#16 Schottland Tour 2019 - Ab auf die äußeren Hebriden

Guten Morgen zusammen,

 

17. Juni 2019, Montag, 4:00 Uhr. Was daran gut ist, weiss ich auch nicht so genau, aber der Wecker klingelt und ich bin sofort wach. Uff, was für eine miese Nacht. Nicht nur, dass sie sehr kurz war, auch noch  mies geschlafen. Zig mal wach geworden, gefühlt nie so richtig in Tiefschlaf gefunden. Unterschwellig hatte ich wohl bedenken, ich verpenne. 

 

Dann mal raus aus den Federn, kurz durchs Bad, anziehen und ab auf den Fahrersitz...warten...und im Cockpit sitzen heute auch kein Co-Pilot und Friedrich. Die haben beide ihren gewerkschaftlichen freien Tag. Ich konnte sie ja überzeugen, am Wochenende zu arbeiten und heute Montag frei zu nehmen. Das hat mich zwar ne Stange Milch mit Honig gekostet, aber das wars mir wert. 

Und als sie zudem hörten, dass es Montag früh los geht...war die Sache schnell für alle klar. Montag: frei!

 

So sitzt nun also wieder die wundervoll flauschige Vertretung neben mir: Flauschy. Sie war ja letzte Woche schon mal als Beifahrbär dabei. So einmal die Woche, meint sie, kann sie schon einspringen. Mehr is aber nicht drin. Gut, wir haben einen Deal!

 

So sitzen nun also Flauschy und ich im Cockpit, schauen dem Regen zu, versuchen das graue Wetter zu ignorieren und hoffen, dass es sich im Laufe des Tages bessert. Wir haben ja noch ein paar Stunden vor uns. Was wir hier so früh machen? Wir warten auf die Fähre die von Uig nach Tabert auf Harris (äußere Hebriden) fährt.

 

Um 5 Uhr kommt Bewegung in die Reihen. Ein Kontrolleur kommt, checkt unser Ticket, ich Depp geb ihm erst das Falsche für die zweite Schiffspassage nach Oban. Ja, sowas kann ich. Er merkts sofort...scheint schon wacher zu sein als ich der freundliche Herr.

 

Wenig später lassen wir den Motor von Zottl an und rollen auf das Schiff. Keine wirklich große Fähre, nicht voll ausgebucht, eigentlich recht wenig los heute Morgen...naja, wen wunderts. Welcher Volldepp will schon um 5.30 Uhr morgens freiwillig auf ner Fähre sein? Da liegt man doch viel lieber noch im warmen kuscheligen Zottl-Bett.

 

Die Auffahrt aufs Boot ist problemlos. Keine Rampe, es geht ebenerdig auf das schwimmende Etwas. Um die 2 Stunden Überfahrt nicht dumm rumzusitzen, nehme ich meinen Laptop mit, so kann ich noch etwas arbeiten, also Blog schreiben. Zum Video editieren bin ich noch zu müde.

 

Im oberen Bereich erscheint das Schiff größer als unten. Viel Platz, viele Sitzgelegenheiten, ein Speisebereich und eine handvoll Arbeitsplätze. Ich setz  mich in den Speisebereich, Lapi auf den Tisch, los gehts.

Wir legen ab, zu filmen gibt es nicht viel ausser Regen und 10°C. Ich könnte das jetzt draußen filmen, aber morgens um vor 6 Uhr schon nass werden? Nee Leute, das geht mal gar nicht. Ich bleibe genau hier sitzen und bewege mich keinen Millimeter. Auch wenn der Co-Pilot später sicher mault, dass es keine ordentlichen Videoaufnahmen gibt. Mir wurscht! Friedrich wirds verstehen.

 

So schreibe ich Blog, versuche den vorletzten Tag nochmal in den Kopf zu bekommen...gar nicht so einfach so früh am morgen. Ne Stunde später ist der Text in der Rohfassung fertig. Korrekturlesen erfolgt erst zu Hause kurz vor Veröffentlichung.

So dann mach ich mich auch gleich an den Blog von gestern. Wir schippern noch immer über das sanfte Meer, noch nicht mal Wellen heute...nix. Völlig langweilig. 

 

Halb fertig bekomme ich den Blog, als das Schiff plötzlich ziemlich Schlagseite bekommt...wow...wasn jetzt los. Entweder sinken wir....oder...der Kapitän hatte keine Lust zu bremsen und jagt mit Vollgas um eine langgezogene Kurve...der Knaller. Hoffe, er ist nüchtern. Da wir in den nächsten 15 Minuten jedoch nicht sinken, war es wohl tatsächlich nur eine schnell geschipperte Kurve. Puh...Glück gehabt. 

