#1 Glarus - Freitstehen im Glarnerland, Plan B muss her

Hallo zusammen,

 

diesmal: Glarnerland - Auf und davon, nur das Team.

 

Kennt ihr das, ihr denkt ihr seid am Wochenende voll verplant und plötzlich stellt sich heraus, man hat sich um ein Wochenende vertan und das vor einem liegende Wochenende ist FREI und man kann tun und lassen was man will? Ihr kennt es? Gut, dann wisst ihr wie ich mich am Donnerstag, den 7. Februar, gefühlt habe. Als sich herausstelle, das Wochenende mit Diana und Kai ist erst in einer Woche.

 

Plötzlich so vor einem freien Wochenende stehend, fragte ich mich: und nun? Was machen?

Naja, ihr kennt mich, die Frage ist schnell beantwortet, zumal ich letztes Wochenende nicht unterwegs war. Wir zottln mal wieder los. Also wir, nur das TCL-Team, ohne Freunde, Verwandte oder ähnliches. Ein ruhiges Wochenende sozusagen. Gut, wäre das schon mal geklärt. Aber wohin?

 

Es ist ein Prozess und eine Sucherei, aber ich werde fündig. Ganz ohne Apps oder sonstiges, nur Google Maps war mir wie immer eine große Hilfe. Wir wollen ins Glarnerland. Dort hab ich mir ein paar Plätze zum Freistehen rausgesucht. Richtung Elm und auch bis hinter ins Linthal. Mein Favorit ist jedoch der Parkplatz der Talstation Kies. Anfahrt eng, einspurig aber im Winter offen. Wir müssen also bis Schwanden und dann die Hauptstraße verlassen. Die große Ungewissheit: wie sind die Straßenverhältnisse bis hinter in das kleine Tal. Gestreut wird sicher nicht, aber es verkehrt dort ein Bus, auch im Winter. Somit müsste es fahrbar sein…irgendwie. Die Chance, dass wir hinkommen, schätze ich dennoch nicht als sehr hoch ein, vor allem auch, weil wir bei Dunkelheit anfahren und ich dort noch nie war, die Strecke also nicht kenne. Daher suche ich auch noch nach Alternativen, eine gute finde ich ganz am Ende des Linthals, kurz vor dem Kieswerk.

 

Es wird Freitag, um 15 Uhr wäre der Wunsch, das Büro zu verlassen. Um 16:00 Uhr mache ich es wahr und haue ab. Schnell nach Hause, Zottl noch zu Ende packen, Wasser rein. Noch bei Tageslicht verlassen wir unser zu Hause und rollen kurz bergab um dann gen Rothenthurm, Schindellegi und Autobahn Richtung Chur zu fahren. Wetter ganz ok, leichter Frost. Fürs Wochenende ist leider keine Kälte angesagt, wir werden eher Tauwetter erleben.

 

Der Co-Pilot und Friedrich sind froh gestimmt, wollen gerade ein Lied anstimmen, als ich mein neustes Hörbuch starte, Ken Follett „Sturz der Titanen“. Augenblicklich herrscht Stille und alle lauschen gebannt. Nur ab und an muss ich unterbrechen für eine Videoaufnahme. Da ernte ich dann gleich immer vorwurfsvolle Blicke vom Co-Piloten. Er will dem Buch lauschen und nicht meiner Stimme!

        

     

 

Auf der Autobahn ist gut was los. Aber Stau ist keiner, wir kommen gut voran und 25 Minuten später verlassen wir den Highway auch schon wieder in Richtung Glarus. Ab ins schöne Glarnerland. Leider nix davon zu sehen. Stockdunkel mittlerweile.

Was freu ich mich auf den Sommer….lange Tage und Anfahrten bei Tageslicht. Diese frühe Dunkelheit ist echt eine Pest!

