Nordkap #12 - Das schlechte Wetter ist zurück. Eine Bootsfahrt die ist lustig...schwank....

Moin, moin....."guten" Morgen kann ich heute nicht schreiben. Es ist eigentlich nix gut an diesem Morgen in Nyksund...außer vielleicht, dass ich noch immer Urlaub habe. Aber sonst fällt es mir schwer, etwas gutes zu finden.

 

Das schlechte Wetter, welches gestern rein zog, blieb die ganze Nacht und möchte auch heute Morgen noch nicht weichen. Es stürmt wie blöd, nicht mehr ganz so heftig wie letzte Nacht, aber es reicht, dass Zottl vor sich hin wackelt.

 

Überraschenderweise deprimiert mich das Ganze nicht allzu sehr. Immerhin hat sich der Platz geleert, nur noch mein Nachbar, der Windschattenparker ist da, stört aber nicht. Also, erstmal Frühstück, Blog schreiben und locker bleiben.

Die Wellen spritzen noch immer gewaltig an die Hafenmauer. Mir ist jedoch nicht danach, durch Wind und Sturm das aus der Nähe anzuschauen. Da lass ich mich lieber durchrütteln in Zottl. 

 

Ein Frühstück später und nach der Bad-Runde geht es doch vor die Tür. Ich verstecke mich im Windschatten eines Felsbrockens. Auszuhalten. Filme ein wenig und entscheide, zu dem allein stehenden, armen Häusli rüber zu laufen. Mal schauen, wo es da noch hin geht. 

 

Der Sturm macht es mir einfach, er kommt von hinten, viel dazu tun muss ich nicht, um mich bewegt zu bekommen. Wahrscheinlich würde es reichen, immer hochzuhüpfen und mich vom Wind jeweils zwei Meter vorwärts treiben zu lassen. Naja, das mag jetzt etwas übertrieben sein, dennoch, es stürmt, ich laufe. Immerhin einen trockenen Moment erwischt. Vorerst.

 

Das kleine Häusli ist echt nett, in der Renovation, wahrscheinlich wirds mal vermietet. Wäre süß für ein paar Nächte. Leicht bergab und mit etwas weniger Wind geht es an eine Felsbucht. Nicht super spektakulär, aber nett anzuschauen und bei Sonne möglicherweise deutlich schöner. Die Berge versinken in tieffliegenden Wolken, auch sonst beherrscht die Farbe grau das Geschehen. 

Durch einsetzenden Nieselregen (danke dafür!), laufe ich zurück zu Zottl. Wird nicht das erste mal sein, dass ich heute nass werde. Hier ist auf jeden Fall heute nix mehr zu machen, Drohnenflug über das schöne Fischerdorf kann ich abhaken. Ärgerlich, aber was soll ich machen. Nicht meine Schuld, kanns auch nicht ändern, also auch nicht ärgern. 

 

Zottl wird fahrfertig gemacht, gesattelt, vom Parkplatz buchsiert ohne Fremdkontakt und los gehts, die Schotter/Schlaglochstraße zurück in die Zivilisation. Einmal lasse ich einen deutlich schnelleren Gelände Toyota vorbei, ein Camper kommt entgegen dem ich Platz mache und noch ein PKW. Für 10 km keine schlechte Quote.

 

Zurück auf Asphalt fahre ich zügig nach Myre, naja, das mit dem zügig verwerfe ich schnell wieder, als ich über die ersten Bodenwellen hüpfe. Nur weil es kein Schotter mehr ist, heißt es nicht, dass ich wieder top Straßen unter Zottls Puschen habe. 

 

Heute muss ich auf jeden Fall entsorgen. In Myre angekommen, zottl ich so durchs Dorf, links ist ne Esso Tanke, hab aber noch über halb voll und auch keine Lust zu tanken. Ich tanke meist nach dem Lustprinzip, was dazu führt, das ich meist auf den letzten Drücker tanke, denn meist hab ich keine Lust drauf.

So auch heute. Ich bin schon an der Tanke vorbei, da fällt mir ein Entsorgungsschild auf. Hab ich zwar auch keine Lust drauf, MUSS ich aber machen. Keiner hinter mir, ich hau die Bremsen rein, und biege die Nächste links ab. Das ist jedoch eine Einfahrt zu spät. Hier gibts nur Gartenmöbel. Also drehen und zurück zur Esso. Einfahrt rein, hinters Haus, voilà: Ent- und Versorgung. Coole Station, sauber und man wird alles los. Kostenpunkt: 30 NOK. Fair!

Ich mach mich also an die Arbeit. Im schönen und feinsten Nieselregen. Es gesellen sich noch nette Stuttgarter dazu, die auch kurz Grauwasser loswerden wollen, jedoch zügig weiter fahren. Als ich endlich mit allem fertig bin, geh ich auch noch tanken. Wenn mir ohnehin schon kalt ist und ich nass bin, kommts da auch nicht mehr drauf an.