 

Laut meinem GPS auf'm Handy dürften wir in Kürze anlegen...japp, schon kommt der Aufruf, wir dürfen zu den Autos. Schwupps, sitz ich wieder in Zottl...brrr....kalt und müde. Ich überlege, ob ich mich  nachher nochmal ins Bett werfe. Verschiebe die Entscheidung jedoch auf später. 

 

10 Minuten später verlassen wir die Fähre, sind in Tabert angekommen, fahren an der noch geschlossenen Destillerie vorbei gen Isle of Scalpay. Allerdings kommt vorher noch ein Wanderparkplatz. Der lädt zum stoppen und frühstücken ein. Parken, frühstück machen, essen, dem Regen zu schauen. 

Nein, ich leg mich auch nicht mehr hin. Auch wenn ich das könnte...aber wir haben noch einiges vor heute. 

 

Nach einer ausgiebigen Pause, rollen wir gegen 9 Uhr weiter. Die Insel erwacht so langsam. Der Verkehr nimmt zu. Über schmale Sträßchen fahren wir auf die Isle of Scalpay bis wir an einen kleinen Parkplatz kommen, ca. 5 Parkplätze, Zottl passt so gerade drauf. Wer länger als 6,4 m ist, sollte hier nicht zu parken versuchen. Das Fahrzeug ragt dann sehr in die einspurige Straße raus und blockiert sie.

 

Juhu...Leuchtturm anschauen gehen...Eilean Glas Lighthouse...Rucksack packen und los gehts. Flauschy hält die Stellung, macht das heute schon sehr souverän. 

Zuerst bergan, später auf gutem Weg ein kleines Auf- und Ab. Nix wildes. Ein Spaziergang. Bei mittlerweile trockenem und teils sonnigem Wetter. 

 

2.1 Km sind es bis zum Leuchtturm, der starke Wind lässt es etwas länger erscheinen. Doch irgendwann steh ich vor ihm. Rot-weiss...ein Leuchtturm wie im Bilderbuch. Komplett verlassen, es lebt niemand hier. Der Turm und ein Nebengebäude gehören der Betreibergesellschaft der Leuchttürme, gesteuert wird er von Edinburgh.

Alle anderen Gebäude sind verlassen und am verfallen. Hier und da kann man Blicke in die Gebäude werfen, sieht alte Möbel, Müll und Dreck. Aber auch Aufbauarbeit, ein Verein kümmert sich um den Erhalt der Gebäude und deren Restauration. Mir scheint jedoch, es mangelt ihnen an Geld. An verschiedenen Stellen hängen Notizzettel die um Spenden für den Erhalt bitten. 

 

Ich strolche um die Gebäude rum, sehr einsam und verlassen, ein wenig  geheimnisvoll und überall Schafe. Wenn gleich ein Mörder vor mir stünde, ich wäre nicht überrascht. Ein guter Platz für sowas. Abgelegen, nicht mit dem Auto erreichbar, das Meer direkt vor der Nase. Tolle Aussicht übrigens! 

 

So gehe ich auf Entdeckungstour, erkunde alles, schleiche um die Gebäude als wäre ich der Mördern...haha...ich hoffe nur, sie bekommen die Restauration der Gebäude hin. So ein schöner flecken Erde.

Im unteren Bereich der Gebäude finde ich zwei offene Tür und schaue rein, erkenne einen Billardtisch und im weiteren Hintergrund einen Flipperkasten oder sowas in der Art.

 

Am Eingang des Leuchtturm Areals findet sich auf der linken Seite noch ein kleines Häuschen, ein Aufenthalts- und Schutzraum mit weiteren Erklärungen zum Leuchtturm. Falls mal ein Regenschauer aufzieht und überrascht, kann man hier Schutz Suchen. Heute nicht notwendig. 

 

Nach einer Stunde Erkundungstour, laufe ich zurück zu Zottl. Eine ganze Weile trabt ein Schaf vor mir her und begleitet mich dabei. Doch bis mit in Zottl will es dann doch nicht.

 

 

             

Vom Wind verweht erreiche ich Zottl. Setze mich rein und schnaufe erstmal durch. What's next, frage ich Flauschy. Sie deutet auf das Handy...aha...stimmt...schauen wir mal rein. Nach den über 4 km laufen ist es nun an der Zeit, zu fahren. Und zwar einige Meilen bis ans Ende von Lewis...also zum Butt of Lewis. Ein weiterer Leuchtturm am nördlichsten Punkt der Hebriden. Und auf nördlichste Punkte steh ich ja!

 

Abflug...nach Tabert geht es in die Berge...wow, was für eine Stein- und Felslandschaft. Altes Lavagestein, gewaltig, ja fast bedrohlich bei dem Wetter. Es regnet immer mal wieder, windet stark und hier und da kommt kurz die Sonne durch. Die Strecke im südlichen Teil ist von Bergen geprägt, gen Norden wird es flacher und weitläufiger. Straßen ohne Kurven, es geht ewig geradeaus. Hilfreich, wenn man mal schnell ein paar Meilen machen will. Wir jagen über die Piste, Zottl fliegt praktisch dahin.

