicht verschütt gehen. 

 

Von hier aus fahre ich direkt weiter gen South Uist, dabei überqueren wir Benbecula. Alles eher flache und geschwungene Landschafte mit immer wieder schönen Strandabschnitt. Erst gen South Uist wird es wieder bergiger und felsiger. An der Küste schlafen ist heute eventuell keine gute Idee, er stürmt ja ziemlich, also suche ich nach einem Platz im Inland. Park4Night gibt mir auch brav einen an. Doch als ich ihn Anfahre, stehen dort schon zwei. Es wäre noch Platz...aber nee...keine Lust. Ich fahre das schmale Sträßchen den Loch Sgioport weiter. Hoffe auf einen kleinen Platz im Nirgendwo. Doch der will und will nicht kommen. 

 

Doch dann, nach einer Linkskurve, kommt linker Hand eine Ausbuchtung, da passen zwei Kastenwagen mit Zottl's Länge hin. Bisher steht keiner da. Meins! Rückwärts rein. Angekommen! Etwas Windgeschützt durch die Felsen um uns rum, genau wie ich angedacht hatte. Wunderbar! Und dann...eigentlich wollte ich noch raus und kurz filmen, fängt es an zu regnen...nee...es schüttet. Die Regenwolke findet uns scheinbar immer und überall. So auch hier. 

Als das Schauer durch ist, hab ich es mir in Zottl bereits bequem gemacht und mag nicht mehr vor die Tür. Fängt ja dann wahrscheinlich doch gleich wieder an zu regnen. Nicht mir mir, liebes Wetter! Mich machst Du heute nicht mehr naß!

 

Gegen späteren Abend wärme ich mir die Rest vom Mittagessen auf, Lüfte anschließend Zottl und stelle dabei eine Bewegung auf einem Hügel, der vielleicht 100 m von Zottl entfernt ist, fest. Was ist das denn? Schafe...nee....Rinder...nee...Pferde liefen hier vorhin frei rum...nee...das sind...hm...ich vermute jetzt mal Rehe. Ziemlich große Biester...leicht unheimlich wie sie da oben auf dem Hügel stehen, sich absetzten gegen den dunkler werdenden Himmel. Und sie beobachten mich, schauen ganz gebannt in Zottls Richtung...oh man...echt schräg... Ich schnappe mir noch schnell meine Kamera und filme die beiden da oben auf ihrem Hügel. Wenn ich morgen tot in meinem Camper liege...dann befragt als erstes die beiden!

 

So sitze ich hier, Friedrich neben mir auf dem Tisch, beäugt ganz genau was ich da so tippe. Er ist der Korrekturleser und auch zuständig für die Zensur...vor allem was Bärenthemen angeht. Daher schreibe ich auch (fast) immer nur gute Sachen über meinen Herren mitreisenden. 

 

In diesem Sinne, es ist Mitternacht, was für mich Feierabend bedeutet, gehen wir jetzt mal schlafen und hoffen, dass wir morgen die Fähre nach Barra nehmen können. Sonst wirds eng mit der Rückfahrt....

 

Viele Grüsse und Gute Nacht.

 

Kai und die Zensorbären.

 

Viele Grüsse

 

Kai und die zwei mit ihren Hosen

 

 

GPS:

 

folgt

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