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#290 - Tessin, Val Pontirone - Vom Tal auf den Berg, am Schotterlimit

Moin,

 

herzlich Willkommen zurück im Val Pontirone, fälschlicherweise bezeichne ich es auch gerne als Val Malvaglia. Tja, bin halt ein Geographie Depp und meine beiden redaktionellen Mitarbeite sind Bananen. 

 

Ist es nicht toll, morgens irgendwo in einem Tal aufzuwachen und keine Angst haben zu müssen? Grandios oder? 

 

Angst vor was, fragt ihr euch? Naja, vor meiner Wolke! Ich bin mir sicher, sie ist nicht hier und so öffne ich völlig unbeschwert die Verdunkelung meines Lieblingsdachfensters und schaue raus. Was sehen meine  noch etwas müden Augen? Himmel! Blauen Himmel! Ich könnte schreien vor Freude....darf ich aber nicht, sonst wird der Co-Pilot stinkig und Friedrich bekommt n Watteinfarkt. Somit freue ich mich im Stillen, recke die Faust nach oben und rufe innerlich: YES!!!

Mit einem Auge sehe ich, wie mich der Co-Pilot anfunkelt...ups...hab ich Zottl zum Wackeln gebrach? Sorry...schlaf einfach weiter! Macht er prompt.

 

Ich für meinen Teil stehe auf, anziehen, Badrunde, raus. Die Vans stehen im Schatten, angenehm frisch ist es. Doch über Tag wird es heute heiß. Immerhin ist noch September, da knallt der Stern noch gut runter. Thomas treffe ich in seinem Van an, seine Waffe in Form eines IO Hawk Legend steht vor der Tür. Gerade repariert, er hatte den ersten Motor verheizt an einem üblen Bergaufstück. 
Die anderen Nachbarn, Susanna und Thomas, sind bereits mit den eBikes weg. Erkunden die Strecke hinter der Brücke, wo es schön bergauf geht. 

 

Da weder Thomas noch ich Hunger verspüren, das Abendessen war ja recht üppig, beschließen wir, auch ne Runde zu drehen. Driveman Offroad vor die Tür uns los. Naja, soooo schnell gehts dann doch nicht. Ich brauch immer ne Weile! Kameras zusammensuchen, umziehen, Driveman aus dem Keller wuchten, Kamera check, Rucksack, Wasser, Geldbeutel...

Aber irgendwann hab ich alles zusammen, spreche noch eine Ermahnung an meine zwei Mitreisenden aus, schließe ab und wir ziehen los.


Erstmal über die Brücke, dann auf Asphalt bergauf. Angenehm zu fahren...bis...äh...ja...der Asphalt nach 200 m plötzlich aufhört und wir auf einer gefühlt alten Römerstraße fahren. Ganz übles Pflaster, völlig uneben, Schlaglöcher, bergauf, durch lichten Wald. Uff....das wird anstrengend...für uns und die Scooter. In den Kurven, die immer mal in Serpentinenform kommen, ist der Belag super asphaltiert, kommt man aus der Kurve raus...Römerstraße. Alter Römer...trotz guter Federung des Driveman Offroad schüttelt es mich gut durch. Das Bild bei Thomas nicht anders.

 

Nach einigen Höhenmetern und Kurven checkt Thomas mal die Temperatur seines Heckmotors. Ergebnis: Heiß! Bei  mir...lauwarm hinten, vorne ziemlich unbeeindruckt. 
Wir fahren weiter...bergauf...Römerstraße...bis Thomas' IO Hawk Legend plötzlich vom Motor her komische Geräusche macht. Die kommen mir sofort bekannt vor von meinem IO Hawk Exit-Cross. Der Legend steht kurz vor dem Motor Tod! Stop! Bloß nicht weiter entscheiden wir.

Der Driveman könnte zwar ohne Probleme weiter, keine kritische Temperatur, aber ich hab kein Bock mehr. Die Straße ist echt scheiße und so macht mir das keinen Spaß. Wir drehen also um, rollen bergab und sind kurz darauf wieder, gut durchgeschüttelt, bei den Vans.

Thomas fährt seinen IO Hawk kühl, der Motor scheint überlebt zu haben, ich verräume all mein Equipment wieder. 

