Ab in den Jura zum Creux du Van, vorher gibts aber noch ein neues Stativ

Schönen guten Morgen allerseits. Was für eine Nacht! Top geschlafen an diesem Platz. Obwohl rechts neben Zottle die Straße den Hang hoch führt, habe ich nix gehört und bis 8:30 Uhr geschlafen. Es ist Samstag. Da lass ich es erstmal ruhig angehen. Heute stresst mich keine Arbeit. Sehr schön.

Als erstes, wie immer, Dachfenster-Verdunkelung auf, rausschauen. Ergebnis: Sonnig! Ich liebe es!

Das gibt mir den nötigen Schwung aus dem Bett, Kaffee und Frühstück stehen auf dem Programm. 
Im Anschluss wird kurz abgewaschen, das Geschirr zum trocknen hingestellt und der Kasten geöffnet. Lüften und ein paar Schritt raus in die Sonne. Heut wird es warm, die Luft riecht nach Frühling und die Weinbauern sind bereits in ihren Weinbergen zu Gange. 

Die Aussicht ist traumhaft wie gestern, hier könnte ich auch noch eine Nacht verbringen. Ich habe jedoch andere Pläne. Aber erstmal wieder in die Hütte und duschen. 

Mein Duschprozess läuft immer besser und zügiger. Die Magnete machen weiterhin einen guten Job und halten den Vorgang von mir weg. Geschätzt brauche ich sicher nicht mehr als 10 Liter für eine Dusche. Dennoch kann ich heute etwas großzügiger mit Wasser umgehen, ich fülle auf dem Weg später meinen Tank wieder auf und kann wohl auch entsorgen. 
Nach dem Duschen wird natürlich wieder gelüftet. Ausgiebig. Durchzug mit Dach- und Seitenfenster. 

Und dann.....dann heißt es Abschied nehmen. Ich sage Tschüss zu Weinbergen und Felsen und setze Zottl in Bewegung.
Vorher ärger ich mich jedoch noch über die Griller von gestern Abend die den unten liegenden Grillplatz nutzten. Die haben zwar ihren Müll zusammengeräumt und in eine Tüte gestopft. Allerdings waren sie dann nicht in der Lage, die Tüte in den Mülleimer zu tun. Denn: die Tüte war zu dick und passte nicht durch den Mülleimer Schlitz. So haben sie diese einfach unter den Mülleimer gelegt. Hallo??!!! Wenn die Intelligenz nur soweit reicht, dann sollten sie besser nicht mehr mit ihrem 1er BMW und ihrer C-Klasse umeinander fahren! 

Nächster Stop: Fnac. Stativ kaufen. Mein altes hab ich ja gestern geschrottet. 
Bei Fnac in Conthey angekommen, ist auf dem gemeinsamen Parkplatz mit Conforama und weiteren Stores der Teufel los. Es sind zwar noch einige einzelne Parkplätze frei, das reicht aber nicht für uns. Ich eier dreimal im Kreis über den Parkplatz, finde jedoch keinen passenden für Zottl. Bräuchte zwei hintereinander liegende aufgrund von Zottls langem Hintern. Aber nix zu machen. Irgendwann reichts mir, ich sehe drei Parkplätze die nebeneinander liegen und frei sind. Stelle mich schräg drauf. Passt! Ist ja nicht das erste mal, dass ich so parke. Und wir sind hier ja in der Westschweiz, da kann man auch mal kreativ parken. Zudem brauche ich nicht lange, weiß was ich will und bleibe nicht ewig.
Der ein oder andere schaut mich zwar komisch an, wobei mir unklar bleibt, ob es an meiner Parkweise liegt oder daran, dass ich in eine Kamera spreche. Mir eigentlich auch egal, ich habs eilig. 
Das erste mal in meinem Leben in einem Fnac. Schön hier drin. Aufgeräumt, übersichtlich...ah...und da ist mein gewünschtes Stativ. Kurzer Double-Check ob es wirklich das Richtige ist. Dann zur Kasse. Zahlen. Raus.

Das Ganze hat nicht länger als 7,246 Minuten gedauert. Ich laufe zügig zu Zottl, parke aus und mach mich vom Acker.