 

Mit leeren und gefüllten Tanks gehts weiter über Sortland nach Melbu. Dort parke ich bei, wie schon häufig heute, Nieselregen, und gehe kurz in einen EXTRA Shop und hol mir Senf. Das erste Lebensmittel welches mir ausgeganen ist. 

Ketchup finde ich schnell. Senf? Hallo Senf??? Ist euch schon mal aufgefallen, dass es in den meisten Lebensmittelgeschäften nicht üblich ist, das Senf, Ketchup und Mayo zusammen stehen? Für mich total unverständlich, brauch ich das doch immer zusammen!

Nun, hier in wonderful Norway, steht doch der Senf direkt neben dem Ketchup. Nur bin ich zu blind das zu sehen. So drehe ich noch eine Ehrenrunde um das Regal um den Senf dann doch zu finden. Ich bin halt manchmal echt total blind.

Zwei Tafeln Schoki finden auch noch irgendwie ihren Weg in meine Hände. Erst bin ich perplex. Die Tafeln sehen nach 300 g Größe aus, sind aber viiiiiel leichter. Wiegen nur 190-200 g. Kleinere Tafeln finde ich erst gar nicht. Na dann, nehm ich halt die leichten "300 g" Dinger.

Für alles zusammen zahle ich 120 NOK und schon steh ich wieder draußen ... im Nieselregen. Toll!

      

Schnell in Zottl und ab zum Hafen. Der ist nur 100 m weiter. Erkennbar daran, dass die Straße aufhört und man sich anstellen muss. Einer steht schon da, also keine Pole Position für uns heute. Aber zweiter zu sein ist auch nicht schlecht. Bedeutet aber, ich werd hier wohl noch ein wenig warten. Heizung an. Und wieder raus in den Nieselregen, brauch ja ein Ticket. Am Fährbüro hängt ein Zettel an der Tür, Tickets auf der Fähre kaufen! Gut. Der Weg war umsonst. Also im Nieselregen zurück zu Zottl. Kamera trocknen und weglegen. Ich geh mal noch fremdpinkeln....durch den Nieselregen.

 

Auf den Toiletten erlebe ich eine Zeitreise in die 60/70er Jahrer. Alles in Schoko braun gehalten. Das Mobiliar des Wartesaals ähnlichen Baujahrs. Krass, wie da die Zeit stehen geblieben ist. Hoffentlich komme ich jetzt gleich nicht raus, und Zottl ist zu einem alten VW Bulli geschrumpft. 

Aber, Schwein gehabt. Das Zeitportal funktioniert in beide Richtungen, ich trete wieder vor die Tür und stehe im altbekannten 2018er Nieselregen. Zottl steht da auch noch rum und sieht nicht sonderlich glücklich aus. Immerhin hat er es gleich bei der Überfahrt nach Fiskeböl auf der Fähre etwas trockener.

 

Aber erstmal nehme ich auf der Rückbank platz, klappe den Laptop auf und editiere Videos. Ich bin gerade so richtig drin und im Flow auf dem Weg zum Nordkap, als ich durch ein tiefes Brummen gestört werde. Oh man, die Fähre. Schon da! Fährt mit geöffnetem Maul an den Anleger. Schnell verräume ich mein Zeug und dann gehts flott. Eine handvoll Autos fährt raus, parallel dazu kommt eine Frau, die sich dann jedoch als Mann herausstellt, und kassiert. Mich hat die Frisur verwirrt von der Seite. War dann schon deutlich ein Mann. 420 NOK per Visa Karte beglichen, hoffentlich gibts dafür auch ordentlich Wellen. Ich steuere Zottl aufs Boot.

 

Mit dem Aufzug gehts hoch in die Lounge. Das erste mal, dass ich auf einer Fähre mit dem Aufzug fahre. Die Loung wirkt neu, blaue Sitzpolster, wenig los und eine Essensstation gibts auch noch. Schön hier. Freu mich auf die Überfahrt. Fahre echt gerne Boot. Vielleicht sollt ich mal ne Kreuzfahrt....neee.....zu viele Leute.....

 

Kurz drauf verlassen wir den Hafen, kaum sind wir auf "offener" See, die Überfahrt dauert nur 30 min, beginnt es schön wellig zu werden. Die Fähre rollt sich von links nach rechts und wieder zurück. Die Wellen kommen schön von der Seite. Es schwankt ordentlich. Ab und zu erzittert das Schiff leicht wenn ein Zusammenprall mit einer Welle zu heftig ist. Ich genieße es in vollen Zügen, könnte gern noch etwas mehr sein. Bin mit meiner Investition von 420 NOK durchaus zufrieden. Hat sich gelohnt. Natürlich hätte ich auch über Land fahren können...aber Fähre ist viel spannender und abwechslungsreicher. Und das Geld? Wen interessierts....andere gehen davon zweimal ins Kino...ich fahre Boot. :)

 

Auf der anderen Seite geht es super flott vom Schiff und dann schöne Strassen entlang. Weit komme ich nicht. Ein Parkplatz stopp mich. Zeit für Mittagessen...um 15 Uhr. Die letzten Burger müssen weg.

