Der Tag startet hoch und endet hoch in Graubünden

Guten Morgen von hoch oben...gerne würde ich schreiben "von über den Wolken", leider trifft "von in den Wolken" deutlich besser. Ein kurzer Blick zeigt das ganze Elend dass sich heute morgen um 9 Uhr bietet: Nebel! Wohin man schaut. Aber immerhin trocken.
Und da ist so ein komisches Geräusch draußen...hört sich nach...äh....Drohne an. Fehlt nur noch, dass ich sie gleich durch mein Dachfenster ins Innere von Zottl linsen sehe. Ich glaub ich muss mal aufstehen und schauen was da los ist. Einen Verdacht hab ich ja schon....

 

Ein weiterer Blick nach draußen, diesmal durchs Seitenfenster, bestätigt meinen Verdacht. Da steht er, der Jens von Vanamericana und läßt seine DJI Spark durch die Lüfte fliegen. Und das bei Nebel. Um diese Uhrzeit. Ist der aus'm Bett gefallen? Oder hat er schneller geschlafen als ich?

Gähn....bin noch leicht verpennt...da hilft sicherlich, mal vor die Tür gehen. Also raus in den Nebel...kaum steh ich vor Zottl, bereue ich es schon. Verdammt ist das kalt. 7°C nur noch. Da hatte meine Dieselheizung auf 2.300 m ja wieder gut zu tun heute Nacht. Und all das ohne Höhenkit und ohne Fehlermeldung. Hab ich schon mal erwähnt, dass ich die Dieselheizung liebe? Ich sollte ihr noch einen Namen geben....

 

Jetzt scheiß ich erstmal so aus Spaß den Jens zusammen, was er sich eigentlich denkt morgens um neuen Uhr hier rumzufliegen. Lange halt ich es aber nicht durch, muss ich doch lachen dabei. 

Wenn er schon fliegt, lass ich meine Mavic Pro auch mal gleich in die Luft. Das erste was ich bekomme ist eine Fehlermeldung von den Frontsensoren. Die mögen wahrscheinlich den Nebel nicht weil sie nix sehen und so entscheiden sie, sich aus der Verantwortung zu ziehen und einen Fehler zu generieren. Egal, hier steht eh nix im Weg, flieg ich halt mit Fehlermeldung. 
Da die Drohne schnell im Nebel verschwindet und unsichtbar wird, gibt es ein paar Platzrunden und eine Landung. Frühstücken wir erstmal, vielleicht wirds ja irgendwann besser mit der Suppe da draußen.

Wir verbringen einen entspannten morgen, behalten aber die Zeit im Auge, denn einer muss heut noch arbeiten um 16 Uhr....ich bins nicht. 

Während wir frühstücken, lichtet sich der Nebel etwas, nur um nach dem Frühstück wieder komplett dicht zu sein. Ein auf und ab was die Sicht angeht. 

Gegen 11 Uhr wirds wieder besser und wir fliegen nochmals unsere Drohnen, diesmal mit besserer Sicht. Dann wird besprochen, wie wir unsere Abfahrt filmen wollen. Am besten aus der Luft. Das wird spannend und lustig. Hoffentlich fährt keiner vor lauter Ablenkung den Hang runter.

 

Los gehts, Oski und Jens fahren vor, meine Drohen fliegt hinterher und filmt. Wobei das gar nicht so einfach ist, wie es sich anhört. Als ich über das Display sehe, dass Jens wartet, fahre ich los und er schickt seine Drohne in die Luft. So gehts es munter weiter und wir arbeiten uns langsam den Berg runter. Macht sehr viel Spaß und die Zeit verfliegt wie nix. 

Unten im Tal trennen sich unsere Wege, Jens muss zurück in den Stollen, auf mich wartet ein weiterer Abend in Zottl. Das Wetter hat sich gebessert, die Sonne scheint, es ist schön warm. Wir verabschieden uns, halten fest, dass so etwas dringend einer Widerholung bedarf ich schaue Oski hinterher wie er kleiner wird. 

Zottl, mein Co-Pilot und ich bleiben zurück auf dem Parkplatz und überlegen, was nun zu tun ist. Erstmal bleibe ich hier, ist zwar camping verboten, aber egal, ich parke ja nur. Muss dringend was essen. So mache ich mir schnell eine Grillwurst im Topf und ein paar Reisnudeln. Das muss es tun. 

