#2 Glarus - Vom Linthal hoch auf den Urnerboden

Guten Morgen zusammen,

 

um 9 Uhr öffnen wir unsere Äugli und werfen einen Blick in die Runde. Alles noch da, keiner hat über Nacht gestört, auch draußen alles ruhig. Ein Blick durch das Dachfenster zeigt: Felswände! Und trockenes Wetter mit hoher leichter Bewölkung. Und Schnee!

Als erstes aber mal Frühstück und ein schneller Espresso aus meiner Nanopresso mit schöner Crema.

 

Im Anschluss wage ich mich vor die Tür. Erste Feststellung: kalt ist anders. Die Temperaturen sind deutlich im Plusbereich. So laufe ich beschwingt den Weg weiter und frage mich, wo es denn hier weiter hinter ins Tal geht. Denn Google Maps zeigt hier einen Weg. Ich bewege mich in Richtung Kieswerk, stehe jedoch schnell vor einer zwar geöffneten Schranke, die anderen Schilder sagen aber deutlich: Burschi, hier geht’s nicht weiter! Hm…hab ich vor lauter Schnee den richtigen Weg nicht gesehen? Sehr komisch.

 

Ich laufe zurück zu Zottl, filme die Felswände und Berge, Schnee hats hier auf jeden Fall auch ordentlich. Tolle Landschaft…und plötzlich kracht es im Hintergrund hundselend. Ich fahr herum. Ist was auf Zottl gefallen? Kommt hier gleich ein Panzer ums Eck? Dann seh ich es: eine kleine Lawine an einem der Steilhänge hatte sich gelöst und war ins Tal gerauscht. Nur ein sehr kleiner Rutsch, aber durch die Akustik hier, hörte sich das große an. Ich seh noch die letzten Staubreste. Hui, was ein Schreck. Die steigenden Temperaturen, machen Eiszapfen und Schneefelder instabil. Da könnte noch mehr runterkommen in den nächsten Stunden. Unser Platz ist aber recht geschützt durch Bäume, da dürfte uns nix treffen.

 

Das Wetter bessert sich mehr und mehr, so entscheide ich, Kollege Drohen darf noch einen Einsatz fliegen. Hoch damit, hier stehen zwar Bäume rum, aber was solls. Vorher kommt aber noch ein 200 MB Update der Software rein, das wird noch runtergeladen und aufgespielt. Jetzt aber, up in the air….und kaum bin ich auf 10 m….geht nix mehr.

 

Das Ding steigt nicht höher. Der Controller: Maximale Flughöhe erreicht. Hä????? Leidet die Mavic Pro jetzt unter Höhenangst? Wäre etwas unpraktisch wenn man eine Drohne is.

Ich hab 7 Satelliten für den GPS Empfang verfügbar. Das muss doch reichen. Aber nein, sie erlaubt nur Flug auf Sicht. Da frag ich mich aber, wie schlecht die Affen von DJI meinen, das meine Augen sind.

Als ich die Drohne ein Stück weg fliege, steigt sie plötzlich etwas höher. Nur um dann auf ca. 30 m die gleiche Meldung zu bringen. Was für ein Scheiß! Langsam geht mir die Dohne echt auf den Sack mit ihren Marotten. Lag das am Softwareupdate? Zumindest hatte ich dieses Problem bisher noch nie. So flieg ich etwas auf 30 Metern Höhe. Gehe später mal tiefer und bleib dann wieder auf 10 m hängen. So verballer ich verzweifelt einen ganzen Akku. Aber es hilft nix. Stinksauer bin ich und ein riesen Hals hab ich im Anschluss!

 

Um mich etwas abzureagieren, bearbeite ich ein wenig Videos und stelle fest, dass sich das Wetter immer mehr bessert. Die Sonne scheint, es ist „warm“ und ich versuche einen zweiten Start mit der Drohne. Akku rein, Systeme starten…und sieh da, das Luder steigt ohne mit der Wimper zu zucken auf ungeahnte Höhen. Warum nicht gleich? Immer muss ich erst schimpfen!!!

        

     

Nach dem Flug geht es stark auf Mittag zu, Hunger hab ich noch nicht. Daher mache ich Zottl abfahrbereit. Lasse nochmal die Drohne in die Luft und filme die Abfahrt. Und wo fahren wir jetzt hin? Hm….Urnerboden ist das Ziel. Wenn wir hoch kommen. Laut der Straßenschilder ist die Straße zwar befahrbar, aber in welchem Zustand? Brauchen wir evtl. Ketten? Eisig? Verschneit?

 

Die Strecke gehört zum Klausenpass, welcher im Winter geschlossen ist. Bald nach der Abfahrt beginnen wir den Aufstieg. Erst ein kurzer Abschnitt Kopfsteinpflaster, dann geht’s über eine gut ausgebaute Straße den Berg hoch. Immer höher, die Schneewände erreichen Höhen von 1,5-1,7 m. Die Strecke ist top geräumt. Erst weiter oben wird es etwas haariger. Eisreste auf der Straße, dann Schneeabschnitte und zum Schluss fahren Zottls Winterreifen auf Schnee. Da es hier jedoch nicht mehr sehr steil ist, haben wir keinerlei Probleme. So erreichen wir den Urnerboden, packen die Drohne aus, filmen uns während der Fahrt und fahren, bis uns ein Schild sagt: Ende! Wobei es das Schild nicht bräuchte, der Schnee ist so hoch, dass an Weiterfahrt ohnehin nicht zu denken wäre.

