Zottl verliert Wasser, die Pläne ändern sich

(Anmerkung: Bilder folgen heute Abend noch)

Da bin ich wieder. Ausgeruht und erholt, auf über 2.000 Meter. Meine Dieselheizung (ohne Höhenkit) hat wieder mal gut gearbeitet, ich bin nicht erfroren. Draußen liegen einstellige Temperaturen an. Innen kuschlig warm. Die Nacht verlief freistehend ohne jegliche Störung.

Der Blick nach draußen ist zwiespältige. Schaue ich durch das hintere Dachfenster, sehe ich Wolken und grau. Schaue ich durch das Vordere, sehe ich blaueren Himmel und Sonne. Interessant!

Ein Blick auf das Regenradar zeigt, im Norden und Westen Regen, im Süden sonnig. So frage ich mich: wo geht’s als nächstes hin? Den Simplon runter nach Italien in die Sonne und den Stau der über das verlängerte Woende herrscht. Oder erst noch etwas hier bleiben, und dem schlechten Wetter die Stirn bieten und auf Besserung morgen hoffen. Hm….nicht so einfach…ich glaube….ich frühstücke erstmal. Wichtige Entscheidungen auf leeren Magen…nicht gut.

 

Nach dem Frühstück bin ich zwar satt, aber noch immer nicht schlauer. Gut, mit Level 41 kann man da auch nicht mehr viel erwarten, aber dennoch, müsste ich jetzt so langsam mal überlegen, wies weiter geht. Der Stau nach Italien rüber ist noch immer. Auf Stau kein Bock, dann lieber etwas schlechteres Wetter. Zudem hätte ich wohl auch wieder Stau, wenn ich Samstag oder Sonntag wieder zurück fahre. Somit ist alles klar. Ich fahre von hier Richtung Norden, zurück runter ins Wallis.

Zottl wird fahrfertig gemacht. Wie immer springt er fröhlich an und Dieselt los. Ich drehe vorsichtig auf dem welligen Platz und fahre über den Pass wieder ins Tal. Nach 800 Höhenmetern, mache ich noch einen Stopp an der Ganterbrücke. Möchte mir die Neue wie die Alte anschauen. Per Einbahnstraße kommt man dort hin, das ist super, keine Gefahr von Gegenverkehr. Nach 500 m stutze ich…und glaube ich steh im Wald. Soll das hier ein Scherz sein? Warum steht da jetzt ein Schild, welches die Einfahrt verbietet? Ich darf hier nicht weiter?!! Wie soll ich denn hier drehen? Sind die eigentlich noch ganz sauber? Warum stellen die das Schild nicht an den Anfang der Straße? Was denken die eigentlich wenn sie ihre Beschilderung machen? All dies geht mir so durch den Kopf als ich anhalte, aussteige, das Schild berühre um zu schauen ob es wirklich da steht oder es eine Einbildung oder Halluzination ist. 

Und jetzt? Drehen hier, geht nicht. Müsste sicher 200 m zurücksetzen um zu drehen. So ein Sch****.  Aber egal. Jetzt bin ich schon hier, ich lass Zottl hier einfach stehen und laufe bis zur Brücke. Schade hab ich kein Bike dabei.

Ich packe Drohne und Kamera ein und latsche los. Bis zur neuen Ganterbrücke. Sieh eindrücklich aus das Teil. Die alte Brücke ist deutlich weiter hinten im Tal. So weit laufen? Echt jetzt? Hm…das machen wir anders. Sightseeing für Faule.

Ich packe meine DJI Mavic Pro aus, bringe sie in die Luft und fliege einfach zur Brücke. Die Drohne ist eine ganze Weile unterwegs, ich sehe sie natürlich die ganze Zeit, hab ja Adleraugen. So bekomme ich die Brücke schön aufs Bild und sehe auch, dass mein Plan aufgegangen wäre. Hatte vor gehabt, hier evtl. nochmal eine Nacht frei zustehen. Nun denn, war nix. Aber immerhin einen top Drohnenflug hingelegt. Alles ohne Probleme….die nächsten Flüge sollten nicht ganz so reibungslos laufen. 

Ich laufe zurück zu Zottl. Der steht mit verträumten Augen am Straßenrand, wahrscheinlich träumt er gerade davon, immer solche tollen Brücken zu befahren. Ich laufe an ihm vorbei, will die Lage checken, wie ich nun zurücksetze und dreh. Besser vorher schauen als nachher zum Karosserie Fachman.