 

 

                 

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Wenig später erscheinen auch Susanne und Thomas wieder. Sie waren oben auf über 2.000m. Ja, mit großen Reifen sind solche Strecken angenehmer zu fahren als mit kleinen. Und jetzt?


Frühstück! Haben wir uns verdient. Doch bis es soweit ist, lasse ich noch kurz die Drohne hoch. Wundere mich dabei, dass sie sich heute irgendwie komisch verhält. Verzögert reagiert auf meine Aufnahme Start und Stopp Befehle. Spinnt sie jetzt? Kaputt? Immerhin schon über drei Jahre alt...

Erst nach dem Flug checke ich, was Sache ist: Ich Depp hatte keine SD Karte in die Drohne eingelegt. So mussten alle Daten auf dem Handy gespeichert werden, also von Drohne aufs Handy transferiert werden, während des Flugs. Das hat wohl das Handy oder die Drohne überlastet.... 

Und wie ich später feststelle, wurden die Daten auch nicht in 4K sondern in deutlich geringerer Auflösung gespeichert. Mist verdammter!

 

Naja, Hunger, Frühstück!

 

Nach dem Frühstück...uff...ganz schön warm. Wir sitzen plötzlich in der Sonne. Zeit umzuziehen. Wir suchen uns Schatten bei Thomas und Susanna vor dem Van und genießen dort den Frühstücksnachtisch...Johannisbärkuchen.... 

 

Nach dem Essen, es geht schon deutlich auf 13 Uhr  zu, ist vor der Abfahrt. Doch erstmal kommt noch Besuch. Christoph, der in Malvaglia eine Ferienwohnung/Ferienhaus (?) hat, kommt uns noch spontan von dort besuchen. Bringt noch n 12er Pack Bier, Kuchen, Knabberzeug und ne Melone mit. Das  ist mal ne Überraschung. Lieben Dank für die schöne Überraschung!

Nur zu gerne hätte ich noch Kaffee und Kuchen angeboten, doch müssen wir los. Unsere Entscheidung für die neue Location steht, das sind noch ein paar Stunden fahrt und wir wollen bei Tageslicht ankommen. 

 

Somit machen wir uns auf den Weg. Ich pappe noch meine Insta 360 ONE R 1-Inch aufs Dach, kleiner Test, und wir düsen los. Hoffentlich kommen wir ohne große Probleme wird nach Malvaglia. 

 

  • Tja...denkste...das erste Problem stellt sich schon nach ein paar Kurven. In einer engen Rechtskehre, ich muss zurücksetzen weil ich nicht rum komme, stehe ich plötzlich im Scheitelpunkt der Kurve, leg den ersten Gang an, fahre los...doch Zottl macht keinen Wank. Ich höre ein Rad durchdrehen, das wars. Wir kommen nicht vom Fleck. Fühlt sich an, als stünde ich auf Eis. Ungläubig schaue ich den Co-Pilot an, der schaut mit grooooßen Glasaugen zurück und gefühlt zuckt er gerade mit den Achseln. Oder ist das die Erschütterung von Zottl durch den durchdrehenden Reifen?

Super, wie komm ich hier jetzt weg? 


Ein Blick in die Rückfahrkamera zeigt, ich hab 2 m Platz nach hinten, dann kommen Bäume und Abhang. Vorsichtig lasse ich Zottl etwas zurück rollen. Behalte dabei den Abgrund im Blick. Kurz bevor ich einen Baum touchiere, stoppe ich. Erster Gang und Stoff geben. Durch Zottl geht ein Ruck und wir rollen an. Ich gebe mehr Gas, schlage nach rechts ein und wir schaffen es durch die Kurve....puh....geht doch nix über gute Traktion...

 

Die Fahrt zurück ist nicht weniger stressig als die Hinfahrt gestern. Gut, es ist weniger Verkehr aber dafür muss ich lenken, bremsen, nicht den Hang runter fahren und vier Kameras bedienen. Fahren wird da etwas zur Nebensache. 

Unterwegs stoppen wir noch an einem Glascontainer und entsorgen unsere Leichen von gestern Abend. 