Als ich auf die Uhr schaue, ist es schon bald 12:00 Uhr. Wo ist der Vormittag hin?
Manchmal denke ich, in Zottl läuft die Zeit einfach schneller. Die Tage verfliegen. Kaum was gemacht, schon Mittag. Wie kann das sein? Andererseits: immerhin keine Zeit für Langeweile! :)

       

Mein nächster Stopp wird die Autobahntankstelle Marché Relais Saint-Bernard (46°07'40.2"N 7°03'38.4"E ) sein. Wasserfüllen und Tanks entleeren. Vor Ort angekommen, gibt es aber fürs Grauwasser keinen Bodenablass. Auf Schlauch bin ich nicht vorbereitet. Also nehm ich mein Grauwasser wieder mit. Tankanzeige zeigt auch erst halb voll an. Die Toiletten Kassette kann ich kostenfrei entsorgen. Fürs Wasser braucht es einen Jeton. Den bekommt man in der Shell Tanke, denke ich mir. Laufe hin und liege richtig. In meinem super Französisch organisiere ich mir einen Jeton für 2 CHF. 100 Liter gibts dafür. So viel brauch ich aber nicht, denke 50-70 reichen aus. Ich würde wohl auch noch hinkommen mit dem Wasser an Board, will aber auch einfach mal hier diese Station testen.

Nachdem alles erledigt ist, besteige ich einen meiner Lieblingsplätze in Zottl, werfe seine 163 Pferdli an und geb ihm die Sporen...naja..nur ein wenig. 

Mittag mache ich bei Aigle, kurz vor dem Genfersee. Ich stehe zwar im Grünen, aber bin umgeben von Straßen. Stehe an einem schönen Kanal, einem Grillplatz, höre die Vögel zwitschern und die Autos rauschen. Eine Stunde mache ich Pause, wärme mein Essen auf und lasse es mir schmecken. Im Kasten ist es überraschend leise, die rauschenden Autos höre ich nicht. Nach einer Stunde mache ich mich wieder auf den Weg, beim Rangieren muss ich jedoch aufpassen, dass ich nicht aus Versehen vorwärts in den Kanal fahren. Dank Zottl's Wendigkeit bekommen wir das ohne Probleme hin und fahren wieder gen Autobahn.
Eine Tankstopp mache ich später an der Tankstelle Bavois (46°40'27.9"N 6°34'13.6"E) hinter Lausanne. Auch hier gibt es eine Möglichkeit für Ver- und Entsorgung (kostenlos).

Mit gut gefülltem Tank fahre ich Neuland entgegen. Im Jura war ich noch nie. An Yverdon-les-Bains vorbei, begebe ich mich auf die Autobahn an der nördlichen Seite des Neuenburger Sees (Lac de Neuchâtel). 

Als ich auf halber Höhe des Sees bin, meint Google Maps: Zottl, fahr doch hier jetzt mal ab.

Zottl: logo, mach ich, setzt den Blinker und fährt ab. 
Ich denke: was läuft da denn jetzt......

 

Kaum von der Autobahn runter, geht es bergauf. Die Straßen werden mal wieder schmaler, ein mir entgegenkommender Tesla muss etliche Meter zurück fahren, so dass wir aneinander vorbeikommen. Danke dafür!

Irgendwann sagt Google Maps, Zottl solle an der kommenden Kreuzung geradeaus fahren. Gut, geradeaus kann Zottl....aber...äh warte...nope, nicht hier. Das da gegenüber ist eine Einbahnstraße die nicht in meine Fahrtrichtung verläuft. Zottl und ich überstimmen Google Maps grummelig und fahren recht. Warum rechts? Links war die Straße auch nicht unbedingt einladend breit. Ich solle dann doch bitte die nächste Möglichkeit links fahren....äh...neee....viiieeel zu eng. Ich glaube, es ist Zeit mal kurz zu halten und sich die weitere Navigation anzuschauen.

Glück mal wieder, kommt doch auf der Linken ein großer verlassener Platz. Dort stoppe ich und fühle Google Maps mal auf den Zahn. Google scheint wieder die "komischste" Route zum Creux du Van ausgesucht zu haben. Google Maps hat mich zu früh von der Hauptrasse unten am See in Richtung Berg abbiegen lassen. Zottl sieht das genauso. Somit: zwei gegen einen. Wir haben recht. Wir suchen via Google eine bessere Route, fahren so zur nächst größeren Straße und sind wenig später wieder richtig. Es geht bergauf auf einer normalen, zweispurigen Straße. Es geht ewig bergauf. Eine Kurve folgt der anderen, dazu ein toller Ausblick auf den im Tal ruhenden See. Oben am Berg verschwinden wir im Wald. Ich hoffe, wir sind hier noch richtig. 

