#2 Vom Gotthard ins Maggiatal, Luftlinie 10 km...was für eine Anfahrt!!!

Guten Morgen zusammen,

 

von knapp unterhalb des Gotthard Passes. Um halb neun erwache ich nach einer erholsamen und ruhigen Nacht auf meinem etwas abseits der Straße gelegenen Schlafplatz. Ein Blick raus sagt mir, ich bin a) noch immer alleine und b) ist das

Wetter deutlich besser als befürchtet. Gerechnet hatte ich mit üblem Nebel. Aber nix da. Die Sonne drückt schön über den Berg, es ist nur leicht bewölkt. Das motiviert...dennoch bleibe ich noch etwas unter meinem warmem Federbett liegen.

 

Erst als die Sonne dann doch tatsächlich durch das geöffnete Fenster rein scheint, werden meine Geister geweckt. Ich schnapp mir als erstes meine Kamera und laber ein paar Worte auf SD Karte. Um 9 Uhr habe ich Elan genug, mein kuschliges Bett zu verlassen. 

Der erste Gang geht zu meiner Truma Steuerung, Heizung von 17 auf 20°C. Nach dem ich Jogginghose und T-Shirt anhabe, mache ich mich an die Vorbereitung des Frühstücks. Das geht alles wie im Schlaf. Ich weiß wo alles steht, kenne jeden

Handgriff.

Wenig später steht ein dampfender Nordkap Becher mit lecker Kaffee vor mir. Auch mein Power-Brei ist fertig, diesmal sogar noch gepimpt mit braunem Zeug. Ich speise mal wieder fürstlich.

 

Während ich so vor mich hin mampfe, mache ich natürlich nützliche Dinge. Das ist der Vorteil wenn man alleine unterwegs ist. Man muss sich beim Essen nicht mit seinem Gegenüber "beschäftigen", sondern kann sinnvolle Dinge machen...okay...

das mag jetzt etwas hart ausgedrückt sein, ist aber bei mir nun mal jetzt so. :)

 

So sichere ich Daten, GoPro, Canon, Blackvue Dashcam, DJI Mavic Pro. Alles muss auf den Laptop überspielt werden. Möglichst ohne einen Fehler zu machen und aus Versehen Daten zu löschen. Zig Gigabyte wandern auf meine Festplatte. Das dauert und ich hätte sogar noch Zeit für eine Unterhaltung. Is aber keiner da zum reden. Der Co-Pilot schnarcht noch! (Anmerkung: der Co-Pilot besteht darauf, dass ich hier schreibe, dass er nicht schnarcht! Er atmet nur laut....ja genau, is klar, ne!)

 

Ein Datensicherungsfrühstück geht immer länger als eines ohne. Warum? Ich neige dazu, mir einige kopierte Szenen noch anzuschauen...da ich daran meist Spaß habe, folgt eine Szene nach der anderen...die Zeit verstreicht und es ist 11 Uhr! Uff, jetzt sollte ich aber dringend in die Gänge kommen. Ich muss ja noch weiter. Das Maggiatal ruft, der Lago del Naret ist heute das Tagesziel. Auf Google Maps ist mein jetziger Standort Luftlinie gerade mal ca. 10 km weit weg. Mit dem Auto sind es aber 2,5 -3,0 Stunden und über 150 km. Schön verrückt hier in der Schweiz!

 

Ich mache die Badrunde, zieh mich ordentlich an, organisiere alles in Zottl und gegen 12 Uhr sind wir fahrfertig. Aber hier jetzt so einfach losfahren? Nee! Die Drohne geht in die Luft und filmt das Geschehen. Zumindest die schöne Schotterstrecke bis vor zur Straße. Die Active Track Funktion tut mal wieder nicht richtig. Ich versteh es nicht! Bin ich zu blöd oder was mach ich falsch. Sie will mir einfach nicht sauber hinter herfliegen. 

 

Ich bekomme die Aufnahmen dann manuell hin, sammle an der Straße die Drohne wieder ein und Abfahrt. Über eine sehr gut ausgebaute Passstraße fahre ich ins Tessin runter. Im dritten Gang rolle ich runter. Anschließend ab auf die Autobahn, weiter bergab gen Locarno. In Locarno von der Autobahn, etwas durch die Pampa...Google führt mich mal wieder äußerst seltsam. Ich fahre schmale einspurige Strecken, eine ist sogar nur mit 2 m Breite angegeben. Egal, wird schon gehen! Ging auch!

 

Irgendwann, nach nem ewig langen Tunnel in dem Hochsommerliche 30°C herrschen, geht es rechts, Valle di Maggia (oder so) steht da. Google bestätigt und so folge ich. Die ersten Kilometer sind gut zu fahren.