 


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Nach vielen Kurven, Höhenmetern, Engstellen und schönen Aussichten in Schluchten und Täler kommen wir in Malvaglia an. Dort dreht Zottl's Nase nach links und wir folgen der Landstraße in Richtung Autobahn. Weiter gen Bellinzona, kurzer Blick auf den Lago Maggiore und weiter durch Locarno ins Maggiatal. Das müssen wir bis gaaaanz ans Ende fahren um dann am Lago del Sambuco den Einstieg zur Anfahrt zum Lago del Naret zu finden. 

Die Strecke durchs Maggiatal zieht sich ewig. Gegen Ende treffen wir wieder auf die Killer Serpentinen, eine jagt die andere, der Co-Pilot wird auch mal wieder weiß im Gesicht...ich kurbel mir einen Elch, bin aber stolz, dass ich ohne Zurücksetzten durchkomme. Nach den Serpentinen kommt noch eine ordentliche, einspurige Engstelle, ne Brück und wir sind erstmal in Sicherheit...und zack...kommt uns ein großer Postbus entgegen. Jung, junge, wäre der uns vor 500 m entgegen gekommen, hätten wir ziemlich geschissen gehabt. Da wäre rückwärtsfahren angesagt gewesen! 

 

Bis zum Lago Sambuco klettern wir nochmals einige Höhenmeter hoch, umkurven Felsen, fahren durch Löcher und weichen Gegenverkehr aus. Doch kommen wir gut voran und stehen irgendwann oben am Stausee. Gut gefüllt ist das Luder, das Wetter noch immer gut, wir stoppen für ein paar Fotos. 

Dabei verhalten wir uns wie chinesische oder sonstige Reisegruppen...alles springt aus den Vans, fotografiert, filmt, verschnauft...und weiter! Der heftigste Teil kommt ja jetzt erst noch. Also gehen wir es an.

 

Erstmal gechillt am See entlang...rechts Fels, links Wasser. Easy. 

Danach wird es steil, geht durch Wald, zwei steile Serpentinen. Dann weiter aus dem Wald raus durch Wiesen und wir erreichen eine Alp. Kurz können wir durchschnaufen, es geht an Schweinen vorbei und ist doch tatsächlich eben, bis zu einer kleinen Brück.

Ab hier wirds nun wieder steil, wellig, eng, felsig, kurvig. Die Strecke bringt alles mit, was einem Angst machen kann. Dazu immer wieder ein grandioser Ausblick ins Tal, später auf Geröllhalden und Felsen die einfach unbeschreiblich sind. Diese Landschaft ist einzigartig und einfach atemberaubend. Als wir hier letztes mal waren, stocherten wir im Nebel. Heute dagegen strahlender Sonnenschein, herrliches Licht...ich könnte den Co-Pilot knuddln vor Freude...wag es aber nicht, denn er sitzt da etwas angespannt. Vermute, die Abhänge, ohne jegliches Geländer oder Sicherheitsbauwerkt, machen ihn etwas unflauschig. Naja, ist wohl auch besser ich behalte meine Hände am Lenkrad, sonst kommt ne Bodenwelle, verreißt das Lenkrad und dann wars das mit dem TCL-Team. 

 

       

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So biegen wir irgendwann um die letzte Kurve, fahren an einem üblen Abhang vorbei und sehen die Staumauer des Lago del Naret...und was wir auch sehen: ne Menge Freisteher! Es ist der Teufel los. War zu erwarten. 

Wir kämpfen uns hoch bis zur Staumauer, fahren bei in Bälde untergehender Sonne darüber hinweg und stoppen auf der anderen Seite. Was nun? Wohin? Gefühlt steht überall schon jemand. Hier wäre zwar noch Platz, aber keine 15 m weiter steht der nächste Camper. Wir laufen ein Stück, erkunden die Umgebung, aber so richtig sagt uns nix zu. 

Ich schaue sehnsüchtig in Richtung unsere letztmaligen Schlafplatzes, doch dort sehe ich ne Menge Zelte, PKW und Sonnenschirme. Sieht fast nach Volksfest aus. 