Nebenbei sicher ich Daten, update meine Webseite, stelle sicher das heute ein YouTube Video online geht und kaue. Es kommt NIE Langeweile auf wenn ich unterwegs bin.

Gegen 17 Uhr habe ich alle Arbeiten erledigt und bin ready to go. Aber wohin eigentlich? Ich gebe dem nach, was mich am meisten reizt, auch wenn ich nicht 100% sicher bin, ob es erlaubt ist. Da es jedoch auch nicht ausdrücklich verboten ist, ist es maximal Grauzone. Motor an, Gang rein, let's go!
Wieder mal gehts bergauf. Lange und kurvig, die Strecke kenne ich noch von gestern. Das Ziel: Lago di Lei. Der hat es mir schon auf Google Maps angetan, gestern bei Regen auch heute will ich ihn bei besserem Wetter besuchen und über Nacht bleiben. No Camping Schilder hatte ich gestern keine Gesehen, nur der Tunnel ist von 22-5 Uhr nicht befahrbar. Ich bin über Nacht also komplett abgeschlossen von der Außenwelt. Interessantes Gefühl!

 

Als ich auf den Tunnelstollen zufahre, springt die Ampel von rot auf grün und ich darf gleich rein und durch. Unter Platzangst sollte man hier nicht leiden, einspuriger Tunnel, etwas eng aber mit nem Kastenwagen noch gut zu fahren. 950 m später sehe ich das Licht am Ende des Tunnels...und zwar nicht in Form von einer Lokomotive, sondern in Form von echtem Tageslicht. 

Die schweizer, italienische und bündnerische Flaggen wehen heftig im Sturm, Drohne fliegen is nicht, aber die Sonne scheint. Und kaum ein Mensch hier. 

Aus dem Tunnel kommend biege ich sofort links ab auf den Parkplatz, fahre ganz nach hinten, drehe Zottl im Sumpf um 180° und mache den Motor aus. Mein Auge streift über eine imposante Staudammmauer, einen nicht vollen See, massive Berge und einen recht blauen Himmel. Wow! Was für eine Ansicht. Was für ein Panorama!


Bevor ich ans Essen denke, latsche ich noch über die Mauer, mache Fotos, filme und genieße die Abgeschiedenheit. Lasse mir den Wind um die Ohren blasen und kommt hungrig zurück zu Zottl.

       

Und schon sind wir wieder bei dem bei uns allseits beliebten Thema: was essen wir? Zottl brauch nix, Co-Pilot ist auch nicht hungrig. Und ich? 

Ich entscheide, es wird gegrillt. Ich hab noch Lamm Filet dabei, dazu grille ich Süßkartoffeln und mache mir einen Avocado Zitronen Dip. Den Dip-Tipp in Kombi mit Süßkartoffeln bekam ich von meiner Arbeitskollegin. Sehr lecker, einfach und schnell gemacht.  

Wer übrigens jemanden kennt, der bald ein Kind erwartet, sollte sich mal auf Instagram "hello_little_one" anschauen. Schöne und liebevoll gestaltete Geschenkkörbe für Eltern von Neugeborene. Ein, sagen wir, Hobby meiner Kollegin.

Der Dip ist schnell gemacht, weiche Avocado, Saft einer halben Zitrone (ca.), etwas Salz, Knobi wer will, alles verrühren. Fertig. Die Kartoffeln auf den Grill, später etwas Olivenöl dazu, und noch etwas später das Lamm auf den Grill.

Wenig später sitze ich in Zottl und lasse es mich schmecken. Nebenbei beantworte ich Kommentar bei YouTube und kaue fleißig. 

Was für ein schöner Tag das doch heute war, auch wenn das Wetter nicht ganz mitgespielt hat, so war der Weg in Richtung Besserung ersichtlich. Mal schauen was uns morgen, Montag, erwartet. Auf jeden Fall kein so relaxter morgen, ich muss um 9 Uhr in Chur sein. 

Ich räum dann hier mal noch schnell alles auf, bearbeite noch ein Nordkap Video und geh nicht all zuspät schlafen. Draußen ist es stockdunkel, ruhig und ich stehe hier mutterseelenalleine rum. So wie ich es liebe!

Gute Nacht und viele Grüsse

Kai

 

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