 

In Schwanden biegen wir links ab, weg von der Hauptstraße, kurz darauf rechts, nochmal links und schon fahren wir auf einer schlechter geräumten Straße. Über Tag hatten wir positive Temperaturen, jetzt herrscht leichter Frost. Die Straßen sind glatt und rutschig. Wir biegen um eine Rechtskurve, links ist ein Sägewerk oder ähnliches mit Parkplatz, die Straße steigt an und kurz darauf stehen wir. Was ist passiert?

Da steht ein blaues Schild mit Zusatz: Schneekettenpflicht bei schneebedeckter Fahrbahn. Das wäre ja noch kein Showstopper, aber: die Fahrbahn ist schneebedeckt und steil. Ich denke mal kurz nach….

 

Nur mal so zum Spaß, versuche ich, anzufahren von meiner Position. Traction+ rein, Gas, die Reifen drehen durch. Das ist Eisschnee, also kein griffiger Belag, sondern nasser Schnee, komprimiert und gefroren. No Way! Ich lasse Zottl zurück rollen, parke ihn auf dem schrägen und abwärtsführenden Parkplatz, auch hier liegt Schnee/Eis. Zottl somit erstmal aus dem Weg und aufgeräumt. Und jetzt?

 

Ich hole Christian (meine Taschenlampe), schnappe meine Canon und gehe vor die Tür. Mal die ersten paar 100 Meter erlaufen. Der Weg erweist sich als sehr rutschig und Eisig. Erst ein ganzes Stück Eisschnee, dann kommt Asphalt. Der war nass, das Wasser ist jetzt jedoch gefroren, seeeeehr rutschig. Nochmal einige Meter später wieder Eisschnee.

 

Nee, seien wir realistisch. Das wird nicht funktionieren. Auf dem Eisschnee möge es mit Ketten gehen, aber auf der vereisten Asphalt Strecke? Da finden die Ketten keinen Halt. Macht keinen Sinn, ich weiss, wann ich verloren habe, und das ist genau jetzt! Der Plan ist gestorben.

Hier müssen wir im Frühling hin wenn der Schnee weg ist. Etwas enttäuscht laufe ich zurück zu Zottl und überlege, was jetzt? Wie kann ich Friedrich und Co-Pilot bei Laune halten? Nix schlimmeres als zwei mürrische Bären im Van.

Ich entscheide, Plan B zu aktivieren: Linthal!

 

Ohne mich auf den Hosenboden zu setzen, komme ich zurück zu Zottl. Und erst da sehe ich: Ui, wir stehen aber schräg! Hoffentlich kommen wir da wieder weg. Glatt ist es auch hier, wenn ich mir da mal nicht ein Ei gelegt habe. Der Parkplatz hat ein ordentliches Gefälle. Wir müssen also bergauf.

Da stell ich mal die Kamera auf und film das.

 

Motor an, Traction+ an, Gas….gaaaanz vorsichtig…so sanft wie möglich lasse ich die Kupplung kommen. Da macht sich der automatische Hill Hold Assistent echt bezahlt. Und zu meiner großen Überraschung zieht Zottl ab als wäre nichts gewesen. Wow! Ich bin beeindruckt!

15 Minuten später biegen wir von der Hauptstraße, die bis nach Linthal führt, ab und fahren die Nebenstraße weiter. Man liegt hier viel Schnee! Sicher 1,5 m, dabei sind wir hier vielleicht 700-750 m hoch. Was so eine Tallage in den Alpen doch an Schnee anzieht.

 

Die letzten Kilometer sind nochmal mit Vorsicht zu genießen, es geht bergauf, ist rutschig und eisig und später fahren wir auf einer weissgeräumten Straße. Kommen noch an einem Hotel vorbei, und auch an einem Wanderparkplatz der zum nächtigen einladen würde. Anschließend stehen wir vor einer kleinen Brücke. Über diese rüber und dann…..hm…ja, was dann? Da liegt ne Menge Schnee rum. Überall! Ich stoppe Zottl. Schnappe mir wieder Christian und gehe mit der Kamera vor die Tür.