Und...ups...schau sich mal einer die Vegetation hier oben an. Da ist noch alles in vollem Winterschlaf. Während im Wallis bereits alles am austreiben und teilweise blühen war, ist hier, NIX. Alles noch wie tot. Was ein paar Höhenmeter doch ausmachen. Aber es soll noch besser kommen. Je weiter ich durch die Wälder und Felder fahre, desto größer und ausgeprägter werden die Schneefelder. Und nicht nur ein wenig Schnee, teilweise liegen da noch 30 cm rum, in verwehten Bereichen noch deutlich mehr. Interessant. Kühler ist es natürlich auch geworden, nur noch 11°C. Im Tal waren es 18°C.

 

Nach gefühlt tausenden Höhenmetern und Millionen von Kurven erreiche ich den ersten Parkplatz am Creux du Van. Der ist jedoch 2 km von der Schlucht weg. Der näher gelegene Parkplatz ist noch nicht erreichbar, Zufahrtstraße teils noch mit Schnee bedeckt. Zudem, das sehen wir später, liegen sogar noch vom Sturm umgefallene Bäume auf dem Zufahrtsweg.

So stelle ich Zottl auf den letzten freien Parkplatz, mache den Motor aus und beginne zu warten. Auf was ich warte? Nun, ich bin verabredet. Mit wem? Mit Adrian. Den hatte ich ja vor 4 Tagen besucht und kennengelernt. Ebenfalls Kastenwagenfahrer. Und ebenfalls unterwegs dieses Wochenende. Er jedoch im französischen Jura. Wir hatten uns per SMS auf dem laufenden gehalten wo der jeweils andere ist und uns dann kurzfristig entschlossen, uns am Creux du Van zu treffen. Coole Sache. Er dürfte so in 30 min vor Ort sein. Das reicht um den Lapi zu starten und einen Video Upload auf Youtube zu starten. Schnell muss ich aber feststellen, dass die Upload Geschwindigkeit recht langsam ist.

Somit überlasse ich den Upload sich selbst und sehe auch schon bald, dass Adrian auf den Parkplatz rollt. Glücklicherweise findet auch er noch einen freien Platz.

Kurz darauf machen wir uns über Schneefelder und um umgestürzte Bäume herum auf den Weg gen Abrisskante. Viel bergauf und 2 km später stehen wir dort, wo ein weiterer oder falscher Schritt das Ende eines Lebens bedeuten kann. 

 

WOW, was für ein Blick. Eindrucksvoll. Und ich gestehe, so nah an der Abrisskante fühle ich mich nicht wohl und sicher. Ich habe keine Höhenangst, aber Abgründe geben mir ein ungutes Gefühl. Und das hier ist ein Abgrund der 160 m steil nach unten führt. Vor uns erstreckt sich ein breiter Talkessel mit Sicht bis auf den Bieler See und darüber hinaus. Verwunderlich, dass hier nicht permanent jemand abstürzt wenn man sieht wie nah manche sich dem Abgrund nähern, da wird mir schwindelig und ich trete lieber einen Schritt zurück nach meinen Film aufnahmen. Selbst jetzt, wo ich das schreibe, geht mein Puls nochmal etwas schneller.

Nach einer Stunde haben wir es gesehen, die Drohne steigt nicht, zu windig, ich muss hier also nochmal herkommen. 
Wir wandern über Schnee und Bäume wieder zurück zu unseren Kästen. Es ist auch langsam Zeit für die Fütterung. Hunger.
Adrian füllt seinen Omnia Ofen und ich bereite meine Maultaschen zu. Taue sie auf, mein Kühlschrank hat diese seit Mittwoch schön gefroren gehalten. Später hau ich mir noch drei Eier über die Maultaschen, schnappe meinen Teller und latsche rüber zu Adrian. Bei ihm herrscht deutlich weniger Chaos als bei mir, somit wird bei ihm gegessen. 
Wir verbringen einen schönen Abend in seinem Kasten, bei leckerem Essen, polnischem Bier und einem immer leerer werdenden Parkplatz. Zum Schluss sind nur noch vier Camper hier, die übernachten.
Gegen 23 Uhr bin auch ich reif für die Insel....äh fürs Bett. 
Feierabend. Morgen ist Sonntag. Nochmal Ausschlafen. Juhu!

 

Gute Nacht und bis morgen.

Kai

 

GPS Koordinaten:

Übernachtungsplatz bei Conthey im Wallis: 46°12'25.4"N 7°13'44.1"E

Ent- und Versorgung: 46°07'40.1"N 7°03'37.8"E

Übernachtungsplatz Creux du Van: da war ich: 46°55'20.1"N 6°41'57.4"E / da wollte ich hin: 46°56'09.8"N 6°42'56.4"E

=> zu meinen GPS Karten für Freistehplätze, Ver- und Entsorgung

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