Im Anschluss im Nieselregen noch etwas Beine vertreten. Toller Platz (68°25'01.7"N 14°50'30.9"E). In der Theorie sicher schöne Sicht auf Berge und Wasser, heute alles in Wolken und grau. Doch selbst unter diesen Umständen sieht es toll aus.

 

Von hier gehts auf der E10 weiter, es folgt wenig später ein weiterer toller Rastplatz, sogar mit Ver- und Entsorgungsmöglichkeit.

 

Exkurs:

Und erst jetzt, als ich hier sitze und den Blog schreibe, stelle ich fest, dass ich an diesem Reisetag ein ganz falsches Ziel anfuhr. Ich wollte eigentlich ganz woanders hin...gibts ja gar nicht. Ich hatte in Google Maps irgendwie ein falsches Ziel eingegeben. 

 

Hier wollte ich ursprünglich hin: 68°23'51.6"N 14°31'56.6"E

Hier bin ich jetzt und schreibe den Blog: 68°15'55.1"N 14°09'32.2"E

Ich frage mich entgeistert: wie konnte das passieren? (siehe Karte unten)

 

Daher ging auch der Übernachtungsplatz nicht auf. Im Kopf hatte ich noch jenen, wo ich ursprünglich hin wollte....aber es sah dann vor Ort alles anders aus...kein Wunder...war ich ja auch ganz woanders...ach Du sch***...ich bin ja komplett verpeilt. Da hab ich mir aber ein Ei gelegt. Naja, nicht zu ändern. Ich nehm es mit Humor und schüttel mal wieder den Kopf über mich selbst.
Exkurs Ende

 

Auf jeden Fall habe ich heute leichte Probleme, einen Schlafplatz zu finden. Oftmals verbieten Schilder wie "Camping verboten" das Übernachten. Besonders häufig sah ich die Schilder auf einem Golfplatz den ich durchfuhr in Gimsöysand. Dabei waren das perfekte Grasflächen zum campieren, schön eben, großflächig...versteh ich nicht, warum man sich nicht hinstellen durfte...haha....

 

Nachdem ich die Insel um Gimsöysand komplett umrundet habe, nix passendes finde, auch die Park4Night Plätze nix sind, fahre ich einen Platz nahe der E10 an, auch ein Park4Night Platz, der aber recht schön liegt und praktisch ist. Etwas nah an einer Nebenstraße, die ist jedoch nachts gar nicht befahren und morgens nur sehr leicht. Unter dem Strich eine gute Wahl.

 

Auch ist es schon wieder Essenszeit, ich hab nix mehr, muss kochen. Ich fahre schon seit dem letzten Einkauf in Deutschland Gemüse durch die Gegen, das wird heute Abend zu einer Art Ratatouille verarbeitet. Dazu koche ich Reisnudeln mit Ei und Schinkenwürfeln. Die Menge ist so groß, das reicht bis übermorgen. Wunderbar!

Den Rest des abends schaue ich den Wolken zu, editiere Videos und warte auf die Dunkelheit, die nicht kommt. 

 

Wünsche eine angenehme Nachtruhe, denke ich um 1 Uhr als ich auf meine Lagerstätte sinke.

 

Viele Grüsse

Kai

 

GPS Koordinaten:
Schlafplatz Nyksund: 68°59'46.9"N 15°01'15.0"E

Esso Tankstelle Myre mit Ver- und Entsorgung: 68°54'54.6"N 15°05'54.6"E

Schlafplatz abends: 68°15'55.1"N 14°09'32.2"E 

 

Meine Route heute (bin die graue Abkürzung gefahren):

 

Kommentare: 4
  • #4

    Kai (Samstag, 18 August 2018 20:49)

    Hallo Sascha,
    vollstes Verständnis. Im Sachen übersehen bin ich Meister, über die Jahre perfektioniert :)))
    Viele Grüsse
    Kai

  • #3

    Sascha (Donnerstag, 16 August 2018 19:03)

    Hallo Kai,
    Das hab ich wohl genauso übersehen, wie du den Senf;)

    Gruß
    Sascha

  • #2

    Kai (Donnerstag, 16 August 2018 15:38)

    Hallo Sascha,
    Google zeigt das falsch an. Daher schreibe ich ja auch über der Darstellung, dass ich die graue Route gefahren bin :)
    Viele Grüsse und gute Reise.
    Kai

  • #1

    Sascha (Mittwoch, 15 August 2018 17:37)

    Hi Kai,
    Hatte mich schon gewundert, wo du denn mit der Fähre gefahren bist, aber wenn du über Melbu gefahren ist, klar... Wird nur in Googlemaps dann falsch angezeigt
    Gruß Sascha