Irgendwann kommt eine wilde Gruppe Enduro-Idioten. Italienische und Tessiner Kennzeichen. Alles junge Leute. Fahren wie die Bescheuerten. Überholen in Kurven, fahren direkt vor mir auf dem Hinterrad....meine GoPro filmt alles! Schön, eine Kamera an Bord zu haben und saubere Scheiben durch die wunderbar gefilmt wird.

 

Wenig später fahre ich an der Gruppe wieder vorbei. Mir schwant schon Böses. Die Penner seh ich noch ein paar mal. Und so ist es, am nächsten Steigung Stück sind sie wieder da. Das gleiche Spiel. Überholen wie die Bescheuerten auf dem Hinterrad, ohne Sicht, in Kurven, etc. Meine GoPro läuft natürlich schön mit!

Ich soll sie jetzt erst wieder deutlich später antreffen.  

       

Zottl und ich kämpfen uns weiter hoch. Vor der nächsten heftigen Steigung machen wir eine kleine Pause. Ich genehmige mir etwas Schoki und Zottl eine Cool-Down Pause. Denn Google Maps sagt, jetzt kommt gleich eine heftig steile Passage mit einer Haarnadelkurve nach der anderen. 

 

Frisch gestärkt fahren wir weiter...und die Strecke hat es in sich. Mit Zottl, 6,4 m lang, schaffe ich es mit vollem Lenkeinschlag so gerade um die Kurven. Allerdings nur mit vollem Ausholen auf der Gegenspur. Und einmal, tja, reicht es nicht. Ich muss sogar zurücksetzen.

Am Ende dieser kurbelintensiven Strecke kommt ein Dorf und da trifft mich schier der Schlag! Ich bin ja hier jetzt schon recht am Ende der Welt wieder mal. Aber was seh ich? Zottl's Bruder/Schwester in einem Unterstand an der Straße. Ich fass es schier nicht und halte an. Das muss ich filmen (siehe Video)! Der/Die sieht echt aus wie Zottl, nur dass er/sie eine Markise hat. Aber sonst 1:1. So cool!!! Ich freu mich wie ein Schneekönig. Auch Zottl grinst innerlich. Nur der Co-Pilot nimmt es regungslos. Wahrscheinlich ist er verstimmt, weil kein Bär drin sitzt.

 

Nach dieser schönen Überraschung kämpfen wir uns weiter im ersten Gang den Berg hoch. Es kommen noch einige enge Kehren. Eine Anfahrt mit mehr als 7,4 m Länge empfehle ich nicht. Dann reicht es in den meisten Kurven nicht mehr rum und man muss rangieren!

Ein Kasten ist das perfekte Fahrzeug für diese Strecke. Irgendwann steht eine Mauer vor uns. Eine Staumauer. Allerdings geht's noch mal einige Serpentinen hoch bis wir den oberen Teil der Mauer erreichen. Ach, und siehe da, die durchgeknallten Moped Fahrer sind auch hier. 

 

Ich beschließe, eine weitere Pause einzulegen. Es sind zwar nur noch 10 km bis zum Ziel, die werden sich allerdings auch noch ziehen. Kleine Pause mit Drohnenflug über den Stausee. Und schon sitz ich wieder auf und es geht weiter. Und es geht

noch gefühlt ewig. Heftig steile Passagen, kurvig, unübersichtlich, eng.

An Abhängen vorbei, wo ich besser nicht runter schaue. Denn man fährt ja bekanntlich da hin, wo man hinschaut.... Die Baumgrenze lassen wir hinter uns. Und weiter geht es hoch. Mei, mei, mei...wo enden wir hier? Hört das denn nie auf? Was mach ich hier? Ist das wirklich eine gute Idee?

Nach jeder Kurve kommt eine nächste und es geht immer weiter bergauf. Die Landschaft wird unglaublich karg. Nur noch Fels und ein wenig Gras und Flechten. Wahnsinn! Ein Traum....dass man hier noch mit dem Auto fahren darf. Hoffe ich hab kein Verbotsschild übersehen.

Die Straße bleibt geteert, wird aber sehr wellig und uns schüttelt es gut durch. Wir kommen aus dem Staunen nicht raus und schrauben uns immer noch weiter in die Höhe. Immerhin kein Schotter! Und dann...die nächste Staumauer. Das muss jene 

sein, die zu meinem See gehören müsste wo ich nächtigen will. Nochmal geht's übel um die Kurven und an Felswänden vorbei. Bis ich endlich oben bin. Jetzt noch über die Staumauer, hoffen wir, dass sie hält...oh...was für ein toller Straßenbelag...fast Autobahnniveau! 

Dafür wird's danach übel. Ein Schotterweg wäre nett ausgedrückt, es ist eine Art Lehmweg mit großen Steinen, Schlaglöchern in denen man fast verschwinden kann. Links Felswand, recht kleiner Abgrund und dann See. Hilft nix Zottl, da müssen wir jetzt auch noch durch. Im Schritttempo kämpfen wir uns um Steine und Schlaglöcher. Zottl schwankt vor sich in, der Co-Pilot fühlt sich wie auf'm Schiff und ich versuche einfach, Zottl nicht zu beschädigen. 