Ich lasse meinen Blick etwas höher schweifen, dort hin wo Jens letztes mal als einziger hochgefahren war. Ein etwas höher gelegener Platz am Ende der Straße. Jens hatte es damals mit ATs geschafft. Silvio mit abgefahrenen Sommerreifen nicht. 

Hm....wir entscheiden: wir schauen uns das an. 

So rumpeln wir also am Stausee entlang bis zum Volksfest. Die Strecke versehen mit Schlaglöchern, eine Brücke hat es weggespült und sie wurde provisorisch wieder errichtet. Es geht nun aber durch eine deutlich Senke. 

Und als wir in der Nähe unsere damaligen Schlafplatzes sind, geht alles ganz schnell. Thomas mit seinem 4x4 Sprinter gibt über Funk durch: ich fahre hoch! Und weg ist er. Aus der Ferne sieht es für ihn ziemlich problemlos aus. Naja, mit Sperre und 4x4 hätte mich auch alles andere gewundert.

 

Als er oben ist, quakt der Funk wieder, Thomas und Susanna sind es: wir versuchen es!

Ich bleibe also alleine zurück und schaue ihnen zu, wie sie die Strecke hochrumpeln. Zu meiner Überraschung schaffen sie es relativ problemlos.

Als sie oben sind, wird es für uns Ernst.

Ich rede Zottl Mut zu. Von letztem Mal weiß ich noch wo die Problemzonen bei der Auffahrt sind. Ich gebe Gas, fahre erstmal in Schlangenlinie an großen Steinen vorbei, komme dann zum Anstieg und gebe Gas. Etwas Schwung holen, so gut es geht, um durch die Kurve  zu kommen. Zottl nimmt Fahrt auf, die Linkskurve kommt näher, ich sehe tiefen Schotter, merke wie Zottl kurz darauf im tiefen Schotter kämpft, an den Kurvenaussenrand kommt, ich stärker gegenlenken muss. Im Anschluss kommt eine quer über den Weg verlaufende Wasserrinne die einen leichten Absatz bildet. Eigentlich würde ich da lieber langsam drüber, doch der Schotter ist noch immer recht tief, lose und ich merke wie abgefahrenen Winterreifen mit der Traktion kämpfen. Also, nix langsamer werden, Gas und drüber...Zottl erbebt, es lässt einen etwas unschönen Schlag und wir sind drüber und mit letztem Schwung und durchdrehenden Reifen kurz darauf in Sicherheit. Jetzt nur noch schauen, dass wir nicht irgendwo Hinterachse, Trittstufe, Auspuff oder Tank beschädigen. Ich lese konzentriert die Strecke und umschiffe alle Klippen und herausragenden Steine. 

Uff...wow...Zottl...Du bist der Hammer. Ich hatte echt meine Zweifel, ob wir hier hoch kommen. Aber: so ein Kasten kann mehr als man denkt! Krass und einfach nur sau geil!

Als ich bei den anderen ankomme, parke ich schnell, begrüße die Besatzung eines Vans der noch etwas weiter hinten steht und mich erkannt hat und besorge mir dann erstmal ein Ankunftsbier. Das gibt's bei Thomas heute. Stühle raus, hinsetzen und durchschnaufen. Uff...was ne Anfahrt. Die letzten 400 m Schotterstrecke waren nicht ohne. Aber ich bin stolz drauf, dass wir alle hochgekommen sind. 

Und on Top kommt, dass wir von hier aus einen sagenhaften Blick über den Lago del Naret haben. Gigantisch. Die Zeltler sind weit weg von uns, wir haben hier unsere Ruhe....naja...bis auf die Disco die bei unseren Nachbarn von statten geht. Doch auch das legt sich irgendwann.
Und so, nachdem die Sonne sich für heute verabschiedet hat, wird das HighFire aufgebaut, Holz bereit gelegt und die Vorfreude auf das Abendessen genossen. Leck hab ich Hunger....was n Glück gibts heute was Feines! Was genau, das lest ihr dann im nächsten Blog...und was am nächsten Tag passiert, das gab es so noch nie bei uns. Ein völlig verrückter Morgen...aber ich will nicht vorgreifen. Freut euch drauf! :)

Viele Grüsse, weiter gehts im nächsten Blog.

 

Kai



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