 

1 1/2 Stunden später sind wir am nördlichsten Punkt. Zwischendurch hatte ich noch einen Essensstop in den Bergen gemacht. Reste von Gestern mussten noch vernichtet werden.

 

An diesem Leuchtturm ist deutlich mehr los. Ich parke Zottl quasi direkt unter dem Leuchtturm. Ein typischer Touriort, leicht zu erreichen, schnell hin, Fotos und wieder weg.

Ich bleibe etwas länger, umkreise das Leuchtturmgelände. Der Turm ist noch in Betrieb, das Gelände kann nicht betreten werden. Das Wetter hält, nur in der Ferne ziehen Regenschauer vorbei. Über dem Meer ist blauer Himmel. Wir genau in der Mitte von beidem. Die grauen Wolken im Hintergrund bilden eine gute Kulisse für Fotos. 

Die Drohne bleibt in Zottl, zu starker Sturm, zu viele brütende Vögel auf den Felsen vor dem Leuchtturm. Die würden wohl durchdrehen wenn ich hier den Aufklärer in die Luft stelle. 

 

Somit fahre ich ohne Flug 1,5 Meilen weiter, wo ein Strand wartet. Große Dünen kündigen großes an. Und in der Tat ist es ein geniales Teil von Strand. Breit, sauber, gold gelber Sand, Wellen...wow...hier klappt es auch mit der Drohne.

Allerdings sind da drei Vögel anfangs nichts so einverstanden und beginnen, der Drohne hinterher zu jagen. Ich stelle bei meiner Mavic Pro dann mal kurz den Sport Modus an und hänge damit jeden Vogel ab. So schnell und wendig wie die Drohne in diesem Modus ist, da muss schon ein anderer Vogel kommen. Wichtig ist, nicht sinken sondern steigen. Denn das kann die Drohne deutlich besser als ein Vogel. 

Kurz darauf ziehen die Vögel ab und ich kann normal weiter fliegen, meine Filmarbeit machen und 15 Minuten später wieder ohne Vogelproblem landen.

 

Jetzt heisst es, noch ein paar Meilen wieder zurück gen Tabert fahren. Wir jagen der Westküste entlang, flache Strecke, viele lange geraden, zweispurig. Toll zu fahren. Straße in gutem Zustand. Bis....ich plötzlich links ein Schild sehe, Standing Stone....oh...stop....zack, schon vorbei. Co-Pilot grummelt, Friedrich kichert...Kai schimpft. Doch wir können kurz darauf stoppen und drehen und keine paar Minuten später, biege ich  in Richtung des Standing Stones ab. Keine Meile später stehe ich davor. Ein großer hoher Stein, senkrecht gen Himmel in den Boden gerammt. Soll einer der größten alleinstehenden Europas sein (???). Und der steht hier einfach so rum...keine 100 m von einem Wohnhaus weg. Schon irgendwie schräg. Über einen matschigen Wiesenweg erreiche ich den Stein und seinen kleinen Kollegen, 5 Minuten später sitze ich wieder in Zottl und wir rauschen weiter. 

 

Wir kommen bis Siabost Bho Dheas. Biegen von der Hauptstraße ab, fahren bis runter ans Meer und machen an einem kleinen Picknickplatz halt. Unser Schlafplatz für heute Nacht. Außer ein paar Strandspaziergängern kommt hier heute auch niemand mehr vorbei. Wir haben unseren Frieden und Ruhe. 

 

Da ich noch Elan habe, wird gekocht. Ich wollte schon immer mal eine Suppe in Zottl machen. Somit: Kartotte, Kartoffel, Zucchinis schnibbeln, alles in den Topf (die Zucchinis nicht von Anfang an), Wasser dazu, Würstli, Gemüsebrühepulver und im Anschluss kochen lassen bis alles durch ist. 

Parallel koche ich Reisnudeln, die später zusammen mit der Suppe in meine Futterschüssel kommen. Und zu meiner Überraschung, schmeckt das Ensemble sogar. Selbst die Frankfurter aus dem Glas kann man dazu gut essen. 

 

Den Rest des abends verbringe ich am Laptop, höre dem Regen zu der irgendwann einsetzt und um Mitternacht ist Feierabend für die Mannschaft und wir legen uns in unsere Kajüte. Naja, zwei liegen da ja schon den ganzen Tag. Aber nun kommen noch Flauschy und ich dazu. 

 

Mal schauen was uns morgen erwartet....und zack..weg...

 

Viele Grüsse und gute Nacht.

 

Kai und die Fellfüsse

 

 

GPS:

Schlafplatz Uig Hafen: 57.586818, -6.376522

Abends bei Siabost Bho Dheas: 58.330810, -6.694233

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