 

Nach einer gefühlten Ewigkeit, sind wir endlich da. Aber nicht alleine. Ein Van steht dort und ein Auto und weiter oben am Berg sehe ich ein Auto mit Wohnwagen!!! Egal, hatte nicht erwartet hier alleine zu sein. Auf der erstbesten Fläche 

parke ich Zottl, steige aus und atme durch. Was für eine Anfahrt!!! 

@Jens von Vanamericana: hier sollten wir mal zusammen hin und per Drohne die Fahrt filmen, ein Lagerfeuer machen und Schnaps trinken...hahahah!

 

Es ist gegen 16 Uhr. Die Sonne scheint, windstill und angenehm warm. Was mach ich jetzt? Videos editieren? Nix? Ausruhen?
Nichts von alldem:

Ich schnappe mir Kamera und Jacke und latsche los. Am See entlang und stelle fest, das 100 m weiter noch ein besserer Platz ist zum Parken. Der Weg ist zwar nicht sooo gut, aber fahrbar. Ich beschließe, Zottl nachher umzuparken. Jetzt allerdings

erstmal weiter bergauf. Ich laufe zum Lago Nero. Kleiner schwarzer See irgendwo am Arsch der Welt. Was für eine Landschaft. Und die Sonne scheint. Kein Regen, nur ein paar harmlose Wolken. Jackpot Wetter. Tolles Licht fürs Filmen und Fotos.

 

Einen Nachteil hat die Ecke in der ich mich gerade aufhalte: kein Netz! Nix! Nüd! Nothing! Auch gut zureden hilft nicht. Ich bin offline, aber sowas von! Kein Instagram, kein Facebook, kein YouTube, kein Internet. NIX! (Sunrise)

Tja, so ist das halt wenn man abseits der normalen Pfade unterwegs ist. Gibt schlimmeres! Blöd wäre, wenn meine Dieselheizung aussteigen würde! Aber die macht einen Traumjob. Auch hier, auf geschätzten 2.300 Metern. Kein Problem! Läuft wie ne eins.

 

Den Lago Nero erreiche ich, einen wirklichen Wanderweg gibt's irgendwie nicht. Ich laufe Querfeldein und folge den Wanderweg Markierungen die alle paar hundert Meter auf Steine gemalt sind. Jetzt bitte keinen überraschenden Bergnebel...dann wäre ich verloren. Denn viel zum orientieren ist hier oben nicht mehr. 

Aber nix dergleichen passiert. Ich finde durch die karge Landschaft gut hin und zurück. Wieder bei Zottl, parke ich kurz um. Alles funktioniert wie geplant, kein Fremd- oder Bodenkontakt. Ich liebe es, wenn ein Plan funktioniert! :) Weiß hier noch jemand, wer das immer gesagt hat???

 

Nach der Wanderung ist mir nach einer heißen Dusche, also mache ich das Bad klar, heize Wasser mit der Boost Funktion auf und hab nach 20 Minuten eine herrlich heiße Dusche. Fantastisch! Und was jetzt? Wäre mal wieder an der Zeit was zu essen. 

Das Wetter ist weiter gut. Somit? Genau! Grill raus, anschließen. Würstchen drauf. Kurz ne Zucchini schneiden, in Öl wälzen und auf den Grill. Vor herrlicher Kulisse brutzelt mein Futter auf dem Grill und ich denke mal wieder: ich hätte mir 

schön viel früher einen Kasten zulegen sollen! Ich komme damit an Orte, die ich sonst im Leben nie gesehen hätte. Ich liebe diese Freiheit, irgendwo hin zu fahren und zu bleiben. Und alles dabei zu haben!

 

Jetzt sitz ich hier, 21:30 Uhr. Das Abendessen ist durch, ein Video geschnitten. Ich kann es aber nicht rendern weil mir noch Informationen fehlen. Die müsste ich aber googeln. Aber ich hab ja kein Internet...verdammt. So schreib ich halt

bei Musik diesen Blog. Hörbuch hören ist nämlich auch nicht, das wird gestreamt. Hatte vergessen, es mir aufs Handy zu laden.

 

Somit beschließe ich den Tag jetzt hier. Alt werd ich heute nicht mehr. Bin jetzt schon die ganze Zeit am gähnen.

 

Ich wünsche eine Gute Nacht und freue mich auf morgen.

Viele Grüsse

 

Kai

 

GPS Koordinaten:
morgens: siehe Blog vom Vortag

Schlafplatz am Lago del Naret: 46.473589, 8.565307
Alternative Plätze, aber schwerer zu erreichen: 46.471921, 8.564105 / 46.474302, 8.559127 / 46.476822, 8.575452

  

 

       

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