 

Co-Pilot und Friedrich schauen etwas ängstlich. Ist es doch stockdunkel und hier könnte es ja Wölfe oder Bären geben…aha…Bären…hier haben also Bären vor Bären Angst? Na toll…..

 

So laufe ich mal los, über die Brücke, ein Schild warnt vor Werkverkehr aus dem nahen Kieswerk…aha…kaum über der Brücke, ist klar: japp….das wird klappen. Da hat einer, rechts von der Brücke, genau ein Feld für einen Kastenwagen freigeschaufelt. Da passt Zottl rückwärts perfekt rein.  Ich laufe kurz auf den Platz, prüfe den Untergrund, fest und gefroren.

Einige Minuten später steht Zottl rückwärts drin. Passt wie angegossen. Am Wochenende ist hier hinten sicher auch niemand. Die Straße führt nur noch ins Kieswerk. Alle anderen Weg sind tief verschneit. Und im Kieswerk dürfte morgen niemand arbeiten, is ja Samstag.

 

Es geht auf 20 Uhr zu, Hunger komischerweise nicht vorhanden, aber dennoch Zeit, etwas zu essen. So mach ich mir einen Salat: 1/3 Eisbergsalat, Gurke, Essig/Öl Dressing mit Senf, dazu brate ich mir noch 400 Hünchengeschnetzeltes. Lecker!

 

Viel mehr fresse ich an diesem Abend nicht mehr aus. Aber stopp! Doch! Etwas wichtiges geschieht noch: ich packe mal wieder etwas aus.

Jeannette aus Zug, mit ihr schrieb ich schon einige Emails, wollte mir gerne etwas schicken. So gab ich ihr meine Adresse und wenige Tage später kam ein flacher Kartonumschlag. Ich musste mich schwer zusammenreissen, ihn nicht sofort zu öffnen. Denn das soll ja vor der Kamera geschehen! Also los!


Im Umschlag finde ich einen langen handschriftlichen Brief und einige Fotos. Die Historie einer leidenschaftlichen Freisteherin erstreckt sich vor meinen Augen. Wow! Ich ziehe meinen Hut. Aber es wird noch besser: denn in dem Umschlag ist noch mehr. Ich ziehe ein kleines Büchlein raus, schaue es an und freu mich riesig: ein Omnia Kochbuch!!! Ich hatte schon hin und her überlegt, ob ich mir ein solches noch zulegen soll. Es aber immer wieder beiseite geschoben. Tja, Problem gelöst. So cool!!

 

Ganz vielen Dank, liebe Jeannette!! Freue mich sehr über dieses schöne Geschenk. Vor allem ist das Büchlein schön handlich und findet sofort seinen Platz in Zottl.

 

Mit dieser Aktion beende ich meinen Tag. Ein Blick nach draußen zeigt mir noch, ich bin umgeben von ziemliche hohen Felswänden. Hoffentlich hält das alles gut!

Da ich das aber ohnehin nicht beeinflussen kann, geht es für uns irgendwann schlafen.

 

Gute Nacht und bis Morgen.

 
Kai

 

GPS Koordinaten:

Linthal: 46.878875, 8.979246

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Kommentare: 3
  • #1

    Buffy (Montag, 25 Februar 2019 11:48)

    Hallo wie finde ich bei maps
    Diese tollen Stellplätze?
    Was muss ich eingeben

  • #2

    Buffy (Montag, 25 Februar 2019 11:49)

    Einfach nur toll die berichte

  • #3

    Kai (Dienstag, 26 Februar 2019 14:03)

    Hallo Buffy,

    da hilft nur suchen! Überlegen wo Du hin willst, diesen Bereich einzoomen und so lange suchen, bis du einen Platz findest. Wanderparkplatz oder sonstige freie Flächen wo man parken könnte.
    Oder App verwenden, wie z.B. Park4Night.

    Viele Grüsse
    Kai