 

Wir parken entlang der Straße und fühlen uns ein wenig in der Unterzahl. Hier gibt’s ein Phänomen, dass ich so noch nie gesehen habe. Hier stehen mehr freistehende Wohnwagen rum als Womo’s! Ein ungewöhnlicher Anblick. Hab auch selten so viele Moppel (Notstromaggregate) rumstehen sehen. Und on top: hier gibt’s auch ganz viele Schlittenhunde! Ich wähne mich fast im falschen Film! Auch Friedrich und Co-Pilot schauen verwirrt. Besonders wegen der Hund die hier munter so komische Schlitten ziehen. Der Co-Pilot schüttelt nur den Kopf…

 

So langsam schleicht sich doch etwas Hunger ein. Ich hab noch ein paar Miniatur Prinzenrollen Kekse in Zottl, die waren in dem Care Paket von Thomas, so werf ich mir die sprichwörtlich ein. Denn abbeißen brauch man da nicht, so klein sind die. Heute Abend wird natürlich ordentlich gekocht. Aber nicht an diesem Platz, das wird mir schnell klar. Zu viele Hunde, zu viel Gebell.

 

Nach den Keksen frage ich das freundliche Ehepaar das vor mit parkt ob ich einige ihrer ca. 15 (!) Schlittenhunde filmen und fotografieren dürfe. Sooo schöne Tiere! Ich darf und schieße so einige schöne Aufnahmen. Als die Fütterungszeit beginnt, ziehe ich mich zurück. Will nicht aus Versehen auch auf dem Buffet landen.

 

Nach einiger Zeit, starte ich Zottl, setze zurück und fahr die Straße, welche ich gekommen war, ca. 1 km zurück. Als ich gerade so richtig in Fahrt bin, sehe ich links den freigeschaufelten Platz den ich für die Nacht vorgesehen habe….ich bin aber so schnell, dass wir sehr schnell an der Einfahrt vorbei schießen. Verdammt! Hinter mir ist niemand, ich hau die Bremsen rein, das ABS regelt und wir verzögern sicher bis zum Stand. Cool J.

Rückwärtsgang rein, 200 m zurück, Blinker links, drehen, rückwärts einparken. Fertig! Hinter mir verschneite Berge, vor mir verschneite Felder und dann bewaldeter Berg. Hätte es schlechter treffen können. Der Parkplatz gehört zwar zu den in 500 m Entfernung stehenden Hütten und Häuser, aber was solls. Hier ist Platz und ich glaube nicht, dass ich hier jemanden störe. Zudem wird der Parkplatz auch von Loipen Benutzern verwendet.

 

Da wir schon nach 17 Uhr haben, sollte ich langsam kochen. Heut gibt’s was neues: Hühnchengeschnetzeltes mit Pilz-Sahnesoße, im Omnia Ofen. Das Rezept dazu erhielt ich von Jutta, einer lieben Abonnentin aus dem hohen Norden Deutschlands. Danke vielmals!!

 

So schneide ich mal Pilze, mache die Rahmsoße mit Sahne und Gemüsebrühe, häcksel noch eine Karotte, tue die mit rein, mariniere noch das Fleisch etwas mit Fleischgewürz und am Ende landet alles in der Omnia Form. Deckel drauf. Herd auf Vollgas ein paar Minuten und später auf halber Leistung. 35 Minuten laut Rezept. Ich muss aber etwas mehr Zeit geben, hab mehr Flüssigkeit und Pilze als im Rezept.

Nach ca. 45 Minuten ist alles bereit. Gerne hätte ich noch Wein durch, den hab ich auch gekauft gehabt, aber ich vergesse es schlichtweg. Aber auch ohne Wein duftet es gut. Dazu mache ich noch schnell bereits gekochten Reis warm und fertig ist eine Mahlzeit, die sicher auch dem ein oder anderen hier schmecken würde. J Ein echtes Festessen. Ich glaub, ich könnte die ganze Omnia Menge vertilgen. Bin aber vernünftig und höher nach 2/3 auf. Muss ja morgen auch noch was essen!

 

Als ich nach dem Essen nochmal vor die Tür gehe und Zottl lüfte, höre ich plötzlich von hinter mir ein Rauschen. Als würde da ein Bach fließen. Wobei ich mir sicher bin: da is nix. Ich versuche in der Dunkelheit etwas zu erkennen. Und sehe Schemenhaft, dass sich der Berg bewegt. Naja, nicht der Berg, sondern der Schnee….eine Lawine…ziemlich direkt hinter Zottl.  So in 400-500 Meter Entfernung. Es rauscht weiter.

Glücklicherweise ist es keine riesen Lawine, sondern eher ein mittlerer Schneerutsch. Auch stehen wir hier in absoluter Sicherheit. Das Gelände läuft recht flach aus auf 300 m. Aber ein komisches Gefühl ist es schon. Kurz darauf herrscht auch wieder Stille. Das wars.

Lüften ist beendet, mein Schnittprogramm wartet. Ich muss heut noch ein Video fertig stellen, so dass ich es über Nacht rendern kann. Da es sich um ein etwas aufwändigeres Filmchen handelt (Albula & Juf #1), frisst es etwas mehr Zeit als sonst.

 

So verfliegt der Abend, ruckzuck ist es Mitternacht und wir gehen so langsam gen Bett. Naja, ich gehe, die Herren Bären lassen sich mal wieder rüber tragen. Hoffen wir mal auf eine lawinenfreie Nacht und schauen was morgen kommt.

 

Gute Nacht und liebe Grüsse

Kai und die Schnarchzapfen

 

 

GPS Koordinaten:

Linthal: 46.878875, 8.979246

Urnerboden: 46.895132, 8.914584

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