Auf Höhe von Zottl, streift mein Blick den Boden unter Zottl. Ich stutze. Warum ist es da nass? Hab doch alle Tanks geschlossen. Wo kommt das Wasser her? Ein Blick unter Zottl zeigt wo es her tropft. Aus einem transparenten Schlauch fließt Schubweise immer etwas Wasser.

 

Wie ich später lerne, gehört der Schlauch zum Truma Boiler. Ist der Schlauch zum Sicherheitsventil. Dieser lässt Wasser ab, wenn das System zu viel Druck im inneren hat. So zumindest verstehe ich die Bedienungsanleitung. Was tun? So verliere ich im dümmsten Fall noch alles Wasser… Ein blödes Gefühl. 

       

Ich lasse „Warmwasser“ aus dem Wasserhahn, keine Änderung. Nebenbei erwähnt sei, der Boiler ist aus, die Heizung auch. Was nun? Ich könnte über das Frostschutzventil Wasser ablassen. Evt. verbessert das den Druck im Behälter. Ventil öffnen, 10 s offen, Wasser plätschert raus, wieder schließen.

Wie siehts aus unter Zottl? Logisch, die Wasserlache ist größer, aber, nach einer Minute Beobachtung stelle ich fest: es tropft nicht mehr! Gebannt schaue ich nun 10 Minuten auf den Schlauch, kommt nix mehr raus. Problem gelöst?

Aber woher kam es? Haben sich durch den Abstieg vom Simplon auch die Druckverhältnisse im Boiler verändert? Kann das der Grund sein? Ich nehme es mal an.

Ich packe zusammen, alle Bedienungsanleitungen werden wieder verräumt. Jetzt: Konzentration aufs rückwärts fahren.

 

Einige Minuten später steht Zottl gedreht auf der Straße. Der Karosserie Fachman wird keine Arbeit bekommen, lief alles wie geplant, ohne Fremdkontakt.

 

Weiter geht’s, nochmal einige Höhenmeter bergab. Im Tal angekommen, prüfe ich nochmals ob es wieder tropft. Nein. Alles trocken. Gut.

Zurück auf die Autobahn, eigentlich will ich noch bis ins Jura. Es geht jedoch schon auf 16 Uhr zu und eigentlich würde ich gerne noch im Wallis einen Stopp machen. Nochmal in den Weinbergen schlafen.

Ich halte nochmals. Suche die Gegend um Sitten/Sion auf Google Maps ab und werde fündig. Sogar mit Alternative falls der erste Platz nicht funktioniert.

Ich verlasse die Autobahn, fahre die nächste Ausfahrt raus. Anschließend einmal kurz verfahren, wie immer. Drehen. Als ich wieder richtig bin, geht’s nur noch bergauf. Die Straßen werden schmaler, irgendwann ist 2,3 m als max. Breite und 6 Tonnen angegeben. Wo fahr ich nur wieder hin, geht mir so durch den Kopf. Kurven, Dörfer, Weinberge, Wald. Alles dabei auf der Strecke.

Irgendwann geht’s aus dem Wald raus, ein Weinberg und mein Übernachtungsplatz tauchen auf…und ist nix. Nicht befahrbar. Das ist kein Schotterplatz sondern ein privater Platz der zu einer Weinkellerei gehört. Das war nix. Was ein Glück hab ich noch eine Alternative. Der liegt etwas tiefer, in der übernächsten 180° Kehre.

Als ich dort eintreffe, sieht es gut aus. Gut geschottert. Große genug. Rückwärts rein wäre möglich. Und noch genug Platz um vorbei zu kommen. Hier bleibe ich.

Das Wetter ist nicht so der Knaller, bewölkt aber immer hin trocken. Windig. Und eher kühl. Ich beschließe, den Grill aus zu lassen. Stattdessen bearbeite ich eine Weile Videos und mache mich später ans Kochen. Hühnchenbrustfilet mit Karotten und Zwiebeln. Eigentlich auch Bratkartoffeln…aber dann doch nicht. Kein Topf mehr frei und die Menge Fleisch und Karotten ist ausreichend. Außerdem, Kohlehydrate abends ist ja eh nicht so der Bringer.

 

Den Rest des Abends verbringe ich mit Daten sichern und Video schneiden. Die Faulheit von gestern Abend rächt sich heute. Zudem beginne ich den gestrigen Tag zu schneiden. Um kurz vor eins ist Ende Gelände. Müde und mein Hirn ruft nach meinem Bett. Matratzenhorchdienst steht an.

 

Wünsche eine gute Nacht und freue mich auf morgen. Vielleicht ist ja das Wetter etwas besser.

 

Viele Grüsse